16 Mal in 24 Jahren - Als der EV Füssen das Maß aller Dinge warDenkwürdige Momente der Eishockeygeschichte

Ein Triumph von vielen - das Füssener Meisterteam von 1949 (Foto: EV Füssen)Ein Triumph von vielen - das Füssener Meisterteam von 1949 (Foto: EV Füssen)
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Eine Frage, die sich einfach beantworten lässt. Der EV Füssen beherrschte über einen Zeitraum von fast einer Generation das deutsche Eishockey, holte sich innerhalb von 24 Jahren 16 Titel und dazu noch fünf Vizemeisterschaften.

Bevor wir uns der goldenen Ära der Füssener widmen, springen wir zurück in das Jahr 1922. Die neue Sportart Eishockey wurde in Deutschland hauptsächlich im äußersten Süden und in Berlin gespielt. Im Januar des Jahres hatte der MTV München den Titel gegen den Berliner SC nach einem 1:0 (Tor: Adi Fischer, 1916-1949) gewonnen und ein Jahr später, am 16.01.1923, holte sich der Berliner SC den Titel zurück, als er im Stadtduell den SC Charlottenburg mit 3:2 bezwang. Vier Wochen vorher, am 11. Dezember 1922, wurde der EV Füssen im Hotel Sonne, das noch heute existiert, gegründet. Erster Vorsitzender bis 1930 war Hans Rüther. Und Hans Rüther hatte das Glück, dass die Füssener sofort den Eishockeysport für sich entdeckten. Vielleicht war auch der Grund der benachbarte SC Riessersee, der fast zeitgleich (1920) gegründet worden war und sich schnell eine Vormachtstellung in Bayern erarbeitet hatte. 1924 war es dann soweit und Füssen meldete eine Mannschaft, aber noch hatte Riessersee die Hosen an und ausgerechnet im Februar 1927 holte der SCR beim Finalturnieraustragenden EV Füssen seinen ersten Titel mit einem 2:1 nach doppelter Verlängerung gegen den SC Charlottenburg. Das motivierte den EVF, der bereits 1928 nach einem 4:1 gegen Preußen Berlin immerhin Dritter der deutschen Meisterschaft wurde. So ging es munter weiter. Einmal war der SCR besser, einmal der EVF und hier wurden die Grundlagen gelegt für den Siegeslauf in den fünfziger Jahren. Zuvor, als sich der zweite Weltkrieg dem Ende zuneigte, gelang dem EVF 1944 sogar noch ein vierter Platz.

Nur zwei Jahre nach Kriegsende ging es in Füssen wieder los und die Füssener hatten das Glück, dass einige der alten Kämpen sich bereit erklärten, Aufbauarbeit zu leisten. In erster Linie sind da die Brüder Leinweber zu nennen. Beide, Bruno als Verteidiger und Walter als Goalie, standen bereits 1930 auf dem Eis und sorgten dafür, dass ihr Verein 1948 in der Endrunde als Vizemeister die Ziellinie erreichte, lediglich geschlagen vom neuen Meister SC Riessersee und dem VfL Bad Nauheim. In der Folgezeit konnten immer mehr Talente in die erste Mannschaft gezogen werden und damit gab es auch die dringend erforderliche Verjüngung.

1948/49 war es dann endlich soweit. Der erste Titel wurde eingefahren. Das einzige Team, das in der Endrunde mithalten konnte, war Preußen Krefeld, der Rest nur Staffage. Bruno Leinweber hatte mittlerweile den Job gewechselt, war zum Trainer geworden und hatte Spieler in die Mannschaft gelotst wie z.B. Markus Egen, Fritz Poitsch und Xaver Unsinn, den späteren Bundestrainer. Aber noch war das Team für eine Siegesserie nicht bereit. Dem Titel folgte 1950 nur ein dritter Platz, aber in dieser Spielzeit schaffte der EV Füssen einen Rekord für die Ewigkeit. Im Spiel gegen den HC Augsburg gelang dem EVF der höchste Erstligasieg der Geschichte, ein 31:1 (3:0,12:1,16:0) und Fritz Poitsch erzielte in diesem Spiel sage und schreibe neun (!!!) Tore. Man muss allerdings fairerweise auch anmerken, dass die Augsburger nur mit sechs (!) Spielern angetreten waren – heutzutage unvorstellbar.

