Stürmische Tage am Pferdeturm

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Lesedauer: ca. 3 Minuten

Das die Zeiten am Pferdeturm in den nächsten Tagen so

stürmisch werden würden wie es ein Herbst sein, daran dachte zu Saisonbeginn in

Hannover niemand. Doch nach der heutigen 3:5 Heimniederlage gegen den SC

Riessersee könnten die nächsten Tage und auch Wochen heftig werden.

Das Spiel: Wüßte

man es nicht besser, so hätte man nach gespielten 94 Sekunden denken können das

der Altmeister ein Heimspiel hat und der ECH den ganzen Tag einmal durch

Deutschland gefahren sei. Benedikt Schennach in Überzahl (1:16) und Michael

Rimbeck (1:34) sorgten mit ihrem Doppelschlag zu Beginn der Partie quasi schon

für die Entