Kein Fehler von Stephan BauerKurios – aber richtig

Wenn Torhüter ihren Helm verlieren - wie hier bei einer Szene während eines Spiels in Berlin - müssen Stephan Bauer und seine Kollegen genau hinschauen. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)Wenn Torhüter ihren Helm verlieren - wie hier bei einer Szene während eines Spiels in Berlin - müssen Stephan Bauer und seine Kollegen genau hinschauen. (Foto: dpa/picture alliance/City-Press)
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Es waren aufregende und nicht immer leicht zu durchschauende Minuten, die sich in Iserlohn im Schlussdrittel abspielten. Was war passiert? Straubings Mike Hedden und Iserlohns Saša Martinović duellierten sich im Lauf und der Niederbayer versucht dem Sauerländer die Scheibe abzuluchsen. In Tornähe geht beiden der Platz aus und Straubings Goalie Basti Vogl wird umgefahren und verliert den Helm. Das Spielt läuft weiter und Chad Costello staubt aus wenigen Zentimetern ab. Nahezu jeder rechnete damit, dass der Treffer nicht zählt, sogar die meisten Iserlohner waren dieser Meinung.

Wenig später, auf der anderen Seite eine ähnliche Szene. Iserlohns Goalie Sebastian Dahm wird mit einem Schläger der Helm vom Kopf gebracht. Dahm geht ein paar Schritte aus dem Tor und Austin Madaisky schießt aus dem Hintergrund ins Tor. Doch dieses Tor fand keine Anerkennung. Stephan Bauer begründet das am Zeitnehmertisch: „Es war vorher abgepfiffen.“ Warum das so war und warum alles richtig war, haben wir mit Lars Brüggemann besprochen und uns aufklären lassen.

Zunächst muss man aber festhalten, dass, obwohl die Szenen ähnlich waren, es auch gravierende und somit entscheidende Unterschiede gab. Zunächst zum Iserlohner Tor. Die erste Regel, die man ansehen muss, ist Regel 200 „Laufendes Spiel – Torhüter“. So steht dort unter Punkt III: „Verliert ein Torhüter seine Gesichtsmaske während des laufenden Spiels und ist das gegnerische Team im Besitz des Pucks, unterbricht der Schiedsrichter das Spiel, falls keine unmittelbare Torchance besteht. Das folgende Anspiel erfolgt an einem der Anspielpunkte in der Verteidigungszone.“ Nach dem Zusammenprall lag die Scheibe frei und Chad Costello hatte eindeutig eine Torchance. Es bestand aber keine Gelegenheit, die Partie zu unterbrechen. Trotzdem will man die Goalies schützen und ist dazu angehalten, das Spiel zu unterbrechen, erklärte Lars Brüggemann. Nun wird es aber spannend, denn weiter heißt es unter Punkt IV: „Verliert ein Torhüter seine Gesichtsmaske während des laufenden Spiels und der Puck überquert die Torlinie, bevor der Pfiff des Schiedsrichters das Spiel unterbricht, ist das Tor gültig.“ Auch das war so. Der zeitliche Ablauf war so schnell, das Stephan Bauer gar nicht die Gelegenheit hatte zu pfeifen.

Und genau darin liegt ein großer Unterschied zur zweiten Szene. Denn beim nicht gegebenen Straubinger Tor war die Scheibe weiter vom Tor entfernt und Madaisky brauchte deutlich länger um einen Schuss anzusetzen. Hier hatten die Schiedsrichter genügend Zeit, das Spiel zu unterbrechen.

Nach dem Spiel meinte Basti Vogl, dass ihm vor der Saison erklärt wurde, dass in jeden Fall abgepfiffen werde. Das hätte Stephan Bauer auch sicher getan, hätte ihm der Ablauf die Zeit gegeben. Das meint auch Lars Brüggemann: „Verliert ein Goalie den Helm, gehen bei allen Schiedsrichtern die roten Lampen an.“

Die zweite Frage, die man sich stellen konnte, war die Frage nach dem Kontakt im Torraum. Hierzu fiel einigen Fans eine Mitte August von der DEL veröffentlichte Meldung ein. Dort ging es um die „Regeländerungen zur Saison 2017/18“ und es heißt: „Weiterhin gilt, dass ein Tor keine Gültigkeit erlangen kann, wenn ein angreifender Spieler im Torraum einen relevanten Kontakt mit dem Torhüter herstellt.“ Dass dieser Kontakt relevant war, steht außer Frage. Doch wie und warum dieser Kontakt zustande kommt, ist in besagter Meldung nicht weiter ausgeführt. Aber genau das führte wahrscheinlich zur nächsten Verwirrung. Lars Brüggemann verweist auf Regel 95 „Torraum im Hinblick auf das Erzielen von Toren“. Unter I. steht hier: „Wird ein angreifender Feldspieler vom verteidigenden Spieler geschoben, gestoßen, gedrängt oder gefoult, wodurch er in den Torraum gelangt, während der Puck ins Tor geht, zählt das Tor, außer, der angreifende Spieler hatte genügend Zeit, den Torraum zu verlassen, bevor der Puck ins Tor gelangte.“ Das wäre jetzt der letzte Punkt, über den man diskutieren könnte. Sind Hedden und Martinović unabsichtlich im Zweikampf in Vogl gefallen oder hat Hedden Martinović auf Vogl geschoben. Stephan Bauers Gesten auf dem Eis ließen über seine Wahrnehmung keine Zweifel. Mit eindeutigen Zeichen machte er klar, dass er ein Schieben sah.

Das einzige, das man Stephan Bauer ankreiden kann, ist, dass er trotz heftiger Straubinger Proteste den Videobeweis zunächst nicht ansehen wollte und erst nachdem Coach Tom Pokel darum gebeten hat, hat er dieses Hilfsmittel herangezogen. In der aufgeheizten Stimmung flog in der Zwischenzeit Mike Hedden wegen unsportlichen Verhaltens vom Eis, doch diese Strafe verhängte der Schweizer Austauschschiedsrichter Stefan Eichmann. Das hat auch Lars Brüggemann nicht gefallen: „Hier wäre es besser gewesen, sofort zum Videobeweis zu gehen. Auch wenn sich Stephan Bauer in seiner Entscheidung sehr sicher war.“ Das hätte sicher viel der aufgeheizten Atmosphäre abgekühlt.

Was bleibt also unter dem Strich? Auch wenn man es nicht sofort verstehen konnte, spätestens jetzt wird klar, Stephan Bauer hat keinen Fehler gemacht. Im Höchstfall bleibt eine kleine Unterlassungssünde, wegen des späten Videobeweises.


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