Quasi-Spielabbruch in Ingolstadt nach Skandal-Auftritt der Münchner – Köln nach XXL-Overtime im Halbfinale

Ausgerechnet Ex-Panther Fabio Wagner setzt mit einer üblen Aktion einem skandalösen Auftritt der Münchner die Krone auf.
ERC Ingolstadt – EHC Red Bull München 7:2 (5:0, 1:1, 1:1)
Serienstand: 2:2
Am Ende rückte das Sportliche in den Hintergrund – die Gedanken an den schwer getroffenen ERC-Verteidiger Edwin Tropmann überdeckten alles. Doch der Reihe nach an diesem positiv wie negativ denkwürdigen Abend.
Nach dem ersten Heimsieg dieser Serie durch die Münchner am Sonntag wollten die Panther ihrerseits auf eigenem Eis nachlegen. Und in einem spektakulären ersten Drittel nahmen die Panther die Bullen mächtig auf die Hörner: Bissig, griffig, diszipliniert, effizient und mit viel Hunger auf Tore überrollten die Schanzer die Münchner regelrecht und zeigten dabei ihr ganzes Können: Der fast schon ausgemusterte – offenbar wegen eines angedachten Wechsels nach Augsburg – und zu den Playoffs reaktivierte Philipp Kraus schloss den ersten richtigen Angriff aus kurzer Distanz zur Führung für die Donaustädter ab.
Dann bestimmte wie so häufig in dieser Serie das Geschehen auf der Strafbank den weiteren Spielverlauf: Taro Hirose saß mit einer großen Strafe draußen, zudem musste Dillon Heatherington raus – und das nutzten die Panther extrem effizient mit drei Toren in 50 Sekunden. Riley Barber verwertete die doppelte Überzahl nach einer sehr durchdacht vorgetragenen Sequenz zum zweiten Tor, dann schnappte sich Alex Breton die Scheibe, marschierte über das ganze Feld und verwertete schließlich seinen eigenen Rebound aus der Luft zum dritten Tor. Die Treffer vier und fünf eine Machtdemonstration der Panther: Sie kombinierten sich mit One-Touch-Hockey durch die Zone der Münchner, so dass erneut Riley Barber in Überzahl und Myles Powell nur noch die Kelle hinhalten mussten. Ein Drittel, wie man es in Ingolstadt lange nicht gesehen hat – und in den Playoffs vermutlich noch nie.
Im zweiten Abschnitt, der zunächst auf Münchner Seite einen Torwartwechsel von Simon Wolf zu Antoine Bibeau brachte, dauerte es fünfeinhalb Minuten bis zum ersten Highlight: Chris DeSousa brachte die Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt in Überzahl erstmals auf die Anzeigetafel. Spät im zweiten Drittel dann der nächste Aufreger: Nach zweimaliger Videoprüfung kassierte erst Münchens Kapitän Patrick Hager eine doppelte kleine Strafe, dann wurde Jeremy McKenna sogar eine „Fünf plus Spieldauer“ aufgebrummt – und diese doppelte Überzahl nutzten die Panther nach nur neun Sekunden, um das halbe Dutzend durch einen satten Schlagschuss von Alex Breton vollzumachen.
Münchens Veit Oswald, die ganze Serie schon sehr auffällig, sorgte nach knapp vier Minuten im Schlussdrittel für den zweiten Treffer der Gäste. Zur Mitte des Schlussanschnitts wieder doppelte Überzahl für Ingolstadt: Markus Eisenschmid foulte in höchster Not vor dem eigenen Tor, zuvor hatte Yasin Ehliz seinen Gegner an der Bande niedergestreckt – große Strafe nach Videobeweis und diese nutzte erneut Alex Breton zum siebten Treffer der Schanzer. Kurz darauf der nächste Ausschluss: Dillan Heatherington durfte nach einer energisch vorgetragenen Einladung zum Tanz an Morgan Ellis, die Ingolstadts Kapitän aber clever über sich ergehen ließ, auch vorzeitig zum Duschen gehen, Yasin Ehliz folgte kurz darauf.
Am Ende rückten der Sport und die Rivalität in den Hintergrund: Sogar Ex-Panther Fabio Wagner, für Härte gegen sich und andere bekannt, aber nicht für unfaires Spiel, ließ sich zu einem üblen Hit verleiten. Auch er verließ unmittelbar das Eis, während sein Opfer Edwin Tropmann auf dem Eis notärztlich behandelt und mit der Trage vom Eis gebracht werden musste. Ein Update zu seinem Zustand gab es zunächst nicht.
So endete dieses Spiel mit einem Bully 100 Sekunden vor dem Ende, in dessen Anschluss aber nicht mehr gespielt wurde – ein Spielabbruch light sozusagen. Eine weise Entscheidung der Unparteiischen, denn ein geregelter Fortgang des Spiels wäre angesichts der extrem aufgeheizten Atmosphäre nicht mehr möglich gewesen.
Danach keine Pressekonferenz, keine Interviews – einfach blankes Entsetzen über einen beschämenden Auftritt der Münchner, an dessen Ende 125 Strafminuten für Bayerns Landeshauptstädter standen.
Kölner Haie – Schwenninger Wild Wings 2:1 n.V. (0:0, 1:0, 0:1, 0:0, 0:0, 1:0)
Serienstand: 4:0
Die Kölner Haie wollten diese durchaus enge Serie zumachen – und Schwenningen sich für seine starken Leistungen in en ersten Spielen belohnen. Zunächst aber gab es im ersten Drittel zwei Fights, aber keine Tore. Schließlich war es Kölns Patrick Russell, der den ersten Treffer erzielte. Erst zwei Minuten vor dem Ende glich Ex-Panther Mirko Höfflin aus für die Gäste aus dem Schwarzwald, als Gäste-Coach Steve Walker „all in“ ging und seinen Torwart vom Eis nahm für den zusätzlichen Angreifer.
In der dritten Verlängerung war es schließlich Jan Luca Sennhenn, der die Haie ins Halbfinale schoss.
Fischtown Pinguins Bremerhaven – Adler Mannheim 6:1 (1:0, 3:1, 2:0)
Serienstand: 1:3
Auch die Adler Mannheim hatten die Chance, bereits nach vier Spielen ins Halbfinale einzuziehen. Und nachdem in den ersten drei Spielen viele Strafen die Serie bestimmten, blieben beide Teams zunächst friedlich. C.J. Smith traf spät im ersten Drittel für die Norddeutschen, diese Führung glich Justin Schütz früh im zweiten Drittel aus für die Kurpfälzer. Akito Hirose, Matt Abt und Colt Conrad stellten für die Pinguins zur Spielmitte mit ihren Treffern innerhalb von gut fünf Minuten auf 4:1 für die Norddeutschen.
Als Reaktion auf den fünften Streich der Bremerhavener durch den Ex-Mannheimer Nico Krämmer nach nur 21 Sekunden im Schlussabschnitt nahm Adler-Trainer Dallas Eakins bereits nach dreieinhalb gespielten Minuten seinen Torwart Maxi Franzreb vom Eis – doch nur neun Sekunden später traf Phillip Brugisser ins leere Tor der Gäste zum Endstand.
Eisbären Berlin – Straubing Tigers 2:1 (2:0, 0:0, 0:1)
Serienstand: 3:1
Ausgleich Straubing oder Matchpuck Berlin hieß es am Dienstag in der Hauptstadt. In einem hitzigen ersten Drittel trafen Marcel Noebels und Ty Ronning für den amtierenden Meister. Tyler Madden konnte kurz vor dem Ende nur noch verkürzen für die Niederbayern.













