„Eine Menge Coaches gehen gerne in die Schweiz“Ex-Freezers-Coach Benoit Laporte im Interview

Lesedauer: ca. 6 Minuten

Hallo Herr Laporte, schön dass Sie auf ihren Weg in die Schweiz kurz Zeit für ein Interview hatten. Wie fühlt es sich an, wieder in Hamburg zu sein?

Benoit Laporte: „Ja, ich freue mich auch, mal wieder hier zu sein. Ich schlage eine neue Seite in meinem Leben auf. In den letzten vier Jahren habe ich eine tolle Zeit in Hamburg verbracht und heute habe ich alle meine eingelagerten Sachen gepackt, um sie in die Schweiz bringen zu lassen. Es fällt mir nicht leicht, Hamburg zu verlassen, da ich hier im Laufe der Zeit viele nette Menschen kennengelernt habe und es hier gutes Eishockey gibt. Aber so ist das Leben, es muss weitergehen und ich stelle mich einer neuen Herausforderung.“

Was bleibt Ihnen von Hamburg in Erinnerung, was nehmen Sie mit in die Schweiz außer den gepackten Sachen?

Benoit Laporte: „Ich habe mich hier immer wohlgefühlt und wurde immer gut behandelt. Mit der Geschäftstelle, mit dem Team und auch mit der Presse war es immer ein gutes Miteinander in diesen vier Jahren, das war eine meiner besten Erfahrungen. Die Fans waren sehr dankbar gegenüber unserer Arbeit – dem Team gegenüber und auch mir als Trainer. Ich habe das sehr genossen. Und man weiß ja nie: Hockey ist eine kleine Welt und eines Tages komme ich vielleicht wieder nach Hamburg.“

Man weiß ja nie – aber nun wartet erst mal ein anderes Team auf Sie. In der Schweiz lösen Sie bei den Langnau Tigers Bengt-Åke Gustafsson ab, der die Tigers gerade erst in die A-Liga gebracht hat. Wie überraschend war das für Sie, dass der Vertrag für den Schweden nicht verlängert wurde und man sich für Sie entschied?

Benoit Laporte: „Bei den Tigers wollte man einen Wechsel und damit weg von Gustafsson. Ich denke, er ist ein wirklich guter Coach, das hat er in der Vergangenheit oft bewiesen – aber Langnau entschied sich für einen andere Art des Coachings in der A-Liga.“

Was kann man in Langnau erwarten? Wie sieht ihre Art des Coachings aus?

Benoit Laporte: „Meine Art des Coachings ist mehr eine Mischung aus europäischem und kanadischem Stil. Ich bin nun seit 31 Jahren in Europa – ich besitze die Strenge und den Charakter zusammen mit der Erfahrung im europäischen Eishockey. Ich denke, das ist, was man in Langnau sehen möchte.“

Das ist ja nicht Ihr erster Job in der Schweiz – was macht die Schweiz für sie als Coach so interessant?

Benoit Laporte: „Ich glaube eine Menge Coaches gehen gerne in die Schweiz. Es ist eine andere Art Eishockey – es ist schneller und die Spieler haben eine andere Mentalität, außerdem ist es ein tolles Land. Wenn du die Chance hast, in der Schweiz als Trainer zu arbeiten, bist du jede Nacht zu Hause, weil die Fahrten zu den Auswärtsspielen nur höchstens drei Stunden dauern. Es hat mich etwas überrascht, das sie mich ausgewählt haben, denn das letzte Mal war ich in der Schweiz nicht sehr erfolgreich mit Ambri-Piotta. Die letzten erfolgreichen Jahre in Hamburg haben dann sicherlich den Ausschlag für eine zweite Chance in der Schweiz gebracht.“

Langnau ist in der Schweiz gerade in die höchste Liga auf gestiegen. Welche Pläne verfolgen Sie für die Zukunft?

Benoit Laporte: „In der DEL gibt es keinen Auf- und Abstieg, in der Schweiz schon und da ist immer ein großer Druck auf dem Team, das in die A-Liga aufgestiegen, ist auch in der A-Liga zu bleiben. Doch ich meine, dass wir mit dem Team, das wir zusammengestellt haben, auch in den Play-offs mitspielen können. Das erste Ziel ist also, sich in der A-Liga zu halten und das zweites, es in die Play-offs zu schaffen und den anderen Teams gut Kontra zu geben für das erste Jahr in der Top-Liga.“

Sie haben es gerade angesprochen, in der Schweiz gibt es den Auf- und Abstieg zwischen der zweiten Liga, der NLB, und der höchsten Liga, der NLA. Gibt es noch mehr, was sich für Sie ändert im Vergleich zur DEL?

