Zwischen Grand Forks und Bayreuth – Eisbären Juniors in der Zwickmühle

Eisbären Juniors: Sensationeller Sieg gegen den BSchC PreussenEisbären Juniors: Sensationeller Sieg gegen den BSchC Preussen
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Ob nun DEB-Geschäftsführer Franz Reindl oder Deutschlands Eishockey-Ikone Erich Kühnhackl, noch Ex-Nationaltrainer Hans Zach, geschweige denn dessen Nachfolger im Amt Greg Poss - kaum ein im deutschen Eishockey involvierter Verantwortungsträger lässt die Gelegenheit eines Interviews ungenutzt verstreichen, um eine durchstrukturierte, langfristig angelegte Nachwuchsförderung an möglichst vielen Standorten zu propagieren. An Konzepten, wie dem sogenannten „Reindl Pool“ oder zuletzt auch einer Ausbildungsentschädigung, wird auf allen Ebenen gefeilt und oftmals auch gestritten. Die Beweggründe sind vielfältig, das Ansinnen aber das gleiche: Dem deutschen Eishockey sollen weiter hoffnungsvolle Talente zugeführt werden, damit es einerseits keine Wiederholung des 98er Absturzes der Nationalmannschaft gibt, der Griff nach einer WM-Halbfinalteilnahme keine Illusion bleibt oder aber noch mehr Spieler wie Marco Sturm und Jochen Hecht in der NHL zu Aushängeschildern des Eishockeys Marke „Made in Germany“ werden.

Es gibt bekanntlich einige Nachwuchsprojekte (Füssen, Rosenheim, Landshut usw.), die sich genau diese Ziele auf die Fahnen geschrieben und schon einige Talente hervorgebracht haben, die inzwischen laut vernehmbar an das Tor zur DEL und gar der Nationalmannschaft klopfen. Darüber hinaus erfahren vor allem die weiterführenden Nachwuchs-Projekte in Mannheim, Köln sowie das der Berliner Eisbären allseits eine hohe Wertschätzung und gelten zu Recht als beispielgebend. Nicht nur die DEL-Teams der Adler, Haie und Eisbären profitieren von dieser Arbeit, da längst Spieler, die an jenen Standorten ausgebildet wurden, Mannschaften sämtlicher Ligen bevölkern. Ein Fakt, der mitunter bei einigen Vereinsbossen in Vergessenheit gerät, wenn Eigeninteressen den Blick auf das Große und Ganze verstellen, denen das Hemd näher ist als die Hose. Diese Denkweisen sind es, die Juniors-Geschäftsführer Andreas Hobuß derzeit zweifeln und sagen lassen: „Ja, das ist die Krux, wenn du mit kontinuierlicher Nachwuchsarbeit erfolgreich bist“.

Was konkret läßt Hobuß nun derart zweifeln? Es geht schlichtweg um die Verlegung dreier Oberliga-Begegnungen der Juniors gegen Bayreuth, Schweinfurt und den BSchC Preussen, an denen sich die Geister scheiden. Dass die Juniors zu diesen Spielen gezwungen wären mit 14 oder 15-jährigen zukünftigen DNL-Spielern anzutreten, würde nicht doch eine Einigung erzielt, scheint manch Zeitgenossen nur wenig zu kümmern – im Gegenteil, locken doch leicht einzufahrende Punkte. Die Eisbären stellen mit Youri Ziffzer, Tobias Draxinger, Jens Baxmann, Florian Busch, André Rankel, Frank Hördler und Thomas Schenkel nicht weniger als sieben Spieler für die vom 25.12.04 bis zum 04.01.05 andauernden U20-WM in den USA (Abreise am 19.12.), tatsächlich so viele wie kein anderer Verein. Wegen einer DEB-Maßnahme der U18-Auswahl muss man zudem auf die Dienste von Torhüter Sebastian Stefanizin sowie der Spieler Kramer und Weiß und vermutlich auch noch des ein oder anderen U17-Nationalspielers verzichten. Goalie Daniar Dshunussow wird vom DEL-Team als Backup von Oliver Jonas benötigt und die Plätze der bei der WM weilenden Förderlizenzspieler werden mit Tom Fiedler, Martin Hoffmann, Kay Hurbanek, Matthias Forster und Norman Martens besetzt. Allein auf der Goalie-Position ergibt sich damit für die Juniors ein kaum zu überbrückendes Problem. Alles in allem blieben dem Team von Coach Jeff Tomlinson 7 Spieler. „Ergänzt werden müsste mit DNL-Spielern der vierten und fünften Reihe“, gibt Tomlinson zu bedenken. Die Frage, welch sportlichen Wert die Spiele gegen eine solche nicht mal als „Rumpftruppe“ zu bezeichnenden Mannschaft hätte, dürfte von tatsächlichen Fachleuten nur schwer zu beantworten sein.

Doch erinnern wir uns: Ziemlich genau vor Jahresfrist gewann das DEB-Team der Altersklasse unter 20 Jahren im Hohenschönhausener Sportforum das B-WM-Turnier, was zugleich den sofortigen Wiederaufstieg in die Bel Etage der A-Gruppe bedeutete. Das große Ziel der Young Guns, das da Weltmeisterschaft 2004/ 05 in Grand Forks, Thief Falls (USA) hieß, war erreicht! Auch dank der tatkräftigen Mithilfe zahlreicher Förderlizenzspieler der Eisbären.

Die Juniors dümpelten dazumal noch in der Regionalliga herum und verpassten zu unguter Letzt den sportlichen Aufstieg in die Oberliga. Dieser wurde von den Verantwortlichen der Eisbären alsdann zum Ziel für die kommende Saison erklärt, da das Regionalliganiveau wegen des Hobbycharakters vieler Teams einfach nicht ausreicht, um dem Ausbildungsteam eines DEL-Klubs Wettbewerb auf einem ansprechenden Level zu bieten. Die Einführung einer Nord-Ost-Staffel der Oberliga existierte zwar als Gerücht, der Tag aber, an dem diese das Licht der Welt erblicken sollte, war bei weitem noch nicht in Sicht. Erst spät im Sommer einigten sich die Protagonisten schlussendlich nach langem Gezerre. Und nun waren auch die Eisbären Juniors dabei! Unter Hochdruck wurde gearbeitet, Spieler waren zu sichten, Verträge auszuhandeln und vor allem ein Trainer zu verpflichten, der ins Konzept passte. Der wurde mit Ex-Spieler Jeff Tomlinson gefunden. Dass sich die teilnehmenden Teams darauf verständigten, den Spielbetrieb während der besucherträchtigen und einnahmestarken Weihnachtsfeiertage nicht ruhen zu lassen, hatte in Berlin und all dem Trubel nur den Stellenwert einer Fußnote. Juniors-Coach Tomlinson macht keinen Hehl daraus: „Ja sicher, hier haben wir vielleicht einen Fehler gemacht. Es muss doch aber möglich sein, gemeinsam eine Lösung zu finden, denn noch einmal passiert das bestimmt nicht!“

Laut Andreas Hobuß wurde dennoch rechtzeitig versucht das Problem aus der Welt zu schaffen: "Wir haben einen Antrag auf Spielverlegung bei der ESBG gestellt. Dieser wurde aber abgelehnt, was mit der Absprache der Gesellschafter über Spielpausen begründet wurde. Verlegungen könne es deshalb nur geben, wenn sich die beteiligten Vereine einigten. Etwas mehr Verständnis hatten wir uns hier schon erhofft, wenn die Begründung auch rechtlich korrekt ist.“ Der Juniors-Geschäftsführer fährt fort: „Danach haben wir das Gespräch mit den betreffenden Vereinen gesucht. Bis auf Schweinfurt, das sich bemüht die Halle zum vorgeschlagenen Termin zu bekommen, gab es allerdings wenig bis keine Reaktionen“. Trainer Jeff Tomlinson sagt dazu: „Wir könnten es uns leicht machen und unseren Spielern die Freigabe verweigern, schließlich handelt es sich ja um Pflichtspiele und es wäre unser gutes Recht. Doch wer kann das wirklich wollen? Wir nicht!“ Der junge Coach weiß auch: „Die Jungs haben darauf hingearbeitet, sie freuen sich auf die WM. Aber sie haben auch die Chance, die Meisterrunde zu erreichen. Sie wollen für ihr Land spielen, aber gleichzeitig sollen sie diesen Preis bezahlen? Es wäre einfach ungerecht!" Der Kanadier, der stets offen und geradezu ist, macht der Konkurrenz einen fast unglaublich zu nennenden Vorschlag: „Wenn wir uns auf die Spielverlegungen einigen könnten, stelle ich es unseren Gegnern frei, drei meiner Spieler zu benennen, die ich bei den betreffenden Spielen aus dem Aufgebot streiche. Vielleicht ist das ja eine Entscheidungshilfe.“ Nachgefragt, ob er das ernst meine, bekräftigt Tomlinson: „Ja, hundert Prozent!“

Es wäre einfach wünschenswert, wenn man sich in Bayreuth und im Berliner Eichkamp besänne und auch nochmals in den Chefetagen des DEB und der ESBG darüber nachdenken würde, alle Möglichkeiten in Betracht zöge und den jungen Spielern diese bittere Erfahrung ersparen könnte, denn sie wären diejenigen, die wegen der Versäumnisse anderer um den Lohn ihrer Arbeit gebracht würden. Jedes noch so flammende Bekenntnis zur Förderung des deutschen Eishockeynachwuchses von offizieller Seite wäre sonst eine Farce und fortan wohl nicht mehr wert, als jede x-beliebige Sonntagsrede. (Matthias Eckart/ Oliver Koch)

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