Fischtown Pinguins scheitern erstmals in den Pre-PlayoffsRekordsaison endet nach einer packenden Serie gegen Nürnberg

Jan Urbas ist nächstes Jahr auch weiterhin bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven. (Foto: dpa/picture alliance/CITYPRESS 24)Jan Urbas ist nächstes Jahr auch weiterhin bei den Fischtown Pinguins Bremerhaven. (Foto: dpa/picture alliance/CITYPRESS 24)
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Man überlege sich, was möglich gewesen wäre, hätten die Pinguins nicht mit extremem Verletzungspech zu kämpfen gehabt und die daraus resultierende Niederlagenserie von acht Pleiten in Folge verhindern können. Dennoch war die Chance auf das Weiterkommen groß. Gegen keineswegs übermächtige Thomas Sabo Ice Tigers war man quasi schon im Sommerurlaub, bevor ein verblüffendes Comeback gelang. Ein 0:3 Rückstand in Nürnberg wurde innerhalb eines Drittels ausgeglichen, sodass die Overtime entscheiden musste. Doch eine Verlängerung sollte nicht reichen, denn Maxime Fortunus erlöste die Pinguins erst in der 100. Minute und holte das Entscheidungsspiel nach Bremerhaven, nachdem Spiel eins klar an Nürnberg ging. Im „Do or Die“-Game sah es dann wieder nicht gut für die Seestädter aus. Der 1:2 Rückstand hielt bis 30 Sekunden vor Schluss, bevor Alex Friesen erneut für eine Verlängerung sorgte. Doch die Gäste machten dort kurzen Prozess und zogen durch ein Tor von Dane Fox ins Playoff-Viertelfinale ein. Klar war die Enttäuschung zunächst sehr groß, doch schnell wurde allen Beteiligten bewusst, was für eine Leistung die Pinguins vollbracht hatten. Mit stark dezimiertem Kader zwei solche Comebacks gegen ein DEL-Schwergewicht wie Nürnberg zu schaffen ist aller Ehren wert.

Führungsetage

 Wenn im Verein Ruhe herrscht und keiner etwas Negatives vernimmt, kann eigentlich nur alles glatt laufen. Teammanager Alfred Prey und Geschäftsführer Hauke Hasselbring haben erneut einen überragenden Job verrichtet. In Bremerhaven ist die Aufgabe aus wenig Möglichkeiten Großes zu erschaffen, was absolut gelungen ist. Der Kader wurde mit Spielern ergänzt, welche die oberste Priorität an der Nordsee, nämlich hundertprozentige Leidenschaft, vollends verkörpert haben. Da schon jetzt ein Großteil der Mannschaft auch für die kommende Spielzeit unterschrieben hat, kann man den Verantwortlichen aus Bremerhaven nur gratulieren und darf gespannt sein, wie sich die eingespielte Truppe weiterhin verkauft.

Coaching-Team

Headcoach Thomas Popiesch musste des Öfteren an seinen Reihen basteln. Viele Verletzungen führten dazu, dass die Pinguins grade gegen Ende der Hauptrunde arge Probleme bekamen. Dennoch hat der Trainer das Ganze souverän gemeistert und das Team optimal eingestellt, egal wie aussichtslos die Situation auch war. Schon jetzt ist der gebürtige Berliner eine echte Pinguins-Legende und soll so lange wie möglich an der Nordsee bleiben.

Als neuer Co-Trainer hat Andrew McPherson seine erste Saison hinter sich. Der ehemalige Pinguins-Stürmer ist in seiner neuen Aufgabe total aufgeblüht und hatte großen Anteil am Erfolg der Bremerhavener. Neben McPherson war auch Torwarttrainer Josef Dusek wieder hinter der Bande aktiv und hat seine beiden tschechischen Schützlinge stets gut eingestellt. Beide Assistenztrainer dürften auch im nächsten DEL-Jahr wieder zum Team gehören. 

Tor

Mit Tomas Pöpperle gab es in dieser Spielzeit eine klare Nummer eins bei den Pinguins. Der erfahrene Tscheche rettete den Seestädtern so manchen wichtigen Punkt, was sich auch in seinen drei Shutouts widerspiegelt. Umso erfreulicher ist es, dass Pöpperle noch zwei weitere Jahre Vertrag in Bremerhaven hat.

Das tschechische Duo wurde von Jaroslav Hübl komplettiert. Der 36-jährige Back-Up kam nur auf 14 Einsätze, bei denen er sich keine optimale Statistik herausspielen konnte, was aber zugegebenermaßen oftmals nicht an ihm selbst lag. Ob er noch ein weiteres Jahr bei den Pinguins bleibt ist ungewiss.