Benoit Laporte: „In der Schweiz haben wir nur vier Import-Spieler, in der DEL sind es dagegen neun – wir müssen also mit den Schweizer Spielern auskommen. Man kann sich außerdem keinen Fehler bei den Imports erlauben, somit macht es eine menge mehr Arbeit, den richtigen Spieler für das Team auszuwählen. Der zweite Unterschied ist, das Schweizer Eishockey ist ein wenig mehr offeneres Eishockey. Ich denke in Deutschland spielen viele Teams eher ein defensiven Eishockey-Stil, während man in der Schweiz mehr ein schnelles auf und ab Spiel bevorzugt.“

Sie hatten jetzt einige Zeit in Kanada, bevor ihr Wechsel zu den Langnauern feststand. Wie haben Sie die verbracht? Haben Sie Urlaub gemacht?

Benoit Laporte (lacht): „Ich habe gefroren. Wir hatten teils minus 35 °C, das war der kälteste Winter seit 100 Jahren. Ich habe einige Hockeyspiele besucht - viele Junoiren-Spiele und ein paar mal war ich auch bei den Montreal Canadiens. Ich habe Zeit für mich gehabt, um mir klar drüber zu werden, ob ich als Coach weitermachen will oder etwas anderes anfange. Doch ich liebe die Arbeit als Coach zu sehr - ich kann damit nicht einfach aufhören.“

Was war die Alternative, wenn nicht Hockey, und was hat dann doch den Ausschlag gegeben als Coach weiterzumachen?

Benoit Laporte: „Ich habe eine Weiterbildung in Kanada gemacht, wie man sein eigenes Unternehmen aufbaut, aber dann saß ich da in Kanada und habe mir ein Spiel angesehen und da wurde mir bewusst, ich liebe dieses Spiel – ich liebe Hockey und ich muss da weitermachen. Also habe ich die Weiterbildung zwar beendet, aber habe statt mein eigenes Geschäft zu gründen, mich wieder dem Coaching zu gewendet – das ist mehr meine Welt.“

Was momentan auch viele Freezer Fans-beschäftigt ist, dass Sie in Langnau zukünftig nicht mehr der einzige Ex-Freezer sein werden. Seit Mittwoch ist es ja nun offiziell: Kevin Clark geht von den Freezers zu den Langnau Tigers. Wie war das für Sie, davon zu hören?

Benoit Laporte: „Das war eine große Überraschung für mich. Mein Manager hatte mich gefragt, ob ich Clark im Team haben möchte. Wenn ein Top-DEL-Spieler fragt, ob er bei dir im Team spielen kann, dann sagt man nicht nein. Als erstes stand Clarks Entscheidung, Hamburg zu verlassen, dann hat sein Agent schwedische und Schweizer Teams kontaktiert. Als sein Name dann in Langnau gefallen ist, waren wir natürlich interessiert, schließlich ist er einer der besten Spieler momentan. Ich fühle mich natürlich auch geschmeichelt, dass er nochmal in mein Team kommen will. Es gab ja in Hamburg einige Gerüchte, wir würden nicht so gut miteinander klarkommen, aber da Clark freiwillig kommt, scheinen wir ja nicht so viel falsch gemacht zu haben. Ich bin froh, dass er kommt, aber weniger glücklich, dass der Eindruck entsteht, ich könnte Clark aus Hamburg weggeholt haben. Schließlich gibt es genug andere Spieler auf dem Markt. Clark wollte seinen Vertrag in Hamburg von sich aus auflösen, das ist mir sehr wichtig, denn ich habe großen Respekt vor den Freezers und den Fans in Hamburg – ich hätte nie den ersten Schritt in die Richtung gemacht.“

Nun geht es weiter in die Schweiz. Was erwartet sie als erstes in Langnau?

Benoit Laporte: „Ich werde als erstes mein neues Team kennenlernen, meinen neuen Assistent Coach, meinen Manager und mein Fitness Coach, meine neue Wohnung besichtigen und mein Umfeld erkunden. Das ist der Plan für die nächsten zehn Tage, die ich dort verbringen werde.“

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, Herr Laporte, einen guten Flug in die Schweiz und viel Erfolg mit den SCL Tigers.

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