Vor 50 Jahren wurde die DDR salonfähigEishockey-Geschichte

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Gleich nach dem Zweiten Weltkrieg (1939-45) wurde Deutschland als Kriegsverlierer aus dem Eishockey-Weltverband LIHG (IIHF) ausgeschlossen. Aus der sowjetisch besetzte Zone wurde 1949 die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Der Rest war die Bundesrepublik Deutschland (BRD).
Und die wurde 1951 - ohne die DDR - wieder in den Weltverband aufgenommen. Beim IIHF-Kongress 1951 in Paris stimmten 13 Länder für die Aufnahme der Bundesrepublik, zwei waren dagegen. Die Aufnahme der DDR wurde abgelehnt. Die BRD spielte ab dem Olympiaturnier 1952 in Oslo wieder international mit.
Die DDR musste bis zum IIHF-Kongress 1954 im italienischen Stresa warten, ehe sie international "salonfähig" wurde. Der BRD-Delegierte Heinz Henschel sprach sich damals für die DDR aus und konstatierte, »die wollen doch auch wieder mitspielen.«

Eishockey war bis 1958 eine "Sektion" im Sportbetrieb des Landes. 1958 wurde dann der Eislauf Verband der DDR (DELV) gegründet. Schon 1951 hatte die DDR in Berlin gegen Polen das erste Länderspiel bestritten (3:8). Bis 1955 gab es nur Niederlagen gegen die "Brudervölker" aus dem Osten (u.a. 3:27 gegen UdSSR, 0:23 gegen CSSR). 1956 dann der offizielle internationale Start bei einem B-Turnier in Ost-Berlin. Der Aufstieg in die A-Gruppe wurde geschafft.

1957 dann die erste A-WM-Teilnahme in Moskau, wo der fünfte Platz erkämpft wurde. Die Cracks der DDR-Startjahre waren u.a. der spätere Staats- und Bundestrainer Gerhard Kießling, Siegfried Speck, Albert Unterdörfel (alle Frankenhausen) und der spätere Sportjournalist Lothar Zoller. Bei den jeweiligen Olympia-Ausscheidungen gegen die Bundesrepublik ging die DDR immer leer aus.

Die BRD schlug ein gemeinsames Team vor, während die DDR-Offiziellen auf die Ausscheidungsspiele drängte, um dann bei einem Sieg 18 Spieler im Olympiakader zu haben. Das hätte die Funktionärsposition "Chef de Mission" eingebracht. 1956,1960 und 1964 ging der Plan in die Hose. 1968 folgte dann die erste und einzige Olympiateilnahme der DDR-Eishockeymannschaft in Grenoble. Erstes Opfer der deutschen Zweiteilung war Gerhard Kießling. Er war 1956 noch "Staatstrainer", flüchtete dann mit Familie 1957 in den Westen und wurde da Bundestrainer.
Als sich 1960 die BRD-Mannschaft für die Olympischen Spiele in Squaw Valley qualifiziert hatte, kam es zum ersten Skandal. Beim Abflug in die USA forderte die DDR-Führung, dass Bundestrainer Gerhard Kießling aus dem BRD-Aufgebot gestrichen wird. Bei einer Ablehnung drohten die DDR-Politfunktionäre mit den Rückzug aller DDR-Sportler. Die DEB-Offiziellen gaben nach und strichen Gerhard Kießling aus dem Aufgebot.
Danach gab es noch zwei Skandale beim Aufeinandertreffen der beiden deutschen Nationalteams. 1961 in Genf trat die BRD nicht an, weil IIHF-Präsident Ahearne forderte die Fahne des Gewinners bei der Siegerehrung zu respektieren. Die Politiker in Bonn verboten das. Die Partie wurde 5:0 für die DDR gewertet.
Die Ostdeutschen machten das dann 1963 bei der WM in Schweden klüger. Die Spieler traten an und kehrten bei der Siegerehrung der BRD-Fahne den Rücken zu. Die Strafe war dann eine dreimonatige Sperre, die in die Sommermonate fiel!

1966, bei der WM in Ljubljana wurde dann die DDR-Mannschaft benachteiligt. Man war bei der im Rahmen der WM ausgespielten Europameisterschaft Dritter geworden. Durch einen Fehler der IIHF-Offiziellen wurde aber Schweden als EM-Dritter geehrt. Die DDR-Proteste wurden abgelehnt. Erst 1999, als sich das Deutsche Eishockeymuseum dafür einsetzte, wurden die Medaillen "nachgereicht". Alle Spieler wurden in die Hall of Fame Deutschland aufgenommen.
Insgesamt nahm die DDR einmal an Olympischen Spielen (1968), 12 mal an A- und 15 mal an B-Weltmeisterschaften teil. Das war für ein so kleines Land eine beachtliche Leistung, die noch dadurch behindert wurde, dass man 1970 die DDR-Oberliga auflöste und nur noch die beiden Dynamo-Teams aus Berlin und Weißwasser förderte. Der Rest spielte Hobby-Eishockey auf Natureis. In Chemnitz (damals Karl Marx-Stadt), Rostock, Schönheide, Erfurt, Apolda, Crimmitschau, um nur einige Hochburgen zu nennen, wurde Eishockey "eingefroren".

Und das waren die Meister 1949 bis 1990:

* Dynamo (Chemie,Ostglas) Weißwasser 25 Titel
* Dynamo Berlin 15 Titel
* SG Frankenhausen 2 Titel

Unvergessen sind die großen Spieler der DDR, die in ihrem Land Eishockeygeschichte geschrieben haben, und deren Länderspiele bis heute noch nicht in der DEB-Statistik auftauchen, während die Eisschnellauf- Kunstlauf- und Eistanzsportler der DDR in der DEV-Statistik stehen !! Man schmückt sich mit den DDR-Madaillengewinnern.
Im Eishockey hingegen hat nur die Hall of Fame Deutschland die "Gemeinsamkeit" anerkannt.

Hier die DDR-Spieler, die 250 und mehr Länderspiele bestritten haben:

* Dietmar Peters / 315 Länderspiele
* Dieter Frenzel / 296 Länderspiele
* Roland Peters / 279 Länderspiele
* Frank Braun / 270 Länderspiele
* Reinhold Fengler / 250 Länderspiele

Neben den Olympia-Ausscheidungen (4 Siege, 1 Remis für BRD) gab es zwischen den beiden Ländern 14 offizielle Länderspiele bei Olympia und Weltmeisterschaften. Die Gesamt-Bilanz: BRD-DDR 19 Spiele, 12:3 Siege, 4 Remis, 73:49 Tore.

1990 vereinigten sich dann beide Verbände im Deutschen Eishockey Bund (DEB).

A-Weltmeisterschaft 1966 in Ljubliana. Das Team der DDR wurde Dritter der EM, bekam aber wegen eines Rechenfehlers keine Medaille. Die Medaillen bekamen die Spieler 1999 im Eishockey-Museum Augsburg "nachträglich" überreicht. Das Museum hatte die Initiative ergriffen.