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Chinesisches Team spielt in kanadischer Frauen-LigaKunlun Red Star geht in der CWHL an den Start

Die finnische Nationaltorhüterin Noora Räty, hier bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, spielt künftig für Kunlun Red Star in der CWHL. (Foto: dpa)Die finnische Nationaltorhüterin Noora Räty, hier bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, spielt künftig für Kunlun Red Star in der CWHL. (Foto: dpa)

„Das ist ein historischer Moment, da das Frauen-Eishockey auf eine globale Ebene wächst“, sagte Brenda Andress, Commissioner der CWHL. Das chinesische Team wird nicht wie die männlichen Kollegen in Peking spielen, sondern im knapp 2000 Kilometer Luftlinie entfernten Shenzhen vor den Toren von Hongkong. Damit wächst der Spielplan der regulären Saison in der CWHL von 24 auf 30 Spiele – wobei die Auswärtsspiele für die fünf nordamerikanischen Teams der Liga freilich eine Herausforderung darstellen werden. Die Mannschaften werden nach Shenzhen reisen, um vor Ort jeweils drei Spiele gegen Kunlun zu absolvieren. Hintergrund der Teamgründung aus chinesischer Sicht sind die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking, bei denen die Gastgeber ein konkurrenzfähiges Team ins Rennen schicken wollen. Allerdings bekommen auch ausländische Spielerinnen eine Chance in Shenzhen. So hat Kunlun die finnische Torhüterin Noora Räty bereits unter Vertrag genommen.

Die CWHL hat gerade ihre zehnte Saison absolviert. Im Finale um den Clarkson Cup haben sich die Canadiennes de Montreal gegen Calgary Inferno durchgesetzt. Die weiteren Teams der Liga sind Brampton Thunder, Toronto Furies und die Boston Blades.

Schlechtes Verhältnis zur NWHL

Bezeichnend für das Verhältnis der beiden nordamerikanischen Topligen im Frauen-Eishockey ist, dass offenbar eher eine Aufnahme einer chinesischen Mannschaft in die CWHL möglich war als eine Kooperation mit der National Women’s Hockey League. Während die CWHL die Spielerinnen zwar in Form von Ausrüstung unterstützt, ist die NWHL dem eigenen Anspruch nach die erste Frauen-Profiliga, die ihre Spielerinnen auch bezahlt. Allerdings machten in der gerade zu Ende gegangenen Saison Medienmeldungen die Runde, dass die Liga nur einen Teil der vereinbaren Summen zahlen konnte. Bereits bei Gründung der NWHL vor zwei Jahren wurde deutlich, dass sich die Macher der beiden Ligen nicht wirklich grün sind. Gespräche zwischen den Ligen waren, wenn sie denn geführt wurden, meist wenig erfolgreich, wenn es um etwaige gemeinsame Entwicklungen ging.

Schwere Verletzung im Winter Classic 2016

Immerhin kam es im Rahmen des NHL Winter Classic 2016, bei dem sich die Boston Bruins und die Montreal Canadiens gegenüber standen, zu einem Outdoor-Spiel zwischen Boston Pride aus der NWHL und den Canadiennes de Montreal aus der CWHL, das allerdings von einem schweren Unfall überschattet wurde. Denna Laing von Boston Pride stürzte dabei so unglücklich in die Bande, dass sie sich eine Rückenmarksverletzung zuzog und seither auf den Rollstuhl angewiesen ist. Laing hat im Kampf gegen ihre Verletzung seither viele Menschen inspiriert. So nahm sie im Rollstuhl sitzend in diesem Jahr am Boston-Marathon teil und wurde dabei vom früheren NHL-Spieler Bobby Carpenter (53) geschoben.

Transsexueller Spieler in der NWHL

Eine andere Geschichte, mit der die NWHL auf sich aufmerksam machte, war die Transgender-Politik der Liga. So spielte mit Harrison Browne ein Spieler für die Buffalo Beauts, der als Hailey Browne geboren wurde und damit der erste transsexuelle Profi-Eishockeyspieler war, der zudem in der zurückliegenden Saison mit den Buffalo Beauts den Isobel Cup in der NWHL gewann. Nach dem Erfolg hat Harrison Browne sein Karriereende bekanntgegeben. In der Premieren-Saison hatte Boston Pride die Meisterschaft gewonnen. Die weiteren NWHL-Teams sind die New York Riveters und die Connecticut Whale.

Für das nordamerikanische Frauen-Eishockey bleibt zu hoffen, dass sich die beiden Topligen neben den vielen Geschichten neben dem Eis auch sportlich und wirtschaftlich positiv weiter entwickeln.