Viele Chancen, nur ein Tor: Wizards verlieren Derby in Heilbronn

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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In Schönheit gestorben – so lässt sich der Auftritt des Eishockey-Oberligisten Stuttgart Wizards am Sonntagabend bei den Heilbronner Falken zusammenfassen. Die Cracks von Trainer Wilbert Duszenko erarbeiteten sich reihenweise hochkarätige Chancen, erzielten aber nur einen Treffer und traten folgerichtig nach zuletzt vier Erfolgen in Serie mit einer 1:2 (1:0, 0:1, 0:1)-Niederlage im Gepäck die Heimreise an. „Der Heilbronner Sieg geht vollauf in Ordnung. Wir haben heute nicht den Einsatz gezeigt, der nötig ist, um auswärts zu punkten und außerdem zu wenig aus unseren Möglichkeiten gemacht. Ein Tor reicht nicht“, befand Duszenko nach Spielende. „Wir hätten nach den Niederlagen von Ravensburg und München die Chance gehabt, auf den zweiten Tabellenplatz zu klettern, haben sie aber nicht genutzt“, zeigte sich der Übungsleiter enttäuscht. Stattdessen finden sich die Wizards nun auf Rang vier der Gruppe Süd wieder, den es am kommenden Freitag (03.12.2004, 20.00 Uhr) beim EHC Klostersee zu verteidigen gilt. Dass dies alles andere als einfach wird, verdeutlicht ein Blick auf die jüngsten Ergebnisse der Grafinger, die zuletzt den EV Füssen mit 9:4 in die Schranken wiesen.



In der Heilbronner Knorr-Arena erwischten die Zauberer – unterstützt von etwa 150 Stuttgarter Schlachtenbummlern – einen Start nach Mass. Bereits nach 49 Sekunden brachte John Sicinski die Landeshauptstädter mit einem kuriosen Treffer in Überzahl in Führung. Der Kapitän zog aus spitzem Winkel ab, die Scheibe prallte an den Rücken von Heilbronns Keeper David Belitski und von dort ins Tor.

Die Gäste gingen weiter hohes Tempo und kamen im Minutentakt zu guten Einschussmöglichkeiten. Die größte Chance zum Ausbau der Führung hatte Marc Garthe nach neun Minuten, Belitski reagierte jedoch glänzend und vereitelte den zweiten Stuttgarter Treffer in letzter Sekunde. Die Wizards waren Spiel bestimmend, doch Peter Westerkamp und erneut Garthe ließen die Möglichkeiten, noch im ersten Drittel für einen beruhigenden Vorsprung zu sorgen, ungenutzt. Heilbronn hingegen fand in den ersten 20 Minuten nicht richtig ins Match. Bei den wenigen, jedoch stets gefährlichen Angriffen der Gastgeber war Stuttgarts Torhüter Tyrone Garner auf dem Posten und hielt den knappen Vorsprung fest.



Die Partie hätte nach dem ersten Durchgang bereits zugunsten der Wizards entschieden sein können, wenn nicht gar müssen. Wie so oft im Eishockey sollte sich die Nachlässigkeit der Blau-Gelben im Abschluss aber noch rächen. Zu Beginn des zweiten Abschnitts überstanden sie zwar eine doppelte Unterzahl unbeschadet, doch die junge Truppe der Heilbronner Falken kämpfte verbissen und kam immer besser ins Spiel. Nach 27 Minuten wurden die Hausherren belohnt. Topscorer Philipp Schlager tankte sich durch die Stuttgarter Abwehr und ließ Keeper Tyrone Garner aus spitzem Winkel keine Chance – 1:1.

Nun entwickelte sich ein rasanter offener Schlagabtausch mit guten Chancen auf beiden Seiten. Die beste Möglichkeit, die Wizards in Front zu bringen, hatte Mitte des zweiten Drittels Andreas Klundt, dessen Schuss von HEC-Keeper David Belitski aber in höchster Not pariert wurde. Die Wizards hatten noch etliche gute Chancen, doch das Heilbronner Tor schien wie vernagelt. Zudem fehlte die letzte Konsequenz im Abschluss, die Zauberer schienen den Puck ins Gehäuse tragen zu wollen, statt einfach und schnörkellos zu spielen.



Wie das geht, zeigten die Heilbronner Falken in der 44. Spielminute. Alexander Dexheimer läuft ins Stuttgarter Drittel, lässt die Scheibe für Marc St. Jean liegen und er hämmert sie zum zweiten Heilbronner Treffer in die Maschen. Bei dem fulminanten Direktschuss des Kanadiers gab es für Wizards-Torhüter Tyrone Garner nichts zu halten.

