Trotzreaktion in Füssen: Wizards entführen drei Punkte aus dem Allgäu

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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Am dritten Spieltag der Eishockey-Oberliga Süd durften die Stuttgart Wizards ihren ersten dreifachen Punktgewinn bejubeln. Am Freitagabend beim 4:2 (1:1, 2:1, 1:0) in Füssen überzeugten die Schützlinge von Trainer Wilbert Duszenko mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und ließen sich auch nicht von Schiedsrichter Andreas Aumüller aus dem Konzept bringen, der einmal mehr eine klare Linie in seinen Entscheidungen vermissen ließ und sich so den Unmut beider Teams zuzog. „Meine Mannschaft hat heute ein gutes Spiel geliefert. Wir wussten, worum es geht, denn nach den Auftaktniederlagen standen wir unter einem gewissen Druck. Deswegen bin ich natürlich froh, dass es uns gelungen ist, die Punkte aus Füssen mitzunehmen“, so Duszenko. Ein Schlüssel zum Erfolg war das Überzahlspiel der Württemberger, in dem drei Treffer gelangen. Wilbert Duszenko hatte jedoch noch eine andere Erklärung: „Großen Anteil am Sieg haben Brigitte Föll, Fachausschuss-Vorsitzende für Eiskunstlauf im baden-württembergischen Eissport-Verband, und Klaus-Dieter Heidemeier, Betriebsleiter des Eissport-Zentrums Waldau in Stuttgart. Durch ihr unkompliziertes Entgegenkommen haben wir am Freitag noch Eiszeiten bekommen und konnten vor der Abfahrt nach Füssen eine Stunde lang an unserem Powerplay arbeiten, nachdem am Donnerstag das Eis anderweitig belegt war und wir nicht wie geplant trainieren konnten. Nochmals ein herzliches Dankeschön an Frau Föll und Herrn Heidemeier, dass sie uns die Eiszeit am Freitag so problemlos zur Verfügung gestellt haben“, sandte der Coach einen Gruß Richtung Heimat. Am morgigen Sonntag (26.09.2004, 18.45 Uhr, Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart) erwarten die Wizards die Star Bulls Rosenheim in Stuttgart. Mit einer ähnlich konzentrierten und engagierten Leistung wie in Füssen ist auch gegen den ehemaligen DEL-Club ein Sieg im Bereich des Möglichen.



Im Allgäu waren die gastgebenden Leoparden des EV Füssen zunächst die Spiel bestimmende Mannschaft. Zwar hatten die Wizards und vor allem Neuzugang Jay Woodcroft gleich zu Beginn der Partie in Überzahl einige gute Szenen, das Anfangsdrittel gehörte ansonsten jedoch dem EVF. Die Stuttgarter Abwehr hatte Mühe, sich auf den Gegner einzustellen. Füssen zeigte immer wieder schnelle Kombinationen, überbrückte rasch das Mitteldrittel und tauchte etliche Male gefährlich vor Tyrone Garner auf. Der Kanadier im Stuttgarter Gehäuse, der langsam in Form kommt, erwies sich jedoch als Turm in der Schlacht und machte selbst beste Füssener Chancen zunichte.

Gestützt auf den gut aufgelegten Keeper warteten die Wizards geduldig auf ihre Chancen und waren in der 16. Minute erfolgreich. Im Powerplay staubte Andreas Klundt nach Vorarbeit von John Sicinski und Jeff White zur Stuttgarter Führung ab (16.). Die Freude bei den Blau-Gelben währte jedoch nur ganze 87 Sekunden. Ebenfalls im Powerplay, zog Füssens Dory Tisdale von der blauen Linie ab und erzielte das 1:1 (17.), das gleichzeitig den Pausenstand markierte.



Im zweiten Durchgang begannen die Wizards druckvoll und erzielten genau zum richtigen Zeitpunkt ihren zweiten Treffer. Genau 70 Sekunden nach Wiederanpfiff brachte Peter Westerkamp die Württemberger – wiederum in Überzahl – mit 2:1 in Front (22.). Doch auch jetzt war der Stuttgarter Jubel, wie im ersten Durchgang, kaum verklungen, als Füssen erneut ausglich. Im Nachschuss bugsierte Ruslan Bezshchasnyy die Scheibe vorbei an Tyrone Garner und brachte damit die Leoparden (wieder in Überzahl) zurück ins Spiel (25.).

Die Zauberer zeigten sich davon jedoch unbeeindruckt und kamen immer besser in Fahrt. So erspielten sie sich nach einer knappen halben Stunde etliche hochkarätige Möglichkeiten, versäumten es zunächst jedoch, aus ihrer Überlegenheit weiteres Kapital zu schlagen. Dies sollte sich in der 29. Minute ändern, als Michel Maaßen einen Abpraller zum 3:2 verwertete und damit seinen ersten Treffer im Stuttgarter Dress erzielte.

In Folge entwickelte sich ein rasantes Spiel mit guten Chancen auf beiden Seiten, die die beiden Torhüter, Ty Garner bei den Wizards und André Irrgang im Kasten der Leopards, jedoch allesamt zunichte machten.



Zu Beginn des letzten Drittels waren die Wizards knapp vier Minuten in Überzahl, konnten dabei jedoch keinen Treffer erzielen. Im nächsten Powerplay klappte es allerdings besser. Ganze fünf Sekunden, nachdem Christopher Harß auf der Strafbank Platz genommen hatte, gelang Jeff White mit dem 4:2 die Vorentscheidung (45.).

Füssen gab sich jedoch nicht geschlagen und warf noch einmal alles nach vorne. Dabei kam das Team von Coach Franz-Josef Baader auch zu einigen guten Möglichkeiten. Tyrone Garner im Tor der Wizards war jedoch nicht mehr zu bezwingen; selbst dann nicht, als der EVF seinen Torhüter kurz vor Schluss zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis genommen hatte. So brachten die Wizards den wichtigen Erfolg mit Glück und Geschick über die Zeit. Einen guten Eindruck hinterließ Neuzugang Jay Woodcroft, der gezeigt hat, dass er die erhoffte Verstärkung werden kann und oft nur mit unfairen Mitteln vom Puck zu trennen war. Marc Garthe hingegen, eigentlich als Leader geholt, fehlt noch immer die Bindung zum Team. In Füssen machte der 38-jährige nur durch acht Strafminuten auf sich aufmerksam. „Sein Auftreten hat mir nicht besonders gefallen, aber wir werden das auch noch in den Griff bekommen“, meinte Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko.



Ob des dreifachen Punktgewinns war der Schwetzinger nach der Partie natürlich zufrieden. „Ich denke, der Sieg geht in Ordnung. Wir haben heute engagiertes Eishockey geboten und gut nach vorne gespielt, haben zum richtigen Zeitpunkt die Tore gemacht. Vor allem ist es uns gelungen, die Räume eng zu machen und so die schnellen Füssener nicht zur Entfaltung kommen zu lassen“, sagte Duszenko auf der Pressekonferenz.

Sein Füssener Kollege Franz-Josef Baader sprach von einem verdienten Sieg der Wizards: „Stuttgart hat eine starke Mannschaft und vor allem einen sehr guten Torhüter. Im ersten Drittel haben wir gut gespielt, Garner hat uns jedoch den Zahn gezogen. Im zweiten Abschnitt brachten uns etliche unnötige Strafzeiten aus dem Konzept. Meine Mannschaft hat im Schlussdrittel noch einmal alles probiert, wir haben gut gekämpft, doch der Puck wollte leider nicht mehr ins Tor. Das ist bitter für uns“, so Baader.



Kein gutes Haar ließen die Trainer an Schiedsrichter Andreas Aumüller: „Ich möchte die Leistung eigentlich nicht kommentieren. Es muss aber allen klar sein, dass Eishockey noch immer ein Zweikampfsport ist. Deswegen kann es nicht sein, dass jedes Mal, wenn ein Spieler mit dem Stock nach der Scheibe klopft, zwei Strafminuten gegeben werden sollen. Auch beim Bully muss man mit seinem Schläger auf den anderen schlagen können, ohne Angst vor einer Strafe haben zu müssen. Schließlich spielen wir Eishockey und nicht Halma“, meinte Wilbert Duszenko und Füssens Franz-Josef Baader pflichtete ihm bei: „Andreas Driendl hat heute für ein harmloses Haken 2 + 2 + 10 Minuten wegen versuchten Stockstichs bekommen. Solche Entscheidungen sind für mich unverständlich.“

Am morgigen Sonntag (26.09.2004, 18.45 Uhr, Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart) treten die Wizards vor heimischer Kulisse gegen die Star Bulls Rosenheim an: „Nach dem Erfolg in Füssen möchten wir natürlich nachlegen. Dies wird zwar alles andere als einfach, doch wenn wir genauso engagiert auftreten wie am Freitag, ist ein Sieg möglich. Das ist unser erklärtes Ziel“, sagt Wilbert Duszenko, der hofft, dass morgen mehr Zuschauer den Weg auf die Waldau finden als noch vor einer Woche gegen München.

EV Füssen – Stuttgart Wizards 2:4 (1:1, 1:2, 0:1)

Tore: 0:1 (15:02) Andreas Klundt (John Sicinski, Jeff White) 5-4, 1:1 (16:29) Dory Tisdale (Robert Scharpf, Marcus Bleicher) 5-4, 1:2 (21:10) Peter Westerkamp 5-4, 2:2 (24:08) Ruslan Bezshchasnyy 5-4, 2:3 (28:40) Michel Maaßen (Manuel Weibler), 2:4 (44:30) Jeff White (Jay Woodcroft) 5-4

Strafminuten: Füssen 22 + 10 Disziplinarstrafe gegen Andreas Driendl, Stuttgart 20

Zuschauer: 867


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