Als dritter Goalie stand Mark Arnsperger zur Verfügung, der sich zu Beginn der Saison für einige Partien als Back-Up auf die Bank setzen durfte, jedoch zu keinem Einsatz kam.

Verteidigung

Grade in den Playoffs war Maxime Fortunus eine echte Waffe. Der Kanadier lief als Kapitän auf und führte das Team mit seinem Overtime-Winner ins entscheidende Spiel drei. Über die ganze Saison hinweg war er ein Stabilisator, sodass die Verantwortlichen handelten und seinen Vertrag um zwei Jahre verlängerten.

Der eigentliche Kapitän Mike Moore verpasste die Spiele gegen Nürnberg aufgrund einer Gehirnerschütterung. Extrem bitter, denn Moore ist das Gesicht des Bremerhavener Eishockeys und glänzte stets durch starke Leistungen. Offiziell hat der Kanadier noch keinen Vertrag für die kommende Saison, doch in der Seestadt gilt es als sicher, dass er bleibt.

Ein weiterer Verletzter gegen Ende der Saison war Chris Rumble. Der robuste Verteidiger fehlte vor allem den Special-Teams. Dass er in Bremerhaven bleibt scheint eher unwahrscheinlich. Auch noch keinen Vertrag hat Nicholas Jensen. Der Däne überzeugte mit zehn Saisontoren zusätzlich in der Offensivarbeit. Auch er fehlte in den letzten zwei Spielen und wurde schmerzlichst vermisst. Eine Vertragsverlängerung wäre keine Überraschung.

Seine ganze Erfahrung spielte Kevin Lavallee aus. Der inzwischen 37-jährige musste während der Saison einige Spiele verletzt pausieren, doch brachte immer solide Leistungen wenn er spielte. Nicht undenkbar, dass auch er noch ein Jahr an der Nordsee bleiben darf. Ob dies auch für Curtis Gedig gilt ist ungewiss. Der Neuzugang verletzte sich schwer und spielte nur 14 Partien für die Pinguins, sodass bei ihm kein großartiger Saisonrückblick möglich ist.

Ein wirklich großes Lob muss man Will Weber und Patch Alber geben. Beide kamen vor allem im Saisonendspurt zu sehr viel Eiszeit, da sie nicht zum Pinguins-Lazarett gehörten. Weber sorgte für die nötige Robustheit im Defensivverbund und holte sich insgesamt 126 Strafminuten ab. Zudem weist er eine überragende Plus-Minus-Statistik von +15 auf und wird auch in der kommenden Spielzeit zum Team der Pinguins gehören. Auch bei Patch Alber stehen die Zeichen auf feste Verpflichtung. Als Leihspieler von Förderlizenzpartner Crimmitschau an die Nordsee gekommen, entwickelte sich der Deutsch-Amerikaner extrem schnell zu einem wirklich soliden DEL-Verteidiger. Auch er glänzt mit einer Plus-Minus-Statistik von +14 und erzielte in den letzten Hauptrundenspielen seine ersten Tore, was als Empfehlung für mehr zu betrachten ist.

Sturm 

Ganz sicher hervorheben muss man das „Assist-Monster“ Mark Zengerle. Der Deutsch-Amerikaner glänzte nach seiner Verpflichtung mit überragenden Leistungen. Mit 38 Vorlagen war Zengerle in der Hauptrunde Bester in dieser Kategorie. Insgesamt kam er auf Platz acht der besten Scorer und das, obwohl er sechs Spiele weniger als die meisten Spieler vor ihm absolviert hat. Umso schöner für die Fischtown Pinguins, dass er noch für zwei weitere Spielzeiten unterschrieben hat.

Eine super Saison hat auch Chad Nehring hinter sich. Seine 49 Scorerpunkte können sich wahrlich sehen lassen. Grade in den Playoff-Partien gegen Nürnberg zeigte er sein ganzes Repertoire. Nehring verkörperte zu 100% die Art von Mentalität und Leidenschaft, welche an der Nordseeküste gefordert ist. Aus Sicht der Pinguins zeichnet sich jedoch leider ab, dass der Stürmer keinen neuen Vertrag unterschreibt und weiterzieht. Feststehen tut Dies jedoch noch nicht, sodass den Bremerhavener Fans ein Fünkchen Hoffnung bleibt.

Sicher bleiben wird hingegen das slowenische Nationalmannschaftsduo, gebildet von Jan Urbas und Miha Verlic. Letzterer überzeugte in seiner ersten Saison bei den Pinguins nicht nur als Stürmer. Als es im Defensivverbund eng wurde, sprang der groß gewachsene Verlic als Verteidiger ein und machte seinen Job hervorragend. In der kommenden Spielzeit soll er allerdings möglichst in der Offensive für Furore sorgen. Sein „Buddy“ Urbas war mit 19 Treffern bester Torschütze der Pinguins. Im Laufe der Saison wurde er jedoch zwei Mal von einer Gehirnerschütterung ausgebremst, weswegen er auch die Spiele gegen Nürnberg verpasste. Wie zu vernehmen war wird der Heilungsprozess noch etwas andauern.