Heilbronn bekam nach der Führung Oberwasser und hatte etliche gute Gelegenheiten, die Partie zu seinen Gunsten zu entscheiden, konnte jedoch keine davon nutzen. Die Wizards wirkten nach dem Gegentreffer konsterniert und störten die Falken nicht entschlossen genug im Spielaufbau. So übernahmen die Unterländer die Initiative, konnten aber keinen weiteren Treffer mehr erzielen. Die Gäste warfen in der Schlussphase zwar alles nach vorne, um den Ausgleich zu erzwingen, verstrickten sich aber zu sehr in Einzelaktionen, mit denen HEC-Keeper David Belitski keine Mühe hatte. Trainer Wilbert Duszenko nahm in der letzten Minute auch noch Tyrone Garner für einen sechsten Feldspieler vom Eis, doch der zweite Stuttgarter Treffer fiel nicht mehr. Vielmehr hatten die Wizards Glück, dass die Falken nicht exakt genug zielten und das verwaiste Gehäuse verfehlten. So blieb es bei der knappen, unnötigen Niederlage der Zauberer, die bei etwas besserer Chancenverwertung vermeidbar gewesen wäre.



Ähnlich sah auch Trainer Wilbert Duszenko auf der Pressekonferenz: „Wir haben zu wenig aus unseren Chancen gemacht und David Belitski hat eine gute Partie geboten. Ein Tor reicht nicht, um auswärts zu gewinnen. Hinzu kommt, dass wir in den Zweikämpfen nicht energisch genug waren. Vielleicht hätten wir am Schluss noch die Verlängerung geschafft, wenn wir uns keine zwei Minuten abgeholt hätten. Alles in allem haben wir aber nicht den Einsatz gezeigt und nicht das gespielt, was nötig ist, um auswärts zu punkten. Deswegen ein Glückwunsch an die aufopferungsvoll kämpfenden Falken, der Sieg geht absolut in Ordnung“, so der Schwetzinger.

Heilbronns Coach Rico Rossi war nach Spielende angetan von der Leistung seines Team: „Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Sie haben sehr gut gekämpft. Das war ein sehr wichtiger Sieg für uns, denn mit einer Niederlage wären wir erst einmal aus den Top 6 gefallen. Wir brauchen zwar immer eine Top-Leistung unseres Torhüters, weil wir Schwierigkeiten mit dem Tore schießen haben. Heute haben wir aber einen Treffer mehr erzielt als der Gegner. Das ist alles, was man braucht, um drei Punkte zu bekommen“, freute sich Rossi.



Für die Wizards steht am kommenden Wochenende nur ein Spiel auf dem Programm, das es jedoch in sich hat. Am Freitag, 03.12.2004, sind die Blau-Gelben um 20.00 Uhr zu Gast in Grafing beim heimstarken EHC Klostersee. Die Rot-Weißen setzen hauptsächlich auf Cracks aus dem eigenen Talentschuppen, die gemeinsam mit starken Ausländern regelmäßig – vor allem im heimischen Eisstadion – den Spitzenteams das Fürchten lehren. Zuletzt erwischte es den EV Füssen, der mit 4:9 unter die Räder kam. Überragend dabei die Sturmreihe um Martin Sauter, Florian Saller und den kanadischen Neuzugang Eric Ortlip (von den Haßfurt Sharks), die an fünf Treffern beteiligt war. Neben Ortlip verfügen mit Danny Beauregard (ebenfalls Kanada) und Petr Zajonc (Tschechien) zwei weitere Kontingentspieler über einen ausgeprägten Torriecher, während der Tscheche Jiri Beranek eher als Vorlagengeber in Erscheinung tritt und sein Landsmann Vaclav Ruprecht die Abwehr organisiert.

Die Wizards sind ob des starken Teams der Grafinger gewarnt: „Das wird ein sehr schweres Spiel. Wir haben das Hinspiel auf der Waldau knapp 4:2 gewonnen und wollen natürlich punkten, um weiter oben dran zu bleiben. Das können wir aber nur schaffen, wenn wir 60 Minuten lang hellwach sind, diszipliniert spielen und aus unseren fraglos zahlreichen Chancen mehr Kapital schlagen als zuletzt“, gibt Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko die Richtung vor.


Heilbronner Falken – Stuttgart Wizards 2:1 (0:1, 1:0, 1:0)


Tore:

0:1 (0:49) John Sicinski (Andreas Klundt, Jay Woodcroft) 5-4, 1:1 (26:28) Philipp Schlager (Martin Melchert), 2:1 (43:07) Marc St. Jean (Alexander Dexheimer)

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