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Franz Fritzmeier: „Es geht um die bestmögliche Mannschaft“Interview mit dem neuen Sportdirektor der Löwen Frankfurt

Franz Fritzmeier ist der neue Sportdirektor der Löwen Frankfurt. (Foto: dpa/picture alliance)Franz Fritzmeier ist der neue Sportdirektor der Löwen Frankfurt. (Foto: dpa/picture alliance)
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Die Löwen haben vor kurzem angekündigt, einer der größten Ausbildungsvereine Deutschlands werden zu wollen. Inwiefern betrifft dies Sie, Herr Fritzmeier?

Ich sehe ja das Frankfurter Eishockey. Ich sehe mich in meiner Funktion darum bemüht, eine intensive Kommunikation stattfinden zu lassen. Für den e.V. bin ich dann in einer beratenden Funktion zuständig. Auf lange Sicht soll natürlich eine Durchlässigkeit von unten nach oben bestehen – ohne einen genauen Zeitpunkt beziffern zu wollen und zu können. Dafür müssen wir natürlich immer wieder unsere Vorstellungen mitteilen. Die Experten sind jedoch die im e.V. tätigen Nachwuchsexperten, die diesen ausführen. Wir wollen forcieren, auf den eigenen Nachwuchs zurückzugreifen. Das Ziel der GmbH geht ja Richtung DEL.

Für Sie, der viele Talente in der Oberliga trainiert hat, ist es doch umso reizvoller und sinnvoller, im e.V. aktiver mitzuarbeiten.

Der Sportdirektor der Profi-Abteilung ist ein umfassender Beruf. Ich bin gerne in beratender Funktion, aber kein Nachwuchstrainer. In Duisburg war ja kaum Nachwuchs, unser Team war ein Perspektivteam mit wenigen Älteren und Erfahreneren. Ich sehe die Clubs jedoch als Ganzes, war in Köln Assistenz-Trainer und Assistenz-Manager unter dem hauptverantwortlichen Trainer und Manager Niklas Sundblad in enger Verbindung mit der Nachwuchs-Abteilung in beratender und unterstützender Funktion. Jeder macht hier seinen Job. Genauso war es in Krefeld.

Erich Kühnhackl hatte damals helfen sollen, daher scheint die Erwartungshaltung eines erfahrenen Mannes für den e.V. zur Weiterentwicklung wichtig.

Wir haben in Kürze das erste Meeting. Natürlich müssen da von mir beratende Impulse kommen, auch intensiver und nicht nur lapidar. Die Experten, die den Nachwuchs ausbilden, müssen dennoch da sein. Ich bin kein Nachwuchs-Manager. Eine Aufgabe wie ein Perspektivteam wie in Duisburg ist damit nicht zu vergleichen. Das waren Spieler, die von DEL-Vereinen kamen – und genauso haben wir mit diesen trainiert und gearbeitet.

Gerne sagt man, dass man erst fordern muss, um zu fördern, wie Sie erst kürzlich im Stadionmagazin sagten und es auch gerne in aller Munde ist.

In Duisburg ging es oft nur um Leistung. Es war ja nicht so, dass wir nur helfen wollten, wir haben durchaus sehr viel gefordert. Das war sehr intensiv und am Limit über zwölf Monate mit nur wenigen Wochen Pause und sechs Tagen innerhalb mehrerer Stunden Training. Nur sonntags war frei. Das war ein sehr großer Aufwand, aber die Jungs haben mitgezogen. Eine sehr interessante Geschichte ist der jetzige Bad Nauheimer Goalie Felix Bick, der dritter Torwart seiner DNL-Mannschaft war. Dann kam er nach Duisburg und hat die Chance erhalten. Ein Jahr später ist er als Back-Up in die DEL. Einige Spieler brauchen den Zwischensprung, um ihr Potenzial auszuschöpfen. Aber auch die anderen Jungs, die vielleicht nicht in die DEL gekommen sind oder nicht mehr im Eishockey aktiv sind, haben ihren Beitrag geleistet und gearbeitet. Alle hatten diesen Traum. Die, die es heute geschafft haben, konnten sich nur so gut entwickeln, weil wir eine Mannschaft hatten und waren. Das möchte ich betonen, das war eine tolle Zeit.

Jetzt haben Sie eine ganze Menge aus Ihrer Vergangenheit erzählt. Welcher dieser Aspekte können und werden Sie für Ihre zukünftige Zeit als Sportdirektor nach Frankfurt mitbringen?