Nach dem Vizetitel (1951) wurde es 1952 sogar nur noch Platz vier. Ganz besonders schmerzte in der Saison 1951/52 dabei das 2:10 auf eigenem Eis gegen den ewigen Rivalen Riessersee in der Vorrunde, aber immerhin konnte der Titelverteidiger Preußen Krefeld im eigenen Stadion am Kobelhang vor fast 15.000 Zuschauern mit 7:3 bezwungen werden. Besser machte es der Krefelder EV, der gegen den EV Füssen mit 6:4 und 6:5 gewann und mit dieser vollen Punktzahl das Entscheidungsspiel gegen Riessersee am 12.03.1952 erreichte, wo er mit 6:4 siegreich blieb. Der KEV war somit der letzte deutsche Meister in der Oberliga außerhalb von Füssen.

Das musste sich ändern, und das Grundgerüst der Mannschaft stand bereits. Im Tor schon seit 1949 Wilhelm Bechler. Sein Back-Up war Karl Fischer. In der Verteidigung der eisenharte bayrische „Kanadier“ Paul Ambros, zusammen mit Martin Beck und Ernst Eggerbauer. Im Sturm brillierten Markus Egen, Georg Guggemos, Oswald Huber, Fritz Kleber, Ludwig Kuhn, Kurt Sepp und natürlich Xaver Unsinn. Nachdem Bruno Leinweber zuerst als Spielertrainer, später nur noch Trainer von 1932 bis 1952, den EVF trainierte, wurde es jetzt richtig professionell, sprich international. Aus Schweden kam der 1915 in Ottawa geborene Frank Trottier, der 1950 sogar die schwedische Nationalmannschaft trainiert hatte. Trottier führte professionelles Training a la Canada in Füssen ein und die Cracks des EVF nannten seine Einheiten nicht umsonst „Training bei des Teufels Großmutter“.

Der Erfolg stellte sich sofort ein und die Konkurrenz bekam es mit der Angst zu tun. Lediglich die Garmischer hielten mit, brachten dem EVF mit zwei 5:5-Unentschieden die einzigen Minuspunkte der Saison bei. Dummerweise unterlagen die Werdenfelser im Laufe der Spielzeit beim VfL Bad Nauheim mit 1:4 und da sich die wie im Rausch befindlichen Füssener keinen Fauxpas erlaubten, ging der Meistertitel zum zweiten Mal nach Füssen. Wie überlegen Füssen war, zeigte das 10:1 gegen Bad Tölz, das 10:2 bei der DEG und der Ex-Meister aus Krefeld, die Preußen, wurden gar mit einem 26:0 aus dem offenen Eisstadion gejagt.

Zur Saison 1953/54 wagten die Füssener ein Experiment, auf das heute kein Vorstand käme: Sie übernahmen das komplette Team der Vorsaison. Keine Zugänge, keine Abgänge. Das Ergebnis ist bekannt. Wieder stand am Ende Platz eins, diesmal mit fünf Punkten Vorsprung vor dem überraschend stark auftretenden Krefelder EV. Der KEV, der u.a. mit den Torlegenden Ulrich Jansen (von 1947 bis 1973 beim KEV) und Hans-Richard Obermann, den Verteidigern Karl Bierschel und Heinz Dohr und den Stürmern Bruno Guttowski, Eriks Koneckis, Hans-Werner Münstermann und Rudolfs Weide antrat, brachte den Füssenern die einzige Niederlage bei, die mit einem 14:4 auch recht deftig ausfiel. Das Rückspiel gewann der EVF mit 3:0, aber die Füssener brauchten keine Angst zu haben, denn die Krefelder leisteten sich einige unnötige Punktverluste, sodass die Meisterschaft nie wirklich in Frage stand.

1955 gab es wieder keinen Abgang, dafür mit Eigengewächs Max Pfefferle einen neuen talentierten Stürmer. Selbstredend, dass sich der neue Mann sofort einfügte und trotzdem, die Saison verlief spannender als sich die Füssener es wünschten, obwohl man ungeschlagen blieb. Der KEV war am Ball und am Ende betrug der Vorsprung nur drei Punkte. Ein ganz dicker Dank ging dabei an die Werdenfelser Nachbarschaft, denn diese hatten dem KEV mit 5:3 und 3:2 alle möglichen Punkte abgeluchst und damit praktisch die Meisterschaft zugunsten des EVF entschieden. Die Füssener selbst kamen gegen den KEV (5:5,4:4) zu keinem Erfolg, ließen sich aber nur noch von Bad Tölz beim 4:4 überraschen.

