Anatoli Tarasov

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Als bei der Weltmeisterschaft 1971 in der Schweiz das Match Sovjet Union gegen BR Deutschland nach dem ersten Drittel Remis stand, scheuchte Trainer Anatoli Tarasov seine Cracks statt in die Kabine, auf die Bahn II zum Straftraining. Er ließ seine Roten Sputniks Spurts von blauer Linie zu blauer Linie machen, bis sie sich an der Bande übergeben mussten. Dann ging es zurück ins Spiel. Endstand 11:2! So war er, der Schleifer von Moskau und Vater des Erfolgs in der UdSSR.
Geboren wurde Anatoli Vladimirowitch Tarasov am 10.12.1918 in Moskau. Dort begann er auch mit dem Sport - als Bandyspieler. Als 1946 Eishockey offiziell gespielt werden durfte, war er dabei.
Anatoli stürmte für Krilija Sovjetov Moskau und CSKA Moskau, wo er zugleich von 1947 bis 1950 Spielertrainer war. Von 1950 bis 1974 war er dann Cheftrainer der Armee-Mannschaft von CSKA Moskau, mit der er 17 Mal die Landesmeisterschaft und sechsmal den Europacup gewann. Er war auch der Erfinder der Nachwuchsaktion "Goldener Puck", wo jährlich rund eine Million Buben in Straßen- und Wohnblockmannschaften außerhalb der Vereine zum Eishockey kamen - und dann von den Vereinen übernommen wurden. Er überwacht diesen Wettbewerb auch noch als Staatstrainer.
Von 1960 bis 1963 war Tarasov Assistent von Trainerlegende Arkadi Chernitshev.

1963 übernahm er die Sbornaja als Chef-Staatstrainer und führte sie von Erfolg zu Erfolg. Sein Ruf "raboti - raboti" (arbeiten-arbeiten) schallte Tag für Tag durch die Eishallen.
Sein Motto war: Wer mehr trainiert als die Anderen, hat auch mehr Erfolge als die Anderen.
Sein Training wurde von seinen Spielern als "unmenschlich" bezeichnet. Nur ganz stabile Körper hielten diese Prozedur, mit täglich bis zu sieben Stunden Training durch. Doch der Erfolg gab ihm recht.
Dazu hatte er noch ein untrügliches Auge für Talente die er über Jahre beobachtete und wenn sie reif waren zu sich holte. Er gewann elf Weltmeister-Titel und zwei Olympische Goldmedaillen.
1972 trat er nicht ganz freiwillig ab. Er blieb noch bis 1974 CSKA-Trainer und wurde dann als Oberst in den Ruhestand "gegangen".

Schon 1974 wurde er als erster Trainer aus Europa in die Hall of Fame in Toronto aufgenommen.
Noch viele Jahre war er Ehrengast bei Weltmeisterschaften und beim Canada Cup. Und immer saß er Tag für Tag schon beim Vormittagstraining in den Eishallen der und machte seine Notizen. Sein Rat war immer gefragt.

Am 23.6.1995 starb Anatoli Tarasov in Moskau.