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Tragisches Duell der Montreal Canadiens mit den Seattle Metropolitans

100 Jahre: Die Stanley-Cup-Serie ohne Sieger

Lesedauer: 3 Minuten
Der originale Stanley-Cup und seine Bestandteile werden in der Hockey Hall of Fame in Toronto aufbewahrt. (Foto: the)

​Ein Play-off-Spiel dauert so lange, bis ein Tor fällt. In der Deutschen Eishockey-Liga wird die „Endlos-Verlängerung“ erst seit einigen Jahren gespielt – doch in Nordamerika wurde das doch schon immer so gemacht, oder? Beinahe. Es ist genau 100 Jahre her, dass letztmals ein Play-off-Spiel um den Stanley-Cup mit einem Unentschieden endete. Doch die Serie von 1919 blieb aus einem anderen, traurigen Grund in Erinnerung.

Im Jahr 1917 hatten die Seattle Metropolitans Geschichte geschrieben. Als erste US-Mannschaft überhaupt gewann der Meister der Pacific Coacht Hockey Association den Stanley-Cup. Erst 1926 wurde der Cup die Trophäe des NHL-Champions. Bis dahin spielten die Meister gleichrangiger Ligen den Stanley-Cup-Sieger unter sich aus. Dabei hatte das Ganze noch einen besonderen Kniff. Die Regeln der diversen Ligen unterschieden sich. In der PCHA beispielsweise standen sechs statt fünf Feldspieler auf dem Eis. Wie wurde das für die Finalspiele geregelt? Ganz einfach: Heimspiele der PCHA-Mannschaft wurden nach PCHA-Regeln gespielt, Heimspiele der NHL-Mannschaft nach NHL-Regeln.

Wie schon 1917 standen sich auch 1919 die Montreal Canadiens und die Seattle Metropolitans gegenüber. Diesmal wurden allerdings alle Spiele in Seattle ausgetragen. Um für Chancengleichheit zu sorgen, wurde festgelegt, dass die Spiele eins, drei und fünf der Serie nach PCHA-Regeln, die Spiele zwei und vier nach NHL-Regeln ausgetragen werden. Und die „Mets“ waren bärenstark: Nach den eigenen Regeln waren sie den Canadiens haushoch überlegen, siegten mit 7:0 und 7:2. Das erste Spiel nach NHL-Reglement ging mit 4:2 an Montreal, das zweite Spiel unter diesen Regeln – also das vierte der Serie – war etwas ganz Besonderes. Am 26. März 1919 standen sich die beiden Teams gegenüber, lieferten sich einen packenden Kampf – nur Tore fielen nicht. Als es nach zwei zehnminütigen Overtimes immer noch 0:0 stand, wurde das Spiel beendet. Danach kam es zum Streit: Wird am 29. März 1919 nun nach NHL- oder PCHA-Regeln gespielt? Letztlich wurde festgelegt, dass es sich um ein Wiederholungsspiel der vierten Partie handelt und die NHL-Regularien Anwendung finden. Die Canadiens gewannen mit 4:3 nach Verlängerung. Die Best-of-Five-Serie stand 2:2 unentschieden.

Am 1. April 1919 sollte nun das entscheidende Spiel stattfinden – doch dazu kam es nicht. In Seattle kam es zum Ausbruch der Spanischen Grippe. Und gerade die Spieler der Montreal Canadiens waren betroffen. Fast alle Spieler wurden krank – und auch Manager George Kennedy hatte es erwischt. Fünfeinhalb Stunden vor Spielbeginn kam die Absage der Partie. Montreals Verteidiger Joe Hall starb vier Tage später; Kennedy war von der Krankheit stark gezeichnet und starb einige Jahre später an den Spätfolgen. Zum damaligen Zeitpunkt bot Kennedy an, das Spiel abzuschenken, sodass die Seattle Metropolitans den Stanley-Cup ein zweites Mal gewonnen hätten. Doch Pete Muldoon zeigte ebenfalls Größe: Der Manager der Mets lehnte es ab, den Cup auf diese Weise zu gewinnen. So ist die Serie von 1919 die einzige, die nie beendet worden ist. Vor 100 Jahren blieb die Stelle auf dem Stanley-Cup frei, die den Namen des Siegers hätten tragen sollen. Als 1948 eine der zahlreichen Neugestaltungen des Cups vorgenommen wurde, landete der Name beider Teams auf dem Stanley-Cup: 1919, Montreal Canadiens, Seattle Metropolitans, Series not completed.

Und eine weitere Entscheidung wurde getroffen: Nach der tragischen Serie von 1919 wurden Play-off-Spiele immer bis zur Entscheidung ausgespielt.

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