Personell gab es auch 1956 nicht viel zu berichten. Kuhn beendete seine Karriere, Kleber und Huber machten je ein Jahr Pause, dafür tauchten die späteren Stars Ernst Trautwein und Siegfried Schubert sowie noch Oskar Mayrhans und Walter Krötz auf. Diese Auffrischung war wichtig, denn in dieser Spielzeit wurde es noch spannender, auch dank des wiedererstarkten SC Riessersees. Beide Teams schenkten sich nichts, gewannen jeweils ihr Heimspiel – Füssen mit 5:4, Riessersee mit 5:2. Danach luden die EVF-Kanoniere wieder nach, schossen die DEG mit 17:0 und Preußen Krefeld mit 22:1 ab, ließen sich aber vom Krefelder EV mit 5:7, und das auch noch am Kobelhang, überraschen, während der SCR in Bad Tölz beim 3:7 einmal nicht konzentriert war. Es kam zum Entscheidungsspiel und das gewann in Bad Tölz der EVF mit 4:2 (1:1,3:1,0:0).

Nach vier Titeln war zumindest der Trophäenhunger vom Meistertrainer gestillt und ein neuer Mann übernahm an der Bande. Bruno Leinweber, 1953 Vater der deutschen WM-Silbermedaille, übernahm die Leitung am Kobelhang und führte sein Team zur fünften Meisterschaft in Folge, die allerdings schwer umkämpft war. Um die Füssener Vorherrschaft zu brechen, war die Liga geteilt worden. Im Norden beherrschte zunächst Bad Nauheim das Geschehen, im Süden das Dreigestirn aus Riessersee, Füssen und Bad Tölz, wobei der EVF die Ziellinie nur als Zweiter überquerte. Ausschlaggebend war dabei nicht das Desaster von Garmisch, als es im Olympia-Stadion ein 2:11 gab, sondern das 2:3 auf eigenem Terrain. Das nagte am Nervenkostüm und die Füssener schlugen in der Endrunde zurück, als gegen den Erzrivalen mit 5:2 und 5:3 gleich zwei Siege gelangen. Damit war die Meisterschaft entschieden, da sich der EVF nur in Bad Tölz (1:1) mit einem Punkt zufriedengeben musste.

Bruno Leinweber hatte zwar Erfolg, verließ aber nach nur einem Jahr wieder den EVF und als Nachfolger wurde 1957 Markus Egen verpflichtet. Die Besonderheit bei der Verpflichtung war, dass Egen als Spielertrainer fungierte und natürlich über den benötigten Stallgeruch verfügte, wusste, wie er die Mannschaft ansprechen musste und hatte mit seinen Methoden sofort Erfolg. Allerdings gab es für den EVF ein „deja-vu“, denn wieder hatte der SCR in der Vorrunde die Hosen an, gewann auch gegen Füssen beide Spiele (4:3, 5:3) und war am Ende verlustpunktfrei. In der Endrunde zeigten sich dann die Füssener wieder von ihrer Schokoladenseite. Lediglich beim Krefelder EV (2:2) und in Riessersee (2:4) gab es keine Siege, ansonsten wurde die Runde beherrscht und am Ende hatte man vier Punkte Vorsprung auf Riessersee.  

Auch die Saison 1958/59 begann mit einer Besonderheit, gar einer Überraschung. Erstmals nannte sich im deutschen Sportgeschehen eine erste Liga „Bundesliga“. Andere Ligen wie beispielsweise der Fussball folgten dem Beispiel erst 1963. Und gleichzeitig wurde die vorher geteilte Liga wieder zusammengefügt und damit die Spieler nicht überlastet werden, reichten diesmal ganze 14 Spiele für den Titel. Füssen gewann davon alleine zwölf. Ein 1:1 am Kobelhang gegen Riessersee und ein 4:4, ebenfalls in Füssen gegen den Krefelder EV, waren die einzigen Punktverluste. Auswärts wurden alle Begegnungen gewonnen, das Rekordergebnis war diesmal ein 20:1 gegen den späteren Absteiger DEG. Mit diesem Titel endete kurzfristig die Dominanz des EV Füssen. 1960 holte sich mal wieder Riessersee den Titel und danach wechselten sich der SCR, Bad Tölz und eben auch Füssen ab, ehe sich ab 1967 mit der DEG die Kraft aus dem Westen empor schob und sich die Kräfteverhältnisse verlagerten.

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