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Im Schlitten zu den Paralympischen SpielenBundestrainer Andreas Pokorny erklärt Sledge-Eishockey

Erst einmal war das deutsche Sledge-Eishockey-Team bei Paralympischen Spielen dabei. In Turin 2006 gewann das Team, hier Jörg Wedde, sogar gegen die USA, unterlag aber später im Spiel um die Bronzemedaille. (Foto: dpa)Erst einmal war das deutsche Sledge-Eishockey-Team bei Paralympischen Spielen dabei. In Turin 2006 gewann das Team, hier Jörg Wedde, sogar gegen die USA, unterlag aber später im Spiel um die Bronzemedaille. (Foto: dpa)
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Sledge-Eishockey sagt bereits, was passiert. Die gehbehinderten Spieler sitzen auf einem Schlitten, haben dabei zwei kurze Schläger in den Händen, die mit Spikes versehen sind, um sich fortzubewegen und um mit der anderen Seite den Puck zu spielen. Und sonst? Sonst geht es so ab wie beim „Fußgänger-Eishockey“ auch. Die Checks krachen, die Spieler liegen auf dem Eis, rappeln sich wieder hoch – und es geht weiter. Wie die bekannteren Eishockey-Kollegen auch. „Da schont sich niemand“, sagt Bundestrainer Andreas Pokorny, der die deutsche Auswahl bereits seit 2012 coacht. Genügend Erfahrung bringt der 48-Jährige bekanntermaßen mit. Dreimal wurde er mit den Kölner Haien Deutscher Meister, wurde 1996 als Iserlohns Sportler des Jahres ausgezeichnet. Im Iserlohner Nachwuchs und bei den Hammer Eisbären war er als Trainer tätig. „Dann habe ich mich für den Beruf entschieden.“ Doch beinahe zeitgleich begann der Kontakt zum Sledge-Eishockey. „Ich habe ein gehbehinderten Sohn, der Sledge-Eishockey spielt“, berichtet Pokorny. Sein Sohn ist bei der SG NRW aktiv, dem aktuell einzigen Kombinationsteam aus Nordrhein-Westfalen. „Ich hatte dann Zeit, mich dafür zu engagieren.“ So wurde Pokorny schließlich Bundestrainer.

Trainingsarbeit wie beim „Fußgänger-Eishockey“

Er hat sich einmal in einen Schlitten gesetzt. „Aufgrund meiner Schulter kann ich das aber nicht wirklich. Schon gar nicht so gut wie meine Jungs bei der Nationalmannschaft“, sagt er. Ist aber nicht schlimm. „Denn die Trainingsarbeit unterscheidet sich kaum vom Fußgänger-Eishockey.“ Gespielt wird mit fünf gegen fünf plus Torwart, die Regeln sind weitgehend gleich, die Spielzeit beträgt dreimal 15 Minuten.

Derzeit vier Teams in der DSL – Spielersuche ist nicht einfach

Einfach ist es nicht, genügend Spieler zu finden. „Wir haben aktuell Spieler hinzu gewonnen, die aus Bayern und Berlin stammen. Aber vor Ort gibt es oft nicht genügend  Spieler in einer Stadt oder einer Region, um ein Team zu bilden“, erklärt Pokorny. „Wir hoffen aber, dass es wieder mehr wird.“ Aktuell besteht die DSL, die Deutsche Sledge-Eishockey-Liga, aus vier Mannschaften: dem Rekordmeister Ice Lions Langenhagen (früher Hannover Scorpions), den Weserstars Bremen, dem ESC Dresden und der SG NRW (Wiehl und Kamen). Auch in Heidelberg, Adendorf, Hamburg und Köln gab es bereits aktive Teams. Fast immer war Hannover bzw. Langenhagen Deutscher Meister, die SG NRW, der Kölner EK und die Weserstars Bremen konnten die Dominanz aber schon durchbrechen. „Es ist schwierig, Eiszeiten zu bekommen, die Ausrüstung ist im Eishockey ohnehin teuer, und ein Schlitten kostet 1000 bis 1500 Euro.“ Die Spieler haben oft keine vorherige Eishockey-Erfahrung. „Einen Eishockey-Spieler, der dann einen Unfall hatte, gibt es bei uns im Team. In der Liga dürfen auch nicht gehbehinderte Spieler mitmachen, international aber nicht“, erläutert Pokorny.

2005 war Deutschland Europameister

Aktuell haben die Deutschen in Norwegen drei Testspiele gegen die Gastgeber absolviert, zweimal gewannen die Nordmänner mit 3:2, einmal davon erst nach Penaltyschießen. Zudem gelang erstmals überhaupt beim 2:1 ein Sieg gegen Norwegen. 2005 war Deutschland schon einmal Europameister. „Aber es kommen immer mehr Nationen dazu.“ Nur 2006 in Turin hatte sich das Team für die Paralympischen Spiele qualifiziert. Nun soll es wieder klappen. Wird die Nationalmannschaft bei der WM in April (ebenfalls in Südkorea) mindestens Fünfter, ist sie automatisch qualifiziert. Gelingt dies nicht, geht es in ein Quali-Turnier. Bei der zurückliegenden WM hatte Deutschland Rang sechs belegt.

Neuer Name: „Para-Eishockey“ – DBS organisiert, DEB unterstützt

Organisiert wird der Sport, der übrigens seit 2017 offiziell den Namen „Para-Eishockey“ trägt, vom Deutschen Behinderten-Sportverband (DBS). „Wir haben seit dem letzten Deutschland-Cup aber auch einen sehr guten Kontakt zum Deutschen Eishockey-Bund, der uns inzwischen unterstützt“, erklärt Pokorny. Im Bundesleistungszentrum in Füssen konnte das Team bereits ein Trainingslager absolvieren – und am jetzigen Wochenende finden ebenfalls in Füssen drei Länderspiele gegen Schweden statt. Gespielt wird am Freitag um 18.30 Uhr, am Samstag um 17.30 Uhr und am Sonntag um 9.30 Uhr. Pokorny: „Der Eintritt ist frei. Es wäre toll, wenn viele Leute kämen, die uns unterstützen wollen.“ Sportlich geht es aufwärts: „Wir haben drei Rückkehrer im Team, können aber immer neue Spieler gebrauchen.“ Das Ziel ist klar. Pyeongchang 2018.