Ich muss sagen, für mich war das damals eine tolle Option und ein Karrieresprung, Karriereentwicklung. Ich habe die Mannschaft zusammen mit Matthias Roos gebaut, habe da erste Erfahrungen gesammelt. Dann wurde ich quasi nach Köln unter angesprochenen Funktionen befördert, dann war ich Headcoach und Sportdirektor in Krefeld. In all diesen Bahnen habe ich viele Erfahrungen gesammelt, wichtig war aber vor allem das letzte Jahr, in welchem ich quasi arbeitslos war und mich selber weiterbilden und scouten konnte. Da habe ich mein Netzwerk ausbauen, erweitern können – und aus all diesen Erfahrungen heraus war und ist es mir möglich, mich auf diese Aufgabe vorzubereiten. Ich habe überall viele Trainings beobachtet, Club-Strategien beobachtet – das Netzwerken ausweiten und mich weiterbilden eben. All das, was mich die letzten sieben, acht Jahre begleitet hat, hat mich nun hierhin gebracht.

In der DEL2 haben wir ja eine U23-Regelung gehabt, die jetzt auf U24 angehoben wurde. Im Hinblick auf eben Besprochenes, dass Spieler gefordert werden müssen, um gefördert zu werden, wie beurteilen Sie diese Anhebung?

Naja, ich muss sagen, im Endeffekt zählt immer die Weiterentwicklung. Um zu vermeiden, dass in der DEL2 nur eher ältere Spieler spielen, ist diese Regelung sinnvoll. Aber auch die DEL2 ist eine Profiliga, in der die Besten spielen sollten. Unser größtes deutsches Talent spielt in Person von Dominik Bokk erste schwedische Liga. Der spielt dort nicht, weil er jung ist, er spielt dort, weil er gut ist. Die Schweden haben keine Ausländerbegrenzungen und viele Mannschaften haben doch andererseits wenige Ausländer. Der Junge ist dahingegangen, hat in den Junioren sehr gute Leistungen gebracht und wird dort nun gefördert und gefordert. Bei uns gibt es immer sehr viele Regeln. Ich finde, das Bestmögliche sollte stattfinden – ob jung oder alt: gut muss er sein. Eine Mannschaft muss auch gut zusammengebaut sein. Dazu gehören nun mal junge Spieler, aber auch alte und erfahrene.

Was Sie sagen, entspricht in gewisser Weise dem, was Ex-Löwen-Trainer Tim Kehler immer praktizierte, der erfahrenere Spieler neben jüngere Spieler gestellt hat. Ist das das, was Sie sich vorstellen, weniger erfahrenere Spieler neben erfahrenere zu stellen?

Letztlich stellt die Mannschaft immer der Trainer. Eine Mannschaft funktioniert für mich, wenn sie in gewisser Weise hierarchisch zusammengestellt ist. Wenn wir den angesprochenen Dominik Bokk nehmen, der spielt in Schweden nicht in der vierten Reihe, weil er kein Spieler ist, der für eine Arbeiter-Reihe gemacht ist. Ein Marcel Ohmann in Köln ist ebenfalls talentiert oder ein guter Spieler und gleichzeitig einer für die hinteren Reihen. Man muss bestmöglich einschätzen, wo diese hinpassen. Auch da ist wieder egal, ob jung oder alt. Je nachdem, welche Qualitäten ich habe, muss ich eingesetzt werden. Für das deutsche Eishockey ist an diesem Beispiel gut zu sehen, wie man einen Spieler fördert und fordert. Es würde keinen Sinn machen, ihn in der DEL in der vierten Reihe versauern zu lassen. Er hat in Schweden abgeliefert und dann wurde ihm eine für ihn passende Rolle in der Senioren-Mannschaft gegeben. Jeder muss den größten Wert für seine Mannschaften haben. Jeder muss seine Aufgabe wahrnehmen können.

Auf die Löwen als eines der älteren Teams der Liga übertragen, wird auf Dauer eine Verjüngungskur angestrebt?

Es geht nicht darum, eine junge Mannschaft zu haben, sondern die bestmögliche. Auch ein 37-jähriger Spieler kann für uns absolut spitze und wertvoll sein. Aber man braucht auch immer wieder frischen Wind. Man sieht ja heutzutage, wie wichtig im deutschen Eishockey das Tempo ist, und oftmals ist es so, dass jüngere Spieler mehr Tempo mitbringen. Ich werde aber nie einen nehmen, weil er jung ist, sondern werde die Besten nehmen, um der Mannschaft das Bestmögliche zu geben. Wenn der 30-Jährige besser als der 23-Jährige ist, nehme ich diesen. Jeder muss seine Berechtigung haben, klar. Ich schließe nie aus, dass man mit Erfahrung viel ausgleichen kann, wie Bietigheim dies praktiziert. Das kommt immer auch auf System und Konzept an. Ich denke, auch wir haben nicht nur junge Spieler, eher eine ausgewogene Mischung und ein anderes Konzept. Wir haben einige Förderlizenz-Spieler, das haben die Steelers nicht. Zum Schluss wird abgerechnet, wie weit dies reicht.

Sind Sie erstmals alleiniger Sportdirektor im ersten Jahr? In Krefeld hatten Sie mit Matthias Roos zusammengearbeitet.

