EV Lindau Islanders empfangen den Altmeister EV FüssenAuftakt in die Qualifikationsrunde

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Zum ersten Mal kommt es dabei in einem Punktspiel zum Aufeinandertreffen der Islanders mit dem 16-fachen Deutschen Meister, der in seinen großen Zeiten nach dem Krieg bis in die 70er Jahre hinein das Eishockey hierzulande dominierte und auch in Lindau eine große Fangemeinde hatte, die sich regelmäßig auf den Weg an den knapp 100 Kilometer entfernten Kobelhang machte. Nicht zuletzt deshalb lautete das allererste Spiel der Vereinsgeschichte am 26. November 1977 EV Lindau gegen den EV Füssen. Allerdings handelte es sich um die Damen-Mannschaft der Allgäuer. Der EVL siegte gegen die „EVF Amazonen“ mit 5:4.

In den Jahren nach der letzten Meisterschaft 1973 musste der Traditionsverein dann aber die finanzkräftigere Konkurrenz aus den Großstädten an sich vorbeiziehen und lassen und die Abwanderung vieler großartiger Spieler hinnehmen, konnte sich aber immerhin bis 2015 in der Oberliga Süd halten, in der man lange vorne mitspielte. Mit der zweiten Insolvenz nach 1983 begann vor drei Jahren aber eine neue Zeitrechnung. Aus dem Eislaufverein wurde der Eissportverein Füssen (unter diesem Namen war der Verein 1922 ursprünglich gegründet worden), der in der untersten Klasse beginnen musste und sich auch dank seiner herausragenden Nachwuchsarbeit in Rekordzeit wieder nach oben spielte. Nacheinander gewann man die Meisterschaften der Bezirks- und Landesliga, sprang als Aufsteiger heuer in der Bayernliga gleich auf den fünften Platz und hatte auch gleich den höchsten Zuschauerzuspruch der Liga (900 im Schnitt).

„Es ist schon manchmal verrückt, wie sich im Eishockey die Dinge entwickeln und verändern“, sagt EVL- Präsident Marc Hindelang. „Vor wenigen Jahren hätte keiner geglaubt, dass wir mal gegen Füssen um Punkte spielen würden. Jetzt gehen wir sogar als Favorit in die Partie.“

Nichts anderes als das ist der Anspruch der Islanders in der Gruppe A, in der der TEV Miesbach und die Höchstadt Alligators als größte Widersacher und Füssen, Peißenberg sowie Geretsried als unbequeme Stolpersteine mit Überraschungspotenzial zu sehen sind. „Wir haben ganz klar den Anspruch, Erster in dieser Gruppe zu werden. Alles andere ist nicht akzeptabel. Das haben wir der Mannschaft so auch kommuniziert“, sagt der sportliche Leiter der Islanders, Bernd Wucher. „Wir müssen von Anfang an Auftreten wie ein Oberligist und das entsprechende Tempo und die Intensität bringen, um dem Gegner Respekt entgegenzubringen und unsere Vorteile auszuspielen.“

Dabei wird Füssen ein Gegner sein, der dank zahlreicher junger und gut ausgebildeter Spieler mit den Islanders läuferisch durchaus mithalten dürfte. Sage und schreibe 15 Spieler im Kader sind 22 Jahre alt und Jünger, einige kommen aus dem DNL- Team der Allgäuer dazu, so wie der 19jährige Marvin Schmid, mit 27 Punkten (12 Tore) sogar zweitbester Scorer der Mannschaft. Dazu kann Trainer Thomas Zellhuber auch auf einige erfahrene Cracks mit höherklassiger Vergangenheit bauen. Allen voran Eric Nadeau, der seit 2004 mit einem Jahr Unterbrechung in Ravensburg beim EVF spielt und im zarten Alter von 43 Jahren mit 30 Punkten (11 Tore) Topscorer der Mannschaft wurde. Auch Ron Newhook (40), der unter anderem schon für Ravensburg, Memmingen und Sonthofen spielte, ist ein alter Bekannter und Leader wie Veit Holzmann, Sohn von EVF Legende „Eisen- Schorsch“ Holzmann. Und natürlich wird auch der Ex- Lindauer Nikolas Oppenberger (2011 bis 2014 beim EVL) vor Ehrgeiz brennen.

Bemerkenswert an der guten Saison des EV Füssen ist auch, dass der Verein weitgehend nur mit einem Importspieler (und bisweilen einem weiteren aus dem Nachwuchs) antrat. Zu Verteidiger Lubos Velebny (war vergangene Sason ein Faktor beim Memminger Aufstieg), kam erst im Dezember der Amerikaner Sean Kavanagh zur Mannschaft dazu und gab der zweitbesten Abwehr der Bayernliga einen wichtigen offensiven Touch (5 Tore in neun Spielen).

Die Füssener Hintermannschaft um den erfahrenen Keeper Andreas Jorde von Anfang an unter Druck zu setzen, wird eine der wichtigsten Aufgaben für das Team von Dustin Whitecotton werden, der erneut auf Florian Lüsch verzichten muss. Ob im Sturm Jeff Smith oder Filip Kokoska auflaufen wird, wurde erst beim Abschlusstraining kurzfristig entschieden. Mit Troy Bigam haben die Lindauer unterdessen eine Stand By Verabredung getroffen. Solange sich der Stürmer in Deutschland aufhält, könnte er im Notfall nach Lindau kommen und spielen. Da aber Zdenek Cech auch schon wieder erste Schritte auf dem Eis machen konnte, werden die Islanders mit dem bisherigen Kader auskommen, auch wenn Cech für dieses Wochenende aufgrund seines Rückstandes noch keine Option für das Line- Up ist. Zudem soll natürlich auch noch Raum für die Lindauer Nachwuchsspieler bleiben, die sich im Training aufdrängen.

Denn mit Beginn der neuen Runde ist klar: Auszeiten kann sich im Kampf um den Klassenerhalt kein einziger Lindauer Spieler mehr leisten.