Die Longhorns waren so dicht dran

Nach einem packenden und hochdramatischen Spiel mussten sich die Weinheim Longhorns auf eigenem Platz dem großen Favoriten Marburg Mercenaries knapp mit 18:21 geschlagen geben.
(gk) Nach einem packenden und hochdramatischen Spiel mussten sich die Weinheim Longhorns auf eigenem Platz dem großen Favoriten Marburg Mercenaries knapp mit 18:21 geschlagen geben.
Bis zwei Minuten vor Schluss kämpften die Longhorns um den Sieg und hatten es in der Hand zu gewinnen. Sie hatten Ballbesitz und marschierten nach vorne, in Richtung der Marburger Endzone. Doch ein abgefangener Pass, eine Interception beendete alle Weinheimer Träume vom Sieg.
Marburg war sich vor Spielbeginn seines Sieges zu sicher gewesen. Die Universitätsstädter nahmen die Begegnung wohl nicht allzu ernst, hatten gedanklich schon gewonnen, bevor sie überhaupt auf dem Platz waren. Nur die Höhe des Sieges schien noch offen zu sein.
Zum Schluss gingen die Söldner dann ziemlich kleinlaut vom Platz. Sicher, sie hatten gewonnen und waren mit einem blauen Auge davon gekommen. Und vielleicht war dies ja so kurz vor den Play-Offs der Weckruf zur rechten Zeit gewesen, keinen Gegner zu unterschätzen.
Weinheim hingegen ging mit einer ganz anderen Einstellung in die Partie. Von Beginn an waren die Longhorns hellwach und körperlich präsent. Mit Engagement und guter taktischer Einstellung setzten sie bereits im ersten Drive die Mercenaries mächtig unter Druck. Meist mit dem Laufspiel. Und mit einem kuriosen Touch-Down-Pass beendete Weinheim den Angriffszug. Eigentlich sollte es ein Fieldgoal Versuch werden, doch misslang die Ballrückgabe und so warf der Holder einen erfolgreichen Touch-Down Pass. Auch der Extrapunkt wurde verwandelt. Weinheim führte mit 7:0 Punkten.
Nun ließ Marburg seine ganze Klasse aufblitzen. Mit klugen, weiten Pässen überbrückte man schnell das Mittelfeld und erzielte rasch den 7:7 Ausgleich.
Was folgte war ein gutes und abwechslungsreiches Spiel bei dem nicht der große Klassenunterschied zwischen beiden Teams sichtbar wurde, den der Besucher erwartet hatte. Weinheim hielt gut mit und kam schließlich sogar durch ein Fieldgoal zur 10:7 Führung.
Aber wieder schlugen die Mercenaries schnell und eiskalt mit klugen Pässen zurück. Nach nur wenigen Spielzügen hatten sie die Weinheimer Endzone erreicht und erzielten einen weitern Touch-Down. Auch der Extrapunkt wurde verwandelt. In solchen Momenten wurde sichtbar, warum Marburg deutscher Vizemeister ist.
In der zweiten Halbzeit machten die Marburger mit schnellem Pass-Spiel da weiter, wo sie in der ersten Halbzeit aufgehört hatten. Es schien als ob die Longhorns dagegen kein Mittel finden würden. Folgerichtig punkteten die Söldner zur 21:10 Führung.
Dem Besucher stellte sich die Frage, ob Weinheim nun erneut einbrechen würde, etwa so, wie zu Hause gegen die Stuttgart Scorpions?
Aber diesmal schlug Weinheim zurück, behielt die Nerven und wurde auch für ihr Risiko-freudiges Spiel belohnt. Die Longhorns verzichteten auf eine Fieldgoal Chance und spielten einen vierten Versuch aus. Der Lohn, ein weiterer Touch-Down. Der Versuch einer Two-Point-Conversion misslang allerdings.
Dennoch war dieser Touch-Down eine Art Weckruf. Die Zuschauer spürten, ein Sieg war nun möglich. Und die Longhorns marschierten weiter und bekamen nun auch das Pass-Spiel der Marburger immer besser in den Griff. Und als die Longhorns die Mercenaries in deren Endzone zurückdrängten und ein Safty zum 21:18 erzielten, stand das sehr gut besuchte Sepp-Herberger-Stadion Kopf. Lautstark unterstützte nun der Weinheimer Anhang ihr Team, so etwas wie ein Hexenkessel entstand, der die Weinheimer Spieler nach vorne puschte. Marburg schien aus dem Tritt gekommen zu sein.
Beide Teams setzten nun übrigens auf ein sehr variantenreiches Spiel, einen Mix aus Pass- und Laufspiel.
Nun war Weinheim wieder in Ballbesitz. Noch zwei Minuten bis Spielende. Die Zuschauer tobten, die Weinheimer Abwehr- und Ersatzspieler hielt es nicht mehr auf den Bänken, sie stehen am Spielfeldrand und beobachteten den Drive in Richtung Marburger Endzone. Und dann passierte es. Der Ball, geworfen vom Weinheim Quarterback landete in den Armen eines Söldners! Interception.
Die Enttäuschung war den Longhorns nach dem Spiel anzusehen. Doch sie müssen den Kopf nicht hängen lassen. Sie haben ihr wohl bestes Saisonspiel abgeliefert und gezeigt, dass sie mit den Großen der Liga mithalten können. Auch wenn es zu einem Sieg noch nicht ganz gereicht hat. Und man kann sicher sein, alle Zuschauer waren begeistert und werden am 2. September wiederkommen, wenn es gegen Darmstadt um den endgültigen Einzug in die Play-Offs geht.
Auf die Frage, ob er eine so gute Leistung seines Teams erwartet hatte, antwortete Longhorn Coach Marvin Washington: "Ja, ich wusste, dass wir stark sind und auch gegen die Top-Teams der Liga bestehen können. Endlich haben wir es geschafft unsere Marschrichtung umzusetzen." Als Grund für die hervorragende Leistung nannte Marvin Washington folgende Grund: " Wir haben jetzt zweimal gegen das Saarland und einmal gegen Darmstadt gewonnen und sind damit ziemlich sicher in den Play-Offs. Das gibt uns Selbstvertrauen und lässt uns locker in die restlichen Spiele gehen."
Bei den Erwartungen für die Play-Offs gibt sich Weinheims Coach zuversichtlich, auch wenn Braunschweig der Gegner sein dürfte: "Wir wollen gewinnen und jedes Spiel fängt mit 0:0 Punkten an. Und wie wir heute sehen konnten, haben wir das Zeug auch Spitzenteams zu besiegen."
Was es bis zu den Play-Offs noch zu tun gäbe, wurde Marvin Washington gefragt. Seine Antwort kam rasch: "Unser ganzes Training und die Vorbereitungen sind schon auf die Play-Offs abgestellt. Und meine Jungs sind ganz heiß auf die erste Begegnung", dann runzelte er nachdenklich die Stirn und ergänzte: "Aber wir dürfen das Spiel gegen Darmstadt nicht auf die leichte Schulter nehmen. Da muss ich meine Spieler richtig einstellen und motivieren. Denn da darf nichts mehr anbrennen."














