Die Tigers stillen ihre SehnsuchtSelber Wölfe

Die Tigers stillen ihre SehnsuchtDie Tigers stillen ihre Sehnsucht
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Im Lager der Tigers gab es im Vorfeld des gestrigen Derbys ein wenig Unruhe. Teammanager Dietmar Habnitt hatte nach den Abgängen von Kevin Altmann und Mitchell Theoret und der Freitag-Niederlage in Klostersee die Transferpolitik des EHC kritisiert. „Andere Vereine holen kurzfristig Kontingentspieler, aber uns sind die Hände gebunden, weil wir kein Grünes Licht für Neuzugänge bekommen“, schoss Habnitt im Nordbayerischen Kurier gegen den Vorstand. Und auch im Derby selbst kam im proppenvollen Tigerskäfig in der ersten Viertelstunde etwas Unruhe auf im Lager der Hausherren. Was sich später aber ändern sollte.

Der EHC kam schwungvoll aufs Eis und zu ersten kleineren Chancen durch Kolozvary und Bartosch, doch die Wölfe hielten dem ersten Ansturm stand. Bereits nach fünf Minuten bekamen die Fans dann eine Boxeinlage zwischen VER-Kapitän Schadewaldt und Sevo geboten. Für beide Streithähne gab es 2 + 2 Minuten, für den Selber zusätzlich eine zehnminütige Disziplinarstrafe, weil er sich der Handschuhe entledigt hatte.

In der sechsten Minute überstanden die Gäste ein Überzahlspiel der Bayreuther schadlos – und zeigten zwei Minuten später, wie es besser geht. Allerdings stand dem VER beim Treffer zum 0:1 auch das Glück ein wenig zur Seite. Mudryk schoss dem vor dem Tor postierten Piwowarczyk den Puck an die Wade, und von dort ging die Scheibe ins Netz. Nur eine Minute später hatten die rund 800 Selber Fans erneut Grund zum Jubeln. Moosberger zog aus dem Handgelenk ab und EHC-Keeper Bädermann sah ganz schlecht aus – 0:2. Nun war zunächst Stille unter den Bayreuther Anhängern. In der zwölften Minute versäumten es die Wölfe, in einem fast zweiminütigen 5:3-Überzahlspiel nachzulegen. Das rächte sich. Bayreuth bäumte sich auf und schlug zurück. In der 16. Minute pfiff Schiedsrichter Naust ein Tor von Wolsch wegen Torraumabseits noch zurück, wenige Sekunden später war es aber soweit. Gegen Kolozvarys mächtigen Schlagschuss war Suvelo machtlos. Und als erneut Kolozvary kurz vor der ersten Pause der Ausgleich gelang, war alles wieder auf Null gestellt.

Was sich im Mittelabschnitt abspielte, verschlug den Wölfe-Anhängern die Sprache. Der VER hatte durch Hendrikson zwar die erste gute Möglichkeit, in der Folge aber spielten sich die Tigers in einen Rausch und zogen auf 6:2 davon. Den Auftakt des Bayreuther Torreigens machte ausgerechnet der Ex-Selber Thielsch, der die Scheibe in der 29. Minute zum 3:2 in den Winkel hämmerte. Die Wölfe waren nun völlig von der Rolle, brachten keinen vernünftigen Spielaufbau mehr zustande und waren in der Defensive wie von allen guten Geistern verlassen. Die Waßmiller-Schützlinge nutzten ihren Freiraum aus. Vor allem einer war nicht zu stoppen: Kolozvary. Dessen Vorlage verwandelte Bartosch zum 4:2. Vier Minuten später durfte sich auch Dam erstmals in die Bayreuther Torschützenliste eintragen, ehe Sekunden vor der zweiten Pause der Kopf der Tigers wieder selbst traf. Wie ein Schülerteam hatte der EHC seinen Gast bei diesem sechsten Treffer ausgespielt.

Mit Kümpel für Suvelo im Tor und wieder etwas mehr Konzentration starteten die Selber ins Schlussdrittel. Prompt traf Pauker zum 6:3. Es war nur ein kurzes Strohfeuer. Marsall stellte in der 51. Minute den alten Abstand wieder her, Mudryk sorgte für Ergebniskorrektur. In der Folge taten sich beide Teams nicht mehr sonderlich weh. Selb war bemüht, Bayreuth hatte genug. Und die Fans beider Lager feierten nur noch. Die EHC-Anhänger ihr Team, die VER-Fans sich selbst. Andreas Pöhner

Die Stimmen der Trainer:

Cory Holden (VER Selb): „Derbyspiele sind immer sehr hart und intensiv. In Bayreuth ist es auch immer schwierig zu gewinnen. Dabei haben wir sehr gut begonnen mit der 2:0-Führung. Es fehlt aber noch, 60 Minuten konzentriert zu bleiben. Wir haben nach dem Ausgleich komplett unseren Spielplan verloren und waren nicht mehr kompakt gestanden. Wenn man nicht hundertprozentig bei der Sache ist, gewinnt man nirgends. Nach dem 2:0 hatten wir ja sogar das 3:0 auf dem Schläger, kassieren aber im Gegenzug das 2:1. So ist Eishockey. Aber wir haben schon oft bewiesen, dass wir es besser können als heute. Wir müssen jetzt einen Neustart machen am nächsten Wochenende.“

Sergej Waßmiller (EHC Bayreuth): „Ich bin heute unheimlich erleichtert. Endlich haben wir wieder mal den VER Selb geschlagen. Darauf wirst du in der ganzen Stadt angesprochen. Wir waren in den ersten zehn Minuten zu langsam und nicht aggressiv genug. Da war Selb die bessere Mannschaft. Danach sind wir aufgewacht, haben mehr investiert und das Spiel gedreht. Im zweiten Drittel waren wir deutlich besser, waren schneller. Wir haben den Zug zum Tor gesucht und gefunden. Danach war das Spiel vorbei und das Schlussdrittel etwas langweilig. Meine Mannschaft hat sich endlich mal für ihre Arbeit belohnt. Wir haben dieses Derby absolut verdient gewonnen. Punkt.“


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