Tolle Moral: Wizards stürzen den Spitzenreiter

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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Mit einer Energieleistung wurden die Stuttgart Wizards am Sonntagabend auch für den bisherigen Tabellenführer der Eishockey-Oberliga Süd, den EHC München, zum Stolperstein und entführten beim 4:3 (0:2, 3:0, 1:1) alle drei Zähler aus der bayerischen Landeshauptstadt. Die Partie war nichts für schwache Nerven, erst knapp sieben Minuten vor dem Ende sorgte Stuttgarts Verteidiger Christian Seeberger mit einem wuchtigen Schuss von der blauen Linie für die Entscheidung. „Ich bin froh, dass es uns gelungen ist, nach dem Sieg gegen den SC Riessersee nachzulegen“, atmete Wizards-Coach Wilbert Duszenko tief durch. „Allerdings standen wir im ersten Drittel viel zu weit weg vom Gegner und hätten uns über einen höheren Rückstand nicht beklagen dürfen. Im zweiten Abschnitt hat sich die Mannschaft dann zusammengerissen und in den letzten 20 Minuten hatten wir auch das nötige Glück auf unserer Seite. Der Sieg war nicht unverdient, da die Mannschaft nach dem 0:2 nicht resigniert und Charakter gezeigt hat“, so der Schwetzinger. Am kommenden Derby-Wochenende wollen die Zauberer, derzeit Dritter, ihren Lauf nutzen und weitere wichtige Punkte für die Meisterrunden-Qualifikation einfahren. Zunächst ist am Freitag, 26.11.2004, 20.00 Uhr, Aufsteiger ESV Hügelsheim zu Gast in Stuttgart (Eissport-Zentrum Waldau im Stadtteil Degerloch), ehe die Reise der Wizards am Sonntag (28.11.2004, 18.30 Uhr) ins Unterland zu den Heilbronner Falken führt.



Die Pleite am Sonntagabend vor 1.317 Zuschauern in der Münchner Olympia-Eishalle war die erste Heimniederlage des EHCM in einem Oberliga-Pflichtspiel seit dem 04.04.2004, als die Isarstädter im zweiten Play-off-Halbfinale gegen den späteren Aufsteiger REV Bremerhaven den Kürzeren zogen.

Dabei deutete zunächst gar nichts darauf hin, denn die Gastgeber legten los wie die Feuerwehr und machten mächtig Druck aufs von Tyrone Garner gehütete Wizards-Gehäuse. Der dunkelhäutige Kanadier musste mehrfach Kopf und Kragen riskieren, um einen Rückstand zu verhindern. Machtlos war er allerdings in der 16. Minute, als Alexander Leinsle per Bauerntrick die hoch verdiente Münchner Führung erzielte. Knapp 90 Sekunden später gelang dem von der Stuttgarter Abwehr sträflich allein gelassenen Fabian von Schilcher im Nachfassen der zweite Treffer der Hausherren. Mit diesem Ergebnis gingen die Wizards in die erste Pause und waren damit noch gut bedient. Von den Stuttgartern war bis auf einzelne Entlastungsangriffe, die die sichere Münchner Abwehr früh unterband, wenig zu sehen. Die Zauberer standen viel zu weit weg von ihren Gegenspielern und ließen den technisch versierten EHC-Cracks zu viel Raum. In den ersten 20 Minuten hatten die Wizards sehr wenige gute Tormöglichkeiten, die zudem alle ungenutzt blieben.



Völlig verwandelt – nach einer Kabinenpredigt von Coach Wilbert Duszenko – präsentierten sich die Gäste aus Baden-Württembergs Landeshauptstadt indes in Durchgang zwei. Die Zweikämpfe wurden nun angenommen, München erfolgreich im Spielaufbau gestört, die Chancen häuften sich. Im Powerplay verkürzte Andreas Klundt nach 23 Minuten auf 1:2 und brachte seine Farben zurück ins Spiel.

Dieser Treffer gab den Wizards offensichtlich Auftrieb und setzte neue Kräfte frei, denn die Zauberer übernahmen nun vermehrt die Initiative. München blieb mit schnellen Kombinationen zwar weiter brandgefährlich, scheiterte aber immer wieder am glänzend aufgelegten Tyrone Garner im Stuttgarter Gehäuse.

Die Gäste machten es in der 27. Spielminute besser, als Jay Woodcroft mit einem sehenswerten Schlenzer ins lange Eck für den 2:2-Ausgleich sorgte. So hatten sich die Zauberer mit unbändigem Willen ins Spiel zurückgekämpft und nun einige gute Gelegenheiten, ihren dritten Treffer zu erzielen. Eine davon nutzte nach 32 Zeigerumdrehungen im Powerplay Kapitän John Sicinski, der die Scheibe nach Vorarbeit von Andreas Klundt an EHC-Keeper Kevin Kühnhackl vorbei in die Maschen beförderte und damit den Pausenstand nach zwei Dritteln herstellte.



Der letzte Spielabschnitt war nichts für schwache Nerven. Die Gastgeber schalteten einen Gang hoch, diktierten klar das Tempo und feuerten aus allen Lagen, zunächst jedoch ohne Erfolg. Die Wizards warteten auf Konterchancen und kamen zu etlichen guten Möglichkeiten, die jedoch nicht genutzt wurden. So schien der Ausgleich nur noch eine Frage der Zeit zu sein, und nach 46 Minuten fiel er denn auch: Wieder war es Münchens Alexander Leinsle, der das 3:3 markierte.

