Überraschungscoup in München

Rote Laterne in Füssen gelassenRote Laterne in Füssen gelassen
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Nach einer heißen Schlussphase siegten die Starbulls Rosenheim am Sonntagabend in der Landeshauptstadt beim EHC München mit 4:3.

Elf Jahre und zwei Monate mussten die SBR-Fans warten, ehe sie endlich wieder einen Pflichtspielsieg in München feiern konnten. Auf Münchner Seite haderte man nicht nur mit dem Unparteiischen (aus ihrer Sicht war der Rosenheimer Siegtreffer nicht korrekt), sondern auch mit der mageren Zuschauerzahl von 2581, obwohl etwa 500 Grün-Weiße den Weg in die Eishalle im Olympiapark fanden.

Für die Gastgeber begann die Partie gar nicht so schlecht. Zwar mussten sie in der Anfangsphase ein Unterzahl überstehen (Kevin Kraxner wurde bei seiner ersten Eiszeit in der fünften Minute gefoult), zweimal musste EHC-Keeper Jochen Vollmer Schlagschüsse von Matthias Bergmann entschärfen, doch in der achten Minute gingen sie in Front. Erst scheiterte Peter Brearley frei vor SBR-Goalie Olli Häusler, kurz darauf war ein Fehlpass von Bergmann Ausgangspunkt zur Münchner Führung. Nachdem Alexander Leinsle und Mario Jann noch scheiterten, verwertete Fabian von Schilcher den Nachschuss. Nicht zuletzt durch ein Powerplay hatten die Hausherren bis zur ersten Pause mehr Spielanteile, trafen aber das Tor nicht. Beinahe hätte Heini Schiffl in der 18. Minute seinen eigenen Torhüter überwunden, als er eine Münchner Hereingabe abfälschte und Häusler zu einer Super-Parade zwang.

Im Mittelabschnitt mussten die Rosenheimer in Unterzahl anfangen, da Jeremy Stasiuk zwölf Sekunden vor der Pause eine Strafzeit erhielt. Kaum war Stasiuk zurück auf dem Eis, klingelte es zum 2:0. Den ersten Schlagschuss von Thomas Vogl konnte Häusler noch abwehren, im Nachsetzen hatte es Vogl aber leichter (Puck kam über Tim Leahy und Chris Gustafson zu ihm zurück), denn Häusler stand noch nicht wieder aufrecht in seinem Kasten. Dies schien der Weckruf für die Starbulls, die 55 Sekunden später in Überzahl auf 1:2 verkürzten. Torschütze war Stasiuk, die Beihilfen kamen von Mondi Hilger und Dave Struch. Nach einem weiteren Foul an Kevin Kraxner musste Jann auf die Strafbank und Rosenheim nutzte in der 26. Minute erneut die numerische Überlegenheit. Diesmal netzte Patrick Senger aus dem Slot ein. Die 26. Minute war noch gar nicht um, da entwickelte sich eine Schlägerei, an der alle sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Eis befindlichen zehn Feldspieler beteiligt waren. Besonders hervorgetan hatten sie hier Andi Geisberger und Sebastian Schwele, die jeweils 2+2 Minuten erhielten. Eine handfesten Bodenkampf lieferten sich Uli Drechsler und Brealey, der sogar ohne Handschuhe boxte. Der gute Schiedsrichter Frenzel schickte Drechsler für 2+2, Brearley für 2+2+10 Minuten raus und zitierte anschließend die beiden Trainer zu sich. Dabei machte er unmissverständlich deutlich, dass es bei Wiederholung solcher Showeinlagen große Strafen folgen. Eishockey wurde bis zur zweiten Pause auch noch gespielt, zwingende Torchancen blieben trotz zweier Überzahlgelegenheiten für die Gäste und einem Powerplay der Landeshauptstädter aus.

Münchens Stadionsprecher kündigte noch vor dem ersten Bully des Schlussdrittels an: „Jetzt muss eine Entscheidung her!“ – Und dafür sorgten schließlich die Starbulls. Gustafson hämmerte zwar die Scheibe in der 45. Minute mit einem Schlagschuss in die Maschen zum 3:2 für München, was dem Rosenheimer Kampfgeist keinen Abbruch tat. Die Chyzowski-Schützlinge erspielten sich eine Chance nach der anderen, aber Andi Schneider, Michael Fröhlich, Uli Drechsler und Mitch Pohl scheiterten zwischen der 50. und 52. Minute an Vollmer. In Minute 54 war es allerdings soweit, als Thomas Brandstädter vor dem eigenen Fanblock im Fallen zum verdienten Ausgleich traf. In der 58. Minute kannte der Jubel unter den mitgereisten Anhängern keine Grenzen mehr, denn Hilger schnappte sich in der neutralen Zone den Puck, umkurvte einen Gegner nach dem anderen, umspielte Vollmer und erzielte mit dieser gekonnten Aktion die erstmalige Führung für seine Farben. München nahm zwar 52 Sekunden vor der Schlusssirene eine Auszeit und seinen Keeper zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Man gewann auch noch viermal ein Bully im Drittel der Starbulls, die Ausgleichsversuche vereitelte jedoch Häusler, der damit einen prestigeträchtigen Sieg festhielt, der gleichzeitig für noch mehr Selbstvertrauen sorgen sollte.

Trainerstimmen:

Georg Kink (EHC München): Es war ein super Spiel mit viel Tempo und Härte, obwohl es um nichts mehr ging. Bei unserem Chancenverhältnis von 53:31 Schüsse haben wir zu wenig reingebracht. Schade, dass das Spiel durch ein irreguläres Tor entschieden wurde.

Ron Chyzowski (SBR): Es ging für uns um nichts, trotzdem war es ein schönes Spiel. Die einzige Chance zu gewinnen hatten wir durch Kampf. Im ersten Drittel hatten wir zu ruhig begonnen, sind dann aber besser ins Spiel gekommen. Ich bin seit zweieinhalb Jahren Trainer in Rosenheim und wollte einmal in München gewinnen. Jetzt kann ich wieder gut schlafen.

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