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„Blindes Vertrauen“ - Der 55-Jährige erzählt seine Geschichte

Jeff Tomlinson nach Augeninfarkt erblindet

Lesedauer: 3 Minuten
Foto des Buches „Blindes Vertrauen“ von Jeff Tomlinson auf einem Holztisch
Das Cover des Buches „Blindes Vertrauen“ von Jeff Tomlinson. (Jörg Parsick-Mathieu)

„Tommer“ gibt in seinem Buch tiefe Einblicke in sein Leben auf und neben dem Eis. Offen, ehrlich und inspirierend berichtet er von Erfolgen, Rückschlägen und der inneren Stärke, die ihn stets getragen hat. Ein Buch, das berührt – nicht nur für Eishockeyfans.

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Jeff Tomlinson.
Ich kenne ihn seit dem Jahr 2000, als er von Manchester Storm nach Berlin kam. Eisbären. Erst Spieler, dann Trainer. Ich war fasziniert davon, wie schnell er die deutsche Sprache lernte. Differenziert. Pointiert. Fast akzentfrei. Er gehörte plötzlich dazu, als wäre er schon immer hier gewesen.

2010 wurde er Chefcoach in Düsseldorf, später in Nürnberg. Dann, 2013, die Rückkehr nach Berlin. Nach Hause. Es dauerte nicht lange. 2014 wurde sein Vertrag aufgelöst. Ich erinnere mich an ein Abendessen in Kreuzberg, ein Kollege war dabei. Tommer wirkte enttäuscht, ein wenig verbittert. Er sprach von der „Generation why!“, von jungen Spielern, die alles hinterfragen. „Das nervt“, sagte er damals. Vielleicht war es schon ein erstes Zeichen von Müdigkeit.

Er ging in die Schweiz. Erfolg in Rapperswil, später in Kloten. Doch die glänzende Fassade verbarg ein anderes Leben. Herzinfarkt 2016. Nierentransplantation 2019. Dann der Sehnervinfarkt an beiden Augen – fast vollständige Erblindung. „Die Diagnose war eine Katastrophe“, erzählt er im Blick. „Ich fühlte mich jung, und plötzlich war da nur Dunkelheit.“

Und trotzdem: Er coachte weiter. Zwei Saisons lang. Entwickelte Routinen, erfand kleine Tricks. „Es hat mich erschöpft, nicht zeigen zu können, dass ich vielleicht jemanden gar nicht erkannt habe, und stattdessen so tun zu müssen“, sagt er. Manchmal stellte er sich bei Restaurantbesuchen einfach dasselbe wie seine Begleiter. „Hauptsache, ich musste nicht erklären, dass ich die Karte nicht mehr lesen konnte.“

Am Wochenende rief mich Thomas Mitew an, ehemaliger Eisbären-Spieler und damals Vermarkter der Suisse League. Er traf Tomlinson oft, sah viele Spiele live, begleitete ihn bei Restaurantbesuchen. „Hast du gelesen?“, fragte Mitew. Er meinte das Interview im Blick. „Wir waren oft zusammen essen. Einmal bestellten wir Pizza. Tommer hatte die Buchstaben auf dem Handy riesig gestellt. Ich fragte ihn, was los sei. Dann erzählte er, dass er fast blind sei. Ich war geschockt. Und gleichzeitig fasziniert. Sein Mut. Seine Leidenschaft. Sein unbedingter Wille.“

Ich selbst hatte den Kontakt zu ihm verloren. Nach seinem Wechsel verlief es sich. Ich stieg aus dem Reporterleben aus. Immer wieder wollte ich zum Telefon greifen. Habe es nie getan. Heute schäme ich mich dafür.

2023 entschied er sich, vom Trainerposten zurückzutreten. Gleichzeitig sprach er öffentlich über sein Schicksal. „Ich bin frei. Ich kann einfach authentisch sein und auch sagen, wenn ich jemanden nicht erkenne.“ Diese Offenheit, nach all den Jahren der Verstellung, ist vielleicht sein größter Sieg.

Herzinfarkt, Niere, Augen. Wieviel Leid kann ein Mensch ertragen? Tommer zeigt: mehr, als wir denken. Nie aufgeben. Weitermachen. Und selbst wenn die Dunkelheit fast alles verschluckt – er bleibt. Erblindet, und doch lässt er uns sehen. Er macht Mut. Er gibt Hoffnung.

Jetzt dieses Buch. Blindes Vertrauen. Geschrieben mit Kristian Kapp. Erscheint am 12. September. Nicht nur eine Geschichte über Eishockey. Sondern über den Willen, das Leben zu meistern. Und über die Kraft, weiterzuleuchten, auch wenn die Welt finster scheint

Hier kann das Buch bestellt werden: https://amzn.to/46sPU30

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