Eishockey der Superlative beim Canada-Cup 1987Eishockey-Geschichte

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Als der Schreiber dieser Zeilen nach dem dritten Finale um den Canada-Cup 1987 zusammen mit Georg Gross, dem hoch angesehenen Reporter der Toronto Sun auf einer Parkbank in Hamilton über das Match diskutierten, meinte der Kanadier: »Das können wir noch unseren Enkeln erzählen, was wir da heute erlebt haben!« Und der alte Puckspezialist hatte Tränen in den Augen.
Hamilton, ein Städtchen in der kanadischen Provinz Ontario, unweit von Toronto, hatte Eishockey der Superlative erlebt. 17.521 Fans blieben nach diesem dritten Finale um den Canada-Cup noch lange stumm auf ihren Plätzen. Sie waren beeindruckt von dem was Team Canada und Weltmeister UdSSR da auf dem Eis geboten hatten. Die Journalisten durften, wie in Nordamerika üblich, nach dem Match in die Teamkabine der Gastgeber. Die Russen hatten ihre Kabine abgeriegelt.
Während die Roten Sputniks stumm und mit eisernen Gesichtern zum Bus gingen, fand man die Kanadier noch in voller Ausrüstung sitzend und am Boden liegend in der Kabine. Sie hatten sich total verausgabt und waren stehend k.o. Sie hatten das dritte Finale 6:5 gewonnen und damit den riesigen Cup nach 1976 und 1984 zum dritten Mal gewonnen.
Chefcoach Mike Keenan erklärte den Zustand seiner Cracks so: »Die Russen sind seit drei Monaten im Trainingscamp, wir hatten nur drei Wochen Vorbereitung. Die Russen spielten mit 80 Prozent Kondition und 20 Prozent Weltanschauung. Wir spielten mit 20 Prozent Kondition und 80 Prozent Herz für Kanada.« Dabei trommelte er gegen seine Brust.
Er meinte auch ironisch »die Sowjets beziehen ihr Offiziersgehalt und unsere Profis opfern ihren Urlaub für Kanada. Sie bekamen für die drei Wochen nur 5000 kanadische Dollar pro Mann, keinen Cent Prämie.«

Das Finale in Montreal und Hamilton

Der Canada-Cup im September 1987, mit den beiden Nordamerikanern Kanada und USA und den vier besten Europateams Schweden, UdSSR, CSSR und Finnland zog wie ein Wanderzirkus durch das Land. Beginn war in Hartford (USA), dann ging es weiter nach Halifax, Regina, Ottawa, Montreal und Hamilton. Kanada (8:2 Punkte) und die UdSSR (7:3 Punkte) qualifizierten sich für das Finale vor Schweden (6:4), und CSSR (5:5),die im Halbfinale ausschieden, USA (4:6) und Finnland (0:10).
Das erste Finale fand im Forum von Montreal statt. Die Sowjets gewannen 6:5 nach Verlängerung. Finale zwei gewannen die Kanadier in Hamilton 6:5 und das dritte Finale fand wieder im Copps Coliseum von Hamilton statt und Kanada siegte 6:5. Es war eigentlich schade, dass eines der beiden Superteam als Verlierer vom Eis gehen musste.

"Maximum" der Fehler der Russen

Mike Keenan hatte entdeckt, dass die Russen im Bereich Schlittschuhlaufen so gut waren wie seine Cracks, dass sie im technischen Bereich sogar besser waren als die Kanadier - und dass sie Taktisch geradezu perfekt harmonierten. Sie hatten nur einen Fehler, sie spielten in jedem Match bis zum Maximum. Darüber hinaus konnten sie sich nicht mehr steigern.
Zweimal verloren sie einen Drei-Tore-Vorsprung gegen die Kanadier, die in solchen Situationen über ihr Limit gehen konnten. Keenan hatte eine andere Taktik. Er mischte seine Blöcke nach Bedarf. In den Finals präsentierte er 22 verschiedene Sturmformationen. Er schickte im Powerplay drei Centerstürmer (Gretzky, Lemieux, Hawerchuk) ins Rennen. In Unterzahl setzte er auf seine harten "Mühlsteine", die den Gegner körperlich zermürben sollten. Ansonsten hielt er sein Team unter Spannung. Keiner wusste wann er auf das Eis musste. Ein Daumendruck in den Rücken war das Signal zum Einsatz. Die Russen verzweifelten an dieser ungewöhnlichen Taktik.
"Mühlsteine" sind die Arbeiter im Team. Mike Gartner, Keenans Supermühlstein meinte dazu, »das ist mein Job für das Team«.
Mark Messier, Brian Propp, Brent Sutter und Doug Gilmour waren in diesem Bereich überragend. Für die Tore sorgte das Super-Paar Wayne Gretzky und Mario Lemieux, das immer zusammenblieb. Sie produzierten zusammen 39 Skorerpunkte. In der Abwehr vertraute Keenan den Superstaers Paul Coffey, Raymond Bourque und Larry Murphy. Stargoalie Ron Hextall schmorte auf der Bank, den alle Spiele des Turniers bestritt Grant Fuhr, der farbige Keeper der Edmonton Oilers, der die Spiele seines Lebens machte.
Bei den Russen überzeugte vor allem Vladimir Krutov, er ebenso wie Sergej Makarov sieben Tore erzielte. Bester Verteidiger der Sbornaja war Kapitän Vyacheslav Fetisov . Trainer Viktor Tichonov und sein Assistent Igor Dmitriev fanden kein Mittel gegen die Kampfmaschinen aus der NHL. Man kam nur bedingt mit den kleinen Eisflächen zurecht. »Auf den großen Bahnen in Europa wäre das Spiel der Kanadiern nicht durchführbar« konstatierte Igor Dmitriev.
Trotzdem ein Kompliment an die Cracks der Sbornaja. Sie haben dazu beigetragen, dass es die Spiele der Superlative wurden.