Anfangs war Matthias Roos nicht dabei. Die Verantwortung für den zusammengestellten Kader hatte ich getragen.

Was steht für Sie zuerst an: die Verpflichtung von Kontingentspielern oder die Verpflichtung von Perspektivspielern? Worauf legen Sie Ihr Augenmerk?

Momentan steht für mich Beobachtung an, die Mannschaft der Löwen ist immerhin Meister. Im Fokus stehen unsere Spieler, das ist unser Hauptaugenmerk. Danach steht die Verbesserung an einzelnen Positionen an. Die Spieler werden ja auch älter oder wechseln zu anderen Clubs. Wir wollen weiterhin eine Top-Mannschaft hier haben, darauf liegt der Fokus.

Würden Sie im Hinblick auf das angesprochene läuferische Potenzial behaupten, dass die Löwen durch die Verluste von Richie Mueller, Christoph Gawlik, Lukas Laub und Matt Tomassoni an Geschwindigkeit verloren haben?

Man muss sehen, dass ein Lukas Laub, der sehr viel Esprit in die Mannschaft gebracht hat und in Frankfurt top weiterentwickelt wurde, in Düsseldorf nun überzeugt. Insgesamt möchte ich das nicht beurteilen, was letztes Jahr war. Sicher weiß man, dass Richie Mueller der schnellste Spieler der DEL2 ist, aber es war auch seine Entscheidung, die Löwen zu verlassen. Wie vorher geplant wurde, möchte ich nicht beurteilen.

Für die Löwen scheint es mit Ihrem Kommen ein neuer Ansatz, einen frischen Wind in Person eines deutschen Sportdirektoren zu haben, wenn man von wenigen Ausnahmen absieht. Inwiefern können Sie da die Skepsis der Fans verstehen?

Natürlich ist für die Fans immer zuerst wichtig, eine Top-Mannschaft auf dem Eis zu haben, die erfolgreich ist. Das muss ich gewährleisten – unabhängig davon, wo ich herkomme. Ich habe großen Respekt vor dem Club, den Fans, die ich schnell lautstark und zahlreich wahrgenommen habe, und ich werde mein Bestes geben, um den Leuten den Spaß am Eishockey weiter zu bieten. Pfiffe nehme ich als Unmutsäußerung und Unverständnis gegen den Personalwechsel. Für mich ist es super, ich komme in eine erfolgreiche Situation, in einen gut geführten Verein. Es ist besser, in einer positiven Stimmung zu arbeiten als zum Letzten zu kommen, bei dem erst ausgemistet werden muss. Für mich persönlich steht der Verein im Vordergrund und ich nehme mich persönlich da nicht wichtig.

Gerade wenn die Löwen in der DEL2 gefangen sein sollten, ist das Spektakel doch umso wichtiger…?

Das Ziel muss immer Erfolg sein, entsprechend der mannschaftlichen Aufstellung. Dieses Ziel haben in der DEL2 aber mehrere Mannschaften. Man darf sich da nicht über- oder unterschätzen. Wir sind da nicht die Einzigen, die diese Ziele haben. Wir sind ja auch nicht Serienmeister, waren dies nur in der letzten Saison. Man sollte den Gegner auch immer respektieren.

Sie hatten in der Frankfurter Neuen Presse angedeutet, die Förderlizenz-Partnerschaft mit den Haien noch enger auszubauen zu wollen. Wie könnte dieser Ausbau aussehen?

Derzeit besteht die Kooperation mit der DEL und DEL2, zur nächsten Saison kommt eine U20-Liga hinzu. Während unsere Spieler auch oben spielen können, können Spieler, die aus den DNL-Teams der Kölner kommen, der U20-Liga auch DEL2-Luft schnuppern. Sieht man unsere Förderlizenz-Spieler wie Eric Valentin, Lucas DuMont und Dominik Tiffels, die top ausgebildet sind und topfit sind, sind dies gute bis sehr gute Spieler auf dem Sprung zur DEL und kamen aus diesem Pool. Diesen Pool stellen die Haie zur Verfügung, das müssen die Nachwuchs-Verantwortlichen der Kölner wissen, welche Spieler sie uns oder gar der Profi-Mannschaft zur Verfügung stellen können. Optimalerweise soll dies auch bei uns irgendwann mal so sein, dass wir DNL-Teams haben, die diese Stationen durchlaufen können. Zurzeit haben wir nur zehn Stürmer zur Verfügung. Nächste Saison besteht dann die Möglichkeit, dass Spieler der U20-Liga dann bei uns schnuppern. Das ist nur von Vorteil, und uns gleichzeitig Kadertiefe verleihen. Im Alter von 19, 20 bist du noch gereifter und die DEL2 ist für den Spieler noch attraktiver.

Maximilian Haas

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