Mike Stewart: „Ich versuche, meine Mannschaft schneller zu machen“

Unter dem Motto „Reset“ sind die Augsburger Panther – mit neuem Trainer und einem fast komplett umgekrempelten Kader – nach einem äußerst unglücklichen Spieljahr 2014/15 in die gerade abgelaufene DEL-Saison gestartet. Das Team war auch bis zum vorletzten Spieltag der Hauptrunde im Rennen um die Play-offs, letztlich hat es aber nicht ganz gereicht.
Im exklusiven Hockeyweb-Interview zieht AEV-Trainer Mike Stewart Bilanz, verrät das Erfolgsrezept für die Vertragsverlängerungen seiner drei Top-Leute und gibt einen Ausblick auf die kommende Saison, in der Panther vor allem schneller werden sollen – und die Endrunde erreichen. Herr Stewart, der Neustart ist teilweise gelungen, aber es gibt durchaus noch ein paar Aufgaben für die kommende Spielzeit. Würden Sie dem zustimmen? Unser Ziel war es, bis zum letzten Spieltag um einen Platz unter den ersten zehn zu kämpfen. Das haben wir fast geschafft. Wir hatten lange einen Play-off-Platz inne, natürlich ist es dann ärgerlich, wenn es am Ende nicht ganz reicht. In der kommenden Saison wollen wir den nächsten Schritt gehen und uns mit der Teilnahme an der Endrunde belohnen. Das hat sich vor allem das Augsburger Publikum einmal wieder verdient.
Zwei große Problemfelder waren in unseren Augen die vielen Gegentore (185, Minuswert in der DEL) und – in konsequenter Fortführung? – das Penalty-Killing. Deckt sich das mit Ihrer Analyse? Klar, diese zwei Problemzonen lassen sich nicht wegdiskutieren und sind eindeutig Dinge, die nächstes Jahr besser werden müssen. Dessen sind wir uns im Trainerteam bewusst. Es wäre aber zu einfach, nur die Anzahl der Gegentore und die Unterzahlquote zu nehmen und diese losgelöst von unserem gesamten Spiel zu betrachten. Es sind viele Kleinigkeiten, die in ihrer Gesamtheit besser werden müssen. Können Sie eine dieser Kleinigkeiten, die Sie angehen wollen, benennen? Ich versuche, meine Mannschaft schneller zu machen. War deswegen die Fluktuation insbesondere bei den Verteidigern so groß? Ist es hier für einen Verein wie die Panther aus Budgetgründen besonders schwierig, gutes Personal zu bekommen? Nein, auch hier wäre es zu einfach, alles an den Torhütern und der Abwehr festzumachen. Wir verteidigen zusammen und greifen zusammen an. Von neun Verteidigern bleiben uns fünf erhalten, die vier anderen Positionen gilt es bestmöglich zu besetzen. Daran arbeiten wir.
Letzte Frage zur alten Saison: Die meisten Abgänge kamen für uns wenig überraschend. Die einzige Ausnahme war Daniel Weiß. Wie beurteilen Sie seine Leistung in der abgelaufenen Saison? Daniel Weiß hat unsere dritte Reihe als Center geführt und auch in den Special Teams Eiszeit gehabt. Nun hat er sich für einen Wechsel zur DEG entschieden, was wir respektieren. Wir wünschen ihm nur das Beste für seine Zukunft. Mit David Stieler ist sein Nachfolger schon bekannt. Von Davids Qualitäten sind wir überzeugt.
Kommen wir zu den Neuverpflichtungen: Auf welche Qualitäten werden Sie bei der Auswahl besonders achten?Größe und Physis, Mobilität, Passspiel? Jede Mannschaft braucht eine gesunde Mischung aus den genannten Punkten. Wir glauben, die Schwächen der vergangene Saison erkannt zu haben und wollen darauf reagieren. Am Ende muss jeder Spieler seine Rollen haben und diese im Dienste der Mannschaft ausfüllen. Wenn wir das schaffen, können wir als Kollektiv Erfolg haben. Man sucht bei Neuverpflichtungen stets die optimale Kombination, aber gibt es – mit Blick auf die identifizierten Baustellen – Merkmale eines potenziellen Neuzugangs, die Sie priorisieren? Kompetenz und Ehrgeiz. Hat die Besetzung einer bestimmten Position Priorität? Wenn ja, welche ist / sind das? Wir wollen für jede Position den in unseren Augen bestmöglichen Spieler finden. Jede Position ist dabei wichtig und hat eine Auswirkung auf unsere Mannschaft.
Wo werden Sie hauptsächlich suchen - DEL, DEL2, AHL/ECHL oder womöglich auch EBEL? Siehe oben. Wir sind offen für alles und in permanentem Austausch mit Spielern und Agenten. Natürlich haben wir ein paar Wunschkandidaten, die wir gerne nach Augsburg holen würden. Aktuell scoute ich in Nordamerika. Hier konnte ich einige Kandidaten live beobachten und mit ihnen sprechen. Das hilft immer dabei, richtige Entscheidungen zu treffen.
Wird Ben Meisner als Nummer 1 in die neue Saison gehen? Ist ein Nachfolger für Deslauriers schon konkret im Blick – oder sondieren Sie noch? Der Name Boutin wurde schon mal erwähnt... Ben hat dieses Jahr einige gute Spiele gezeigt und kann sicher noch besser und konstanter werden. Am Ende des Tages brauchen wir für den Trainings- und Spielbetrieb drei Torhüter. Diese werden wir sicher haben.
Mit Brady Lamb, der als Top-Verteidiger mittlerweile in seine dritte Saison geht, Hanowski und LeBlanc konnten Sie drei Stützen halten, obwohl sie aufgrund ihrer Leistungen sicher lukrative Angebote hatten. Was gab bei den dreien den Ausschlag für Augsburg? Brady, Hano und LB spielen gerne für die Augsburger Panther und fühlen sich wohl bei uns. Wir machen in der Organisation alles für unsere Spieler und sind 24 Stunden, sieben Tage die Woche für sie da. Das ist oft mehr wert als ein paar Euro mehr bei einem anderen Club. Alle drei möchten helfen, nächste Saison erfolgreicher zu sein und mit den Panthern Playoffs spielen.
Bis wann möchten Sie die Kaderzusammenstellung – größtenteils – abgeschlossen haben? Natürlich möchte ein Trainer zum Trainingsauftakt gerne alle Mann an Bord haben. Sollte das nicht klappen, ist das auch kein Beinbruch. Hanowski stieß letzte Saison auch erst später zum Team und brachte dennoch gleich seine Leistung.
Wie wird sich die Mannschaft dann verändert haben, wodurch wird sie sich von der Mannschaft der abgelaufenen Saison unterscheiden? Sie unterscheidet sich nach 52 Spieltagen hoffentlich vor allem am Tabellenstand vom Team 13 und 14. (lacht)