Ein weiteres starkes Duo bildeten Justin Feser und Alex Friesen. Die beiden quirligen Stürmer glänzten mit guten Leistungen und hatten mit 36, bzw. 30 Scorerpunkten maßgeblichen Anteil am Erfolg der Pinguins. Beide Spieler bleiben auch in der kommenden Spielzeit in der Seestadt und werden sicherlich wichtige Teile des Bremerhavener Gerüsts sein.

Richtig Schwung in die Offensive hat die Verpflichtung von Fedor Kolupaylo gebracht. Der junge Deutsch-Russe musste lange auf seine Spielberechtigung warten, doch zeigte schon bei seinem Debüt was er drauf hat. Ihm gelangen in kürzester Zeit sechs Saisontore, darunter auch sehr wichtige Treffer. Er geht ab der neuen Saison in seine erste komplette DEL-Spielzeit und wird den Pinguins sicher noch viel Freude bereiten.

Mit Cory Quirk und Carson McMillan können die Pinguins ebenfalls planen. Beide verrichteten unaufgeregt ihren Job. McMillan konnte in seiner Premieren-Saison vor allem mit seiner Robustheit überzeugen, während Quirk in seinem dritten DEL-Jahr gewohnt gut punktete und inzwischen zum festen Inventar an der Küste gehört.

Weniger erfolgreich verlief die Saison für Dominik Uher und Ross Mauermann. Während Mauermann nur drei Partien absolvierte, wurde Uher immer wieder von kleineren Verletzungen zurückgeworfen. Doch der Deutsch-Tscheche hat noch ein weiteres Jahr Vertrag und kann so sein Potenzial hoffentlich konstanter ausschöpfen. Auch mit Mauermann wurde der Vertrag um ein Jahr verlängert. Der pfeilschnelle Stürmer will nach dem verlorenen Jahr neu angreifen. Wenn er an seine alte Form anknüpfen kann, ist der Pinguins-Sturm nochmal ein ganzes Stück gefährlicher.

Immer noch gefährlich ist auch Brock Hooton. Der inzwischen 35-jährige Kanadier ist aus Bremerhaven irgendwie nicht mehr wegzudenken. Mit 23 Scorerpunkten und einer Plus-Minus-Statistik von +12 gibt es an den Leistungen des Stürmers nichts auszusetzen. Eine Vertragsverlängerung ist sehr wahrscheinlich. Hooton würde dann in seine siebte Saison mit den Pinguins gehen.

Weitaus weniger wahrscheinlich scheint ein Verbleib von Rylan Schwartz zu sein. Ein Wechsel zu den Thomas Sabo Ice Tigers füllt die Gerüchteküche bereits seit Wochen. Der Stürmer überzeugte in der abgelaufenen Saison nicht nur mit seinen 23 Scorerpunkten, sondern vor allem als „Arbeiter“, der extrem viele Wege machte. Solche Spieler werden in jedem Team gebraucht, eventuell wohl auch in Nürnberg.

Komplettiert wurde der Pinguins-Sturm von Mike Hoeffel. Auch er verrichtete seinen Job und knüpfte an die Leistungen aus dem Vorjahr an. Ob es jedoch für einen neuen Vertrag reicht ist nicht sicher. Möglich, dass der Deutsch-Amerikaner nach zweieinhalb Jahren den Arbeitgeber wechselt.

Mit Christoph Körner und Tobias Kircher absolvierten zwei Förderlizenzspieler der Pinguins fast die ganze Saison in der DEL2 bei den Eispiraten Crimmitschau. Während Körner immerhin 14 Partien für die Seestädter bestreiten durfte, bevor es für ihn eine Liga tiefer ging, kam Kircher zu keinem Einsatz. Beide haben aktuell keinen Vertrag für das nächste DEL-Jahr in Bremerhaven.

Ausblick

Durch die zahlreichen langfristigen Verträge steht das Pinguins-Gerüst für die kommende Spielzeit. Zudem ist davon auszugehen, dass noch weitere Spieler ihre Arbeitspapiere verlängern, sodass die Verantwortlichen nur wenige Stellen im Kader vergeben müssen. Ein Torhüter, zwei Verteidiger und zehn Stürmer sind in der neuen Saison bereits sicher dabei. Dementsprechend kann man in der Seestadt mit großer Vorfreude in die Zukunft blicken. Bisher wurde jedes Jahr eine bessere Platzierung in der Hauptrunde erreicht. Die Pinguins sind also dabei, sich in der DEL zu etablieren – und das völlig verdient.