Tyrone Garner Matchwinner beim Sieg gegen Füssen

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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„Wir haben drei wichtige Punkte eingefahren“, zeigte sich Wilbert Duszenko, Trainer des Eishockey-Oberligisten Stuttgart Wizards, am Freitagabend nach dem 4:2 (2:0, 0:1, 2:1) seines Teams gegen den direkten Verfolger EV Füssen erleichtert. Wie schon in den Spielen zuvor machten sich die Blau-Gelben durch ihre schlechte Chancenverwertung das Leben selbst unnötig schwer. Torhüter Tyrone Garner kommt hingegen langsam in Form, zeigte stellenweise unglaubliche Paraden und wurde so in der hektischen Schlussphase zum Sieggaranten. „Er bringt wieder die Leistung, die wir von ihm gewohnt waren“, freute sich Duszenko, sparte jedoch nicht mit Kritik an seinen Angreifern: „Meine Mannschaft ist nicht in der Lage, nach einer Führung konzentriert weiterzuarbeiten und nachzulegen. Stattdessen haben einige Akteure heute nach dem 2:0 nur noch für die Galerie gespielt. So ist es nicht verwunderlich, dass wir am Schluss – trotz zahlreicher Chancen – noch eine gehörige Portion Glück brauchten, um als Sieger vom Eis zu gehen. Außerdem haben wir Füssen durch zahlreiche Strafzeiten, vor allem die kurz auf einander folgenden Hinausstellungen gegen Michel Maaßen, wieder ins Spiel gebracht. Einige meiner Spieler scheinen noch immer nicht verstanden zu haben, dass Eishockey ein Mannschaftssport ist, in dem Zweikampfstärke, Disziplin und Kaltschnäuzigkeit zählen. Darüber wird zu reden sein“, so Duszenko. Am morgigen Sonntag (31.10.2004, 18.00 Uhr) sind die Wizards zu Gast in Rosenheim, wo es für die Zauberer sehr schwer werden wird. „Wir haben nur eine Chance, wenn wir bereit sind, die Zweikämpfe anzunehmen“, blickt Coach Wilbert Duszenko voraus.



Stuttgart begann am Freitagabend überaus druckvoll und erspielte sich bereits in den ersten Minuten gute Möglichkeiten zur Führung. In der vierten Spielminute durften die Wizards-Fans unter den 806 Zuschauern auf der Waldau dann auch erstmals jubeln, als Jay Woodcroft im Powerplay einen Schuss von Andreas Klundt zum 1:0 abfälschte.

Die Zauberer blieben weiter Herr im eigenen Haus und entwickelten viel Druck auf das von André Irrgang gut gehütete Füssener Tor. Einmal mehr trat jedoch das derzeit größte Stuttgarter Manko zu Tage, die schlechte Chancenverwertung. So dauerte es bis zur zehnten Minute, ehe Andreas Klundt einen schönen Spielzug über Georg Hessel und Michael Heichele gekonnt zum 2:0 abschloss.

Vom EV Füssen war im ersten Durchgang bis auf wenige Entlastungsangriffe, bei denen die Leopards allerdings stets brandgefährlich blieben, wenig zu sehen. Die Wizards versäumten es ihrerseits, das Ergebnis bereits im ersten Drittel noch deutlicher zu gestalten – Chancen dazu waren jedenfalls genügend vorhanden. So ging es mit einer 2:0-Führung in die erste Pause, und die Gäste aus dem Allgäu waren damit noch gut bedient.



Zu Beginn des zweiten Abschnitts hatten die Wizards völlig den Faden verloren, Füssen übernahm das Kommando. Zudem leisteten sich die Zauberer etliche unnötige Strafzeiten, waren nahezu zwölf Minuten am Stück in Unterzahl und brachten den EVF so wieder zurück in die Partie.

In dieser Phase des Matches konnte sich Stuttgart vor allem bei seinem Torhüter Tyrone Garner und der Füssener Abschlussschwäche bedanken, dass der Anschlusstreffer nicht fiel. Die Wizards hatten lediglich eine gute Szene, als John Sicinski nach gut 23 Minuten in Unterzahl einen Alleingang startete, allerdings an der Latte scheiterte.

Besser machten es die Gäste nach 32 Minuten: Füssens Kapitän Marcus Bleicher erzielte im Powerplay mit einem satten Schuss aus der Halbdistanz das 2:1. Die Leopards waren nun überlegen, konnten daraus jedoch kein Kapital schlagen. Die Führung der Wizards hatte also auch nach 40 Minuten Bestand.

Der Schlussdurchgang war nichts für schwache Nerven, es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Dabei hatten die Wizards auch eine gute Portion Glück auf ihrer Seite: Genau 33 Sekunden nach Wiederanpfiff war die komplette Füssener Hintermannschaft inklusive Torhüter Irrgang auf der Suche nach dem Puck. Wizards-Kapitän John Sicinski reagierte in dem Durcheinander am schnellsten und markierte mit einem kuriosem Treffer, bei dem Scheibe vom Rücken des Füssener Keepers ins Tor kullerte, das 3:1 (41.).

Dies war jedoch keineswegs eine Vorentscheidung im Sinne der Hausherren, im Gegenteil: Füssen drückte aufs Tempo und brachte die Abwehr der Zauberer mit schnellen Spielzügen immer wieder in Verlegenheit. Da die Wizards zudem nicht immer konsequent genug in die Zweikämpfe gingen, lag der neuerliche Anschlusstreffer förmlich in der Luft. Stuttgarts Keeper Tyrone Garner hatte jedoch immer wieder etwas dagegen und hielt den Vorsprung seiner Farben mit teilweise spektakulären Paraden fest.

Allerdings nur bis zur 44. Minute. Dann war es erneut Marcus Bleicher, der per Rückhandheber auf 3:2 verkürzte und Füssen wieder ins Spiel brachte.

Die Wizards wankten nun gewaltig, fielen aber Dank eines starken Torhüters nicht. Sie hatten noch zwei, drei hochkarätige Möglichkeiten, die Partie vollends zu ihren Gunsten zu entscheiden, ließen sie aber einmal mehr ungenutzt.

So begann – wie schon gegen Miesbach – das große Zittern in der Schlussphase und vor allem in den letzten fünf Minuten: Der EVF drängte auf den Ausgleich und feuerte aus allen Lagen gefährliche Schüsse ab, doch Stuttgarts Keeper Tyrone Garner trieb die Stürmer der Leopards mit unglaublichen Reflexen schier zur Verzweiflung.

Seine größte Tat vollbrachte der 26-Jährige rund eine Minute vor Schluss, als Füssens Eric Nadeau aus knapp zwei Metern aufs leere Tor zielen konnte, der auf dem Rücken liegende Garner jedoch im letzten Moment seine Schoner ausfuhr und die Scheibe stoppte. Im direkten Gegenzug leitete der Kanadier mit einem präzisen Pass auf Peter Westerkamp das 4:2 ein, mit dem Westerkamp per Treffer ins inzwischen verlassene EVF Gehäuse die Stuttgarter Fans erlöste und den Sieg im Sechs-Punkte-Spiel gegen den direkten Konkurrenten perfekt machte.



Nach Spielende zeigte sich Wizards-Coach Wilbert Duszenko zufrieden über die drei Punkte, übte aber auch deutliche Kritik: „Wir sind nicht in der Lage, nach einer Führung nachzulegen, da einige Spieler zu sehr für ihre eigene Bilanz statt für das Team spielen. Das ist unser großes Manko, genauso wie die Tatsache, dass wir uns für dumme Fouls unnötige Strafen abholen. Dabei hatte ich mein Team noch gewarnt, sich keine Strafen in der Angriffszone einzuhandeln, doch genau das ist passiert. So haben wir Füssen wieder ins Spiel gebracht und mussten noch bis zum Schluss zittern. Die drei Punkte sind wichtig, aber es gibt noch viel zu tun“, so der Übungsleiter.



Duszenkos Pendant in Diensten des EV Füssen, Franz-Josef Baader, war vom Ausgang der Partie schwer enttäuscht: „Es ist bitter, dass wir das Spiel verloren haben. Im ersten Drittel war Stuttgart frischer als wir, deshalb geht die Führung völlig in Ordnung. Ab dem zweiten Durchgang haben wir die Partie aber kontrolliert und verdientermaßen den Anschluss erzielt. Nach dem schnellen Gegentor im Schlussdrittel sind wir immer wieder ins Spiel zurück gekommen und hätten es eigentlich in den letzten fünf Minuten für uns entscheiden müssen, doch Tyrone Garner hatte heute einen sehr guten Tag. Wir müssen nun schauen, dass wir nächste Woche gegen Miesbach besser drauf sind und wieder punkten“, forderte der Trainer des Altmeisters.



Ein schweres Spiel erwartet die Wizards am Sonntag, 31.10.2004, um 18.00 Uhr bei den Star Bulls Rosenheim. „Wir haben das Hinspiel 5:2 gewonnen. Natürlich wäre es schon, wenn uns wieder ein Sieg gelingen würde. Dazu haben wir aber nur eine Chance, wenn wir diszipliniert spielen, die Zweikämpfe annehmen und unsere Torchancen besser verwerten als zuletzt“, blickt Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko voraus.



Stuttgart Wizards – EV Füssen 4:2

Tore: 1:0 (3:19) Jay Woodcroft (Andreas Klundt) 5-4, 2:0 (10:02) Andreas Klundt (Georg Hessel, Michael Heichele), 2:1 (31:47) Marcus Bleicher (Ruslan Bezshchasnyy) 5-4, 3:1 (40:33) John Sicinski, 3:2 (43:16) Marcus Bleicher (Wolfgang Koziol, Eric Nadeau) 5-4, 4:2 (59:01) Peter Westerkamp (Tyrone Garner) 5-6 ENG