Canada-Cup 1987: Namen, Zahlen, Resultate

Vorrunde Sp Tore Punkte Semifinales

1. Kanada 5 19:13 8:2 Hamiltin UdSSR - Schweden 4:2
2. UdSSR 5 22:13 7:3 Montreal Canada - CSSR 5:3
3. Schweden 5 17:14 6:4 Finals
4. CSSR 5 12:15 5:5 Montreal Canada - UdSSR 5:6 n.V.
5. USA 5 13:14 4:6 Hamilton Canada - UdSSR 6:5 n.V.
6. Finnland 5 9:23 0:10 Hamilton Canada - UdSSR 6:5


Skorer Team Sp T A P Torhüter Team %
1. Wayne Gretzky CAN 9 3 18 21 1. Vanbiesbrouk USA 2.25
2. Mario Lemieux CAN 9 11 7 19 2. Mylnikov URS 2.96
3. Sergej Makarov URS 9 7 8 15 3. Lindmark SWE 3.00
4. Vladimir Krutov URS 9 7 7 14 4. Myllys FIN 3.00
5. Vacheslav Bykov URS 9 2 7 9 5. Fuhr CAN 3.24



Das All Star-Team

Grant Fuhr (CAN)

Raymond Bourque Vyachseslav Fetisov
CAN URS

Mario Lemieux Wayne Gretzky Vladimir Krutov
CAN CAN URS

Die Finalteams:

Canada: T Grant Fuhr (Edmonton), Ron Hextall (Philadelphia), Kelly Hrudy (Islanders); V: Raymond Bourque (Boston), Larry Murphy (Washington), Paul Coffey (Edmonton), Normand Rochefort (Quebec), Craig Hartsburg (Minnesota), James Patrick (N.Y. Rangers), Doug Crossman (Philad.); S: Wayne Gretzky (Edmonton), Mario Lemieux (Pittsburgh), Mark Messier (Edmonton), Dale Hawercuk ( Winnipeg), Rick Tocchet (Philadelphia), Michel Goulet (Quebec), Brent Sutter (Islanders) Brian Propp (Philadelphia), Mike Gartner (Washington), Glenn Anderson (Edmonton), Kevin Dineen (Hartford), Doug Gilmour (St. Louis), Claude Lemieux (Montreal). Gen.-Manager: Bobby Clarke,Chefcoach: Mike Keenan, Ass. Jean Perron, Tom Watt.

UdSSR: T: Sergej Mylnikov (Cheljabinsk), Evgeny Belosheikin (CSKA), Vitali Samoilov ( Riga); V: Vyacheslav Fetisov, Alexej Kasatonov, Alexej Gusarov, Igor Stelnov (alle CSKA), Vasili Pervuchin, Anatoli Fedotov ( Dynamo Moskau), Igor Kravchuk (Ufa); S: Sergej Makarov, Igor Larionov, Vladimir Krutov, Vyacheslav Bykov, Valeri Kamensky, Andrej Chomutov (alle CSKA Moskau), Anatoli Semenov, Andrej Lomakin, Sergej Svetlov, Alexander Semak (alle Dynamo Moskau), Sergej Priakhin, Yuri Khmylev, Sergej Nemchinov (alle Krilija Moskau). Chefcoach: Viktor Tichonov, Ass. Igor Dmitriev.