Peinlicher Auftritt der EV Lindau Islanders gegen FüssenNur ein Punkt zum Auftakt

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Das Ergebnis täuscht dabei über den Spielverlauf hinweg, denn selbst der eine Punkt war für den EVL nicht verdient. Die Gäste zeigten 60 Minuten lang das spielerisch bessere und strukturierte Eishockey, spielten mit Laufbereitschaft, Stolz und Leidenschaft – alles Attribute, die die arrogant auftretenden Islanders komplett vermissen ließen.

Im ersten Drittel führten die Islanders sogar mit 3:1 – aber dies war eher das Produkt von Glück und dem vereinzelten Aufblitzen der vorhandenen aber kaum gezeigten individuellen Klasse Einzelner. So nahm nach einem guten Zuspiel von Sascha Paul Miroslav Jenka die Scheibe perfekt mit und schoss zum 1:0 ein. Ein starker Auftakt der Gastgeber nach drei Minuten, der allerdings deren Selbstzufriedenheit noch mehr bediente. Anders ist es nicht zu erklären, dass eine Minute später gleich zwei Füssener Spieler alleine auf EVL-Goalie David Zabolotny zulaufen konnten. Ron Newhook bediente dann den Ex- Lindauer Nikolas Oppenberger, der ausgleichen konnte. Danach waren es wieder zwei Einzelleistungen, die die Islanders in Front brachten. Zunächst traf Tim Brunnhuber mit einem sehenswerten Handgelenkschuss unter die Latte (10.) zum 2:1, ehe Michal Mlynek eine Minute nach der Annahme der Scheibe mit dem Schlittschuh, diese noch so in Richtung des Füssener Torhüters Andreas Jorde befördern konnte, dass der Keeper sie selbst ins Tor abfälschte.

Was die Lindauer anschließend den 760 Zuschauern boten, war einer der peinlichsten und blutleersten Auftritte der letzten Jahre. „Wir haben gedacht, es geht so einfach und keinerlei Charakter gezeigt“, sagte Trainer Dustin Whitecotton, der auch von zu viel Druck für die Mannschaft nichts wissen wollte. „Wir können vorher viel reden, aber zeigen müssen wird das auf dem Eis.“

Dass man Platz eins in dieser Runde gefordert habe, habe neben dem sportlichen Ehrgeiz auch einen praktischen und wirtschaftlichen Hintergrund, erklärte derweil Präsident Marc Hindelang. „Das hat nichts mit mangelndem Respekt gegenüber den anderen Gegnern zu tun. Wir haben letztes Jahr erlebt, was als Zweiter passieren kann. Man kann im Viertelfinale auf einen anderen Oberligisten treffen und dann geht’s knallhart um die Existenz. Wenn es danach weitergeht, fehlen dann aber Heimspiele und Einnahmen, so wie uns letztes Jahr im Finale. Dazu ist Platz Eins der erste Nachrücker- Platz, wenn eine andere Mannschaft für die Liga ausfällt.“

Zudem sollte man davon auszugehen, dass ein Team, das eine so ordentliche Vorrunde gespielt habe, von sich aus den Ehrgeiz haben müsste, möglichst gut abzuschneiden. „Den Druck muss man sich selbst machen. Wer den nicht verkraftet, sollte zum Eiskunstlauf gehen.“

Etwas großartig anderes als Eiskunstlauf war das dann auch nicht mehr, was die Islanders anschließend zeigten. Der EV Füssen kam durch zwei billige Aktionen der Gastgeber noch im ersten Drittel zum Ausgleich. Erst traf Sean Kavanagh nach Bullygewinn von Newhook, als die Ordnung beim EVL nicht stimmte, nach 14 Minuten zum 3:2. Anderthalb Minuten vor der Pause leisteten sich die Lindauer einen von zahlreichen Fehlern im Aufbau, die der Bayernliga- Fünfte durch Eric Nadeau zum 3:3 nutzte.

Die Lindauer gingen noch ein weiteres Mal in Führung, was den Spielverlauf des zweiten Drittels in dem die Gäste an Pfosten und Latte gescheitert waren, auf den Kopf stellte. Dylan Quaile traf in der 36. Minute in Überzahl.

Auch im letzten Durchgang blieb die junge Mannschaft der Gäste, dran überzeugte mit Tempo, Laufarbeit und Spielwitz, während das Angriffsspiel der Islanders auf Zufall und Einzelaktionen beruhte. Tatsächlich war ein Klassenunterschied zwischen Oberligist und Bayernligist zu erkennen, nur dass Füssen wie der Oberligist auftrat und teilweise auch von den Lindauer Zuschauern mit Applaus bedacht wurde.

Bis dreieinhalb Minuten vor Schluss mogelten sich die Islanders, die kaum zu Entlastungsangriffen kamen und teilweise im eigenen Drittel eingeschnürt wurden, noch durch, dann wurde Füssen für seinen Aufwand belohnt, als Lubos Velebnys Schlagschuss zum Ausgleich im Tor einschlug. In der Overtime rundete Jeff Smith mit seiner einzigen auffälligen Aktion das Lindauer Spiel noch ab, kassierte eine komplett unnötige Strafzeit, die Veit Holzmann zum Siegtreffer der Gäste nutzte (63.). Dies wurde dann von den über 100 mitgereisten und tolle Stimmung verbreitenden Füssener Fans entsprechend gefeiert, während sich die Spieler der Islanders vor der schweren Aufgabe in Peißenberg selbst die Charakterfrage stellen müssen.

Tore: 1:0 (02:55)  Jenka (Paul, Kirsch); 1:1 (03:40) Oppenberger (Newhook, Besl), 2:1 (10:32) Brunnhuber (Fuchs), 3:1 (11:37) Mlynek (Farny, Klingler), 3:2 (13:37) Kavanagh (Newhook); 3:3 (18:33) Nadeau (Holzmann, Schmid); 4:3 (36:21) Quaile (Farny, Mlynek -PP1), 4:4 (56:36) Velebny (Holzmann, Schmid), 4:5 (62:31) Holzmann (Nadeau, Kavanagh – PP1). Strafen: Lindau 6, Füssen 6. Zuschauer: 760.


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