Wizards vergeben Big Points gegen Riessersee

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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„Wir sind selbst schuld.“ Das waren die Worte, mit denen Wilbert Duszenko, Trainer des Eishockey-Oberligisten Stuttgart Wizards, am Dienstagabend die Leistung seiner Schützlinge gegen den SC Riessersee zusammenfasste. „Wir sind dem Gegner ins offene Messer gelaufen, weil im ersten Drittel die Bereitschaft zur Defensivarbeit gefehlt hat“, urteilte der Schwetzinger. Folge: Die Gäste aus Garmisch-Partenkirchen führten bereits nach 13 Minuten 3:0 und fuhren am Ende einen ungefährdeten 5:2-Sieg ein, obwohl die Zauberer zwischenzeitlich auf 3:2 verkürzen konnten. „Dadurch haben wir wichtige Punkte für die Meisterrunde verloren und es wird in den restlichen vier Spielen sehr eng“, meinte Duszenko, dessen Team aktuell auf dem siebten Tabellenplatz rangiert. Im nächsten Match bei Spitzenreiter Heilbronner Falken (11.02.2005, 20.00 Uhr) müssen die Stuttgarter zudem auf Offensivverteidiger Jeff White verzichten, der sich gegen den SC Riessersee eine Spieldauerdisziplinarstrafe wegen Stockstichs einhandelte und gesperrt ist. Zwei Tage später (13.02.2005, 18.45 Uhr, Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart) gastiert der Tabellenletzte ESV Hügelsheim auf Degerlochs Höhen, gegen den ein Sieg Pflicht ist, um die Meisterrunden-Ambitionen aufrechtzuerhalten.



Im für Faschingsdienstag mit 855 Besuchern recht gut gefüllten Eissport-Zentrum Waldau wähnten sich zumindest die Fans der heimischen Wizards (die ohne Michel Maaßen angetreten waren, der an einer Leistenzerrung laboriert) im ersten Durchgang vermutlich im falschen Film. Zu Beginn kamen die Hausherren, die mit einem Sieg einen großen Schritt Richtung Top Six hätten machen können, zwar zu zwei guten Chancen, danach fanden sie jedoch kaum mehr statt. Der SC Riessersee – allen voran das Topduo T.J. Guidarelli und Dave Noel-Bernier – wurde nur halbherzig im Spielaufbau gestört und konnte nach Belieben kombinieren. Die läuferisch starken Garmischer nahmen die Geschenke dankend an und hatten keine Mühe, die Niederlage der Wizards bereits in der ersten Viertelstunde zu zementieren. Dave Noel-Bernier (5.), Alexander Rusch (8.) und Neil McCann (13., Überzahl) rissen die Zauberer schnell aus allen Siegesträumen. Wie sehr der erste Abschnitt an den Blau-Gelben vorbeilief, dokumentierte vor allem Garmischs zweiter Treffer: Die Abwehr der Wizards bekam hinter dem eigenen Tor den Puck nicht unter Kontrolle und rechnete damit, dass der Schiedsrichter abpfeift, da die Scheibe unspielbar sei. Der Pfiff des Unparteiischen blieb indes aus, Thomas Fischer erkämpfte sich das Spielgerät und passte zu Rusch, der anschließend keine Mühe hatte, den verdutzten Tyrone Garner im Stuttgarter Gehäuse zu überwinden.

Zwingende Angriffe der Hausherren hatten im ersten Drittel hingegen Seltenheitswert und resultierten meist aus Einzelaktionen, mit denen die gut organisierte Hintermannschaft des SC Riessersee keine Probleme hatte. Vielmehr blieben die Werdenfelser weiter das tonangebende Team und hätten das Ergebnis in den ersten 20 Minuten noch deutlicher gestalten können, was Wizards-Keeper Tyrone Garner mit etlichen guten Paraden jedoch zu verhindern wusste.



Wesentlich engagierter und aggressiver präsentierten sich die Zauberer hingegen im zweiten Spielabschnitt – offensichtlich hatte Trainer Wilbert Duszenko in der Kabine die richtigen Worte gefunden, um seine Mannschaft wachzurütteln. Die Zweikämpfe wurden nun angenommen und Riessersee hatte nicht mehr so viel Raum. Stattdessen kamen auch die Wizards zu ersten guten Möglichkeiten, die zunächst jedoch nicht verwertet werden konnten. Erst in der 25. Minute wurde das Engagement der Wizards, die trotz des Rückstandes nicht aufsteckten, mit dem 1:3 durch Peter Westerkamp belohnt. Vom SC Riessersee war im zweiten Durchgang nur wenig zu sehen, allerdings blieb der zehnfache Deutsche Meister mit blitzschnellen Kontern stets gefährlich. Stuttgart verstand es in seiner Drangphase jedoch nicht, aus den herausgearbeiteten Chancen – auch in Überzahl – Kapital zu schlagen, so dass der Zwei-Tore-Rückstand auch im Schlussdrittel Bestand hatte.