Nun entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, wobei die schnellen Münchner die besseren Chancen zu verzeichnen hatten. Stuttgarts Torhüter Tyrone Garner zeigte jedoch etliche „Big Saves“ und ließ sich nicht mehr überwinden. Die Wizards kämpften um jeden Zentimeter Eis und wurden in der 54. Minute für ihr Engagement belohnt. Verteidiger Christian Seeberger fasste sich ein Herz, zog von der blauen Linie ab und der Puck schlug hinter dem verdutzten Kevin Kühnhackl zur 4:3-Führung der Zauberer ein.

In der turbulenten Schlussphase warf München alles nach vorne, um die sich abzeichnende Niederlage noch zu vermeiden. Wäre das Match noch drei Minuten gelaufen, wäre der Ausgleich wohl auch gefallen – hochkarätige Chancen dazu hatte der EHC jedenfalls reichlich. So aber ließen die kampfstarken Württemberger nichts mehr anbrennen und durften sich über den dritten Auswärtssieg der Saison freuen.



Auf der anschließenden Pressekonferenz zog Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko ein überwiegend positives Fazit: „Ich freue mich natürlich, dass wir in München gewonnen haben. Ich habe meiner Mannschaft vor dem Spiel eingeschärft, nicht an den dritten Tabellenplatz zu denken, sondern sich darauf zu konzentrieren, dass wir unsere Außenseiterchance nutzen können. Leider haben nicht alle Spieler verstanden, dass diese Chance da ist, im ersten Durchgang waren einige auf Regionalliga-Niveau unterwegs. Nach der deutlichen Ansprache in der Kabine hat die Mannschaft dann aber Charakter gezeigt und ist ins Spiel zurückgekommen. Im letzten Durchgang hatten wir sicher auch Glück auf unserer Seite, aber der Sieg war nicht unverdient“, so der 54-Jährige.



Münchens Trainer Georg Kink, dessen Team die Tabellenführung an den EV Ravensburg abgeben musste, nahm die Niederlage gelassen: „Wir wussten, dass Stuttgart eine starke Truppe und mit Garner einen sehr guten Keeper hat. 15 Minuten lang haben wir optimal gespielt, den Wizards keine Chance gelassen. Im zweiten Drittel hat die Mannschaft etwas den Faden verloren und ich wusste, dass das 2:0 keine Versicherung sein würde. Dennoch haben wir eine engagierte Partie geliefert, leider wollte der Ausgleich am Schluss nicht mehr fallen. Der Schiedsrichter hatte hingegen nicht seinen besten Tag. Er hat für faire Aktionen Strafen gegen uns verhängt, wo eigentlich keine verhängt werden dürfen. Ich weiß nicht mehr, was ich meinen Verteidigern in Sachen Zweikampfverhalten sagen soll, sie werden durch so eine Regelauslegung total verunsichert“, schloss der Übungsleiter sein Statement.



Am kommenden Wochenende stehen für die Wizards zwei Derbies an, in denen Wiedergutmachung angesagt ist. Zunächst wollen sich die Wizards vor heimischer Kulisse am Freitag (26.11.2004, 20.00 Uhr, Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart) gegen den ESV Hügelsheim für die 4:6-Niederlage im Hinspiel rehabilitieren, ehe die Reise zu den Heilbronner Falken führt, die im Hinspiel auf der Waldau mit 4:2 triumphierten. „Wir wissen, dass es sehr schwer werden wird und werden beide Teams nicht unterschätzen. Natürlich wollen wir aber unseren Lauf nutzen und weiter punkten. Wenn wir an die Leistungen vom Wochenende gegen Garmisch und München anknüpfen können, sind die Chancen dafür sehr gut“, sagt Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko und ergänzt: „Ich hoffe, dass am Freitag gegen Hügelsheim nach unseren jüngsten Erfolgen zahlreiche Zuschauer auf die Waldau pilgern, um uns im Derby lautstark zu unterstützen.“

Die Hornets aus der badischen Spargelstadt schafften in der vergangenen Saison den Aufstieg aus der Baden-Württemberg- in die Oberliga und kämpfen nun um den Klassenerhalt. Stützen des Teams von Trainer Danilo Valenti sind die kanadischen Kontingentspieler Phil Ozga (Tor), Tyler Kuntz und David Lizotte (beide Abwehr) sowie die Stürmer Tom Herman und Blaine Bablitz. Letzterer fällt allerdings mit einem Fußbruch längerfristig aus und hinterlässt eine große Lücke bei den Hornissen. Die zweite Säule der Mannschaft bilden junge hungrige Talente wie Verteidiger Michael Stockbauer und Angreifer Sebastian Müller, die sich in der Oberliga durchbeißen wollen. Mit dieser Mischung aus jugendlichem Elan und Routine bezwang Hügelsheim auf eigenem Eis neben den Wizards auch den EHC München, unterlag am Wochenende allerdings sowohl dem EV Füssen als auch dem SC Riessersee.



Anpfiff der Partie gegen den ESV Hügelsheim ist am kommenden Freitag, 26.11.2004, um 20.00 Uhr im Eissport-Zentrum Waldau in Stuttgart-Degerloch. Am Sonntag, 28.11.2004, 18.30 Uhr, sind die Stuttgart Wizards zu Gast bei den Heilbronner Falken, wo ebenfalls gepunktet werden soll.



EHC München – Stuttgart Wizards 3:4 (2:0, 0:3, 1:1)

Tore: 1:0 (15:18) Alexander Leinsle (Martin Schneider), 2:0 (16:47) Fabian von Schilcher (Mario Jann), 2:1 (22:05) Andreas Klundt (John Sicinski, Jay Woodcroft) 5-4, 2:2 (26:32) Jay Woodcroft (John Sicinski), 2:3 (31:14) John Sicinski (Andreas Klundt) 5-4, 3:3 (45:38) Alexander Leinsle (George Kink), 3:4 (53:08) Christian Seeberger (John Sicinski, Jay Woodcroft)

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