Am Aschermittwoch ist für Erding alles vorbeiErding – Selb 1:4

Am Aschermittwoch ist für Erding alles vorbeiAm Aschermittwoch ist für Erding alles vorbei
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Ein Blick auf die Spielerlisten beider Teams verriet, dass das ohnehin ungleiche Duell der Kontrahenten nicht eben ausgewogener werden sollte: Während die Fichtelgebirgler lediglich auf Verteidiger Ronny Schneider aus beruflichen Gründen verzichten mussten, fehlten den Altbayern mit Christopher Cahill und Alexander Gantschnig weiterhin ihre Top-Torjäger und Überzahl-Spezialisten verletzungsbedingt. Zudem mussten sie nach wie vor auf Christian Poetzel sowie, seit der letzten Begegnung, auch auf Verteidiger Michael Trox verzichten.

Unter den Augen von DEB-Ligenleiter Oliver Seeliger entsponn sich so ein Spiel, in dem die Hausherren zwar tapfer ihre Chancen suchten, die sich ihnen insbesondere durch zu viele unnötige Strafzeiten der Gäste auch immer wieder boten, in dem sie aber der individuellen Klasse ihrer Kontrahenten letztlich nichts entgegen zu setzen hatten. Immerhin konnten sie 37 Sekunden Unterzahlspiel zu Beginn schadlos überstehen, bis Jared Mudryk für zahlenmäßigen Ausgleich sorgte. Fast eine Minute doppelter Überzahl vermochten die Gladiatoren zur Mitte des Anfangsdrittels aber nicht zu nutzen. Wie es besser geht, zeigten die Porzellanstädter kurz vor der ersten Pause: Nach nur sechs Sekunden numerischer Überlegenheit fälschte Kyle Piwowarczyk einen Schlagschuss Christopher Schadewaldts von der linken blauen Linienseite entscheidend in den Fanghandwinkel des starken Timon Ewert im Erdinger Gehäuse zur Führung ab.

Gleich dreimal bot Selb den Gladiators im zweiten Spielabschnitt Gelegenheit, es ihnen gleich zu tun - mehr als ein Pfostentreffer von Bernd Rische im ersten Powerplay und eine von Brandon Nunn, frei im Slot stehend, nicht getroffene Scheibe im zweiten sprangen dabei aber nicht heraus. Über ein vermeintliches Halten während des dritten Versuchs beschwerte sich Youngster Florian Zimmermann derart vehement, dass er zehn Minuten Gelegenheit bekam, auf der Strafbank über sein Verhalten nachzudenken. Die dadurch herbeigeführte Unruhe nutzten die Wölfe umgehend zum zweiten Treffer, wiederum durch einen Schlagschuss von der linken Bande der blauen Angriffslinie, der diesmal direkt den Weg durch Ewerts „Hosenträger“ fand – dessen einziger Fehler. Erdings Coach John Samanski haderte später ein wenig mit dem beschriebenen Pfostenschuss: „Wenn wir da den Ausgleich machen, wer weiß, wie das Spiel dann verlaufen wäre.“

Letztlich waren seine Grün-Weißen aber zu harmlos: Immer wieder rannten Sie bei Überzahl in eine Wölfe-Wand kurz hinter der Angriffslinie und mußten prompt wieder zurück, um vom eigenen Tor erneut Anlauf zu nehmen. Dies taten sie „mit großer Moral“, wie Selbs Coach Cory Holden anschließend mit Respekt unterstrich. Zählbares kam dabei aber nicht heraus. Wie es besser geht, zeigten die Wölfe wiederum in ihrem dritten Überzahlspiel. Diesmal benötigten sie allerdings 26 Sekunden, um durch einen Nachschuss vor dem Tor den dritten Treffer zu markieren. Je eine weitere zahlenmäßige Überlegenheit ließen beide Teams verstreichen, bis Daniel Krzizok mit einer vehementen Einzelleistung den Puck hinter dem glänzend von Marko Suvelo gehüteten Wölfe-Gehäuse aufnahm, vor dasselbe trug und dem gebürtigen Finnen durch die Beine zum Anschlusstreffer schob. Spannung sollte so noch einmal aufkommen, doch bereitete Travis Martell nach einem 2-1-Konter jeglichen Hoffnungen der Hausherren ein Ende, als er mit der Hartgummischeibe ins verwaiste Tor der Gladiatoren lief.

Routiniert brachten die Wölfe ihre Beute nach Hause, ohne dabei zu glänzen. „Wir müssen uns in allen Bereichen um 10 Prozent steigern“, verriet Holden anschließend die Entwicklungsaufgabe seines Teams, „auch in punkto Disziplin!“ Erding wurde als erstes Oberligateam in die Sommerpause geschickt und konnte dennoch feiern: die beste Platzierung und die erstmalige Playoff-Teilnahme seit dem Wiederaufstieg vor zwei Jahren wurde geschafft. Das Team besitzt mit seinem Trainer Perspektiven. Die Fans belohnten diese Leistungen mit einem nimmermüden Klangteppich bis nach Spielschluss. Timo Ewert, der erst durch eine Krankheit von Stammkeeper Patrick Ashton zu den Viertelfinalspielen zwischen die Pfosten rutschte, wurde als bester Erdinger Spieler der Serie geehrt, ebenso wie sein Gegenüber Suvelo auf Selber Seite. Und schließlich feierte Gladiators-Chef Bernd Karbach unter dem Beifall der Fans seinen 50. Geburtstag. – Auf ein Neues im nächsten Jahr, Erding! Die Selber Wölfe wollen nun auch die Relegationsrunde zur DEL2 erreichen und „dann mit aller Kraft prüfen, ob ein eventueller Aufstieg wirtschaftlich gestemmt werden kann“, wie ihr zweiter Vorsitzender, Thomas Manzei, verriet.

Tore: 0:1 (19.) Piwowarczyk (Schadewaldt, Mudryk) 5-4, 0:2 (37.) Roos (Hördler, Piwowarczyk), 0:3 (46.) Schadewaldt (Mudryk, Geisberger) 5-4, 1:3 (56.) Krzizok (Brenninger, Rische), 1:4 (60.) Martell (Geisberger, Mudryk) 5-6 ENG

Strafen: Erding 8 + 10 Zimmermann, Selb 16
HSR: Hascher; LSR: Gazzo, Sauer
Zuschauer: 925