Dort wogte die Partie hin und her, es gab etliche gute Chancen auf beiden Seiten. In der 45. Minute war Wizards-Kapitän John Sicinski gedanklich am schnellsten, als er in Unterzahl einen missglückten Aufbaupass im SCR-Drittel abfing und Gästekeeper Chris King zum 2:3 tunnelte. Gerade als die Wizards am Drücker waren, die Szene, welche die Zauberer endgültig um die Möglichkeit einer erfolgreichen Aufholjagd bringen sollte. Kurz nach Sicinskis Tor leistete sich Wizard Jeff White einen Stockstich und wurde mit einer Spieldauerdisziplinarstrafe vorzeitig zum Duschen geschickt. In der anschließenden fünfminütigen Unterzahl (davon knapp eine Minute sogar mit zwei Mann weniger auf dem Eis) kämpften die Hausherren zwar bravourös, mussten letztlich aber doch das 2:4 durch Dave Noel-Bernier hinnehmen (46.). Damit war die Moral der Wizards gebrochen und der SC Riessersee schaukelte den verdienten Sieg sicher nach Hause. Marco Ludwigs 2:5 knapp drei Minuten vor Spielende (58.) hatte nur noch statistischen Wert.



Nach der Partie zeigte sich Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko ernüchtert: „Dieser Punktverlust ist sehr bitter, da wir versäumt haben, aus eigener Kraft einen großen Schritt Richtung Meisterrunde zu machen. Daran sind wir allerdings selbst schuld, denn im ersten Drittel hat die Bereitschaft zur Defensivarbeit völlig gefehlt. Wir sind dem SCR ins offene Messer gelaufen. Wir haben unsere defensiv ausgerichtete Marschroute nicht eingehalten und stattdessen den Gegner zum Kontern eingeladen. Ab dem zweiten Durchgang haben wir alles probiert, aber es ist natürlich schwer, so einen Rückstand aufzuholen. Dennoch wäre die Partie nach dem 2:3 zu drehen gewesen, wenn nicht die Spieldauerstrafe gegen Jeff White gewesen wäre. So eine Strafzeit darf man sich in solch einer Situation nicht erlauben. Nun fehlt uns Jeff auch am Freitag in Heilbronn und es wird in den verbleibenden Spielen sehr eng, noch die Meisterrunde zu packen“, gab Duszenko zu Protokoll.



Duszenkos Pendant beim SC Riessersee, Georg Holzmann, freute sich hingegen über drei bedeutende Punkte: „Das war für uns – wie für Stuttgart auch – ein ganz wichtiges Spiel. Nun sind wir wieder dran an der Meisterrunde. Den Grundstein zum Sieg haben wir im ersten Drittel gelegt. Da waren wir aggressiv, zweikampfstark und haben früh gestört. Wir haben genau das umgesetzt, was wir trainiert hatten. Im zweiten Durchgang kam Stuttgart stärker auf und hat etliche Male gehörig Druck gemacht. Da sind wir – auch in Unterzahl – immer wieder geschwommen. Im letzten Drittel war die Mannschaft wieder konzentriert bei der Sache und hat das Spiel denn auch verdientermaßen für sich entschieden“, erklärte Holzmann.



Für die Wizards stehen am kommenden Wochenende zwei weitere Endspiele im Kampf um den Einzug in die Meisterrunde an. Zunächst reisen sie am Freitag, 11.02.2005, 20.00 Uhr, ins Unterland zum Spitzenreiter Heilbronner Falken – ohne Jeff White und möglicherweise auch Michel Maaßen. „Wir sind personell angeschlagen, das macht es nicht einfacher. Doch es gibt jetzt keine Ausreden mehr. Die Mannschaft muss Vollgas geben, um im Kampf um den Meisterrunden-Einzug weiter dabei zu bleiben“, gibt Wilbert Duszenko eine klare Richtung vor. Die Richtung ist auch für das Heimspiel am Sonntag, 13.02.2005, 18.45 Uhr (Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart), gegen den ESV Hügelsheim klar definiert: Im Duell mit dem Tabellenletzten sollen drei Zähler her, damit das große Ziel Meisterrunde weiter anvisiert werden kann.



Stuttgart Wizards – SC Riessersee 2:5 (0:3, 1:0, 1:2)


Tore: 0:1 (4:38) Dave Noel-Bernier (T.J. Guidarelli, Neil McCann) 4-4, 0:2 (7:53) Alexander Rusch (Thomas Fischer, T.J. Guidarelli), 0:3 (12:21) Neil McCann (T.J. Guidarelli, Alexander Rusch) 5-4, 1:3 (24:32) Peter Westerkamp (Jay Woodcroft, John Sicinski), 2:3 (44:56) John Sicinski 4-5, 2:4 (45:41) Dave Noel-Bernier (T.J. Guidarelli, Neil McCann) 5-3, 2:5 (57:13) Marco Ludwig (Dave Noel-Bernier, Harald Waibel)


Strafminuten: Stuttgart Wizards 14 + 5 + Spieldauerdisziplinarstrafe gegen Jeff White

(Stockstich), SC Riessersee 20

Zuschauer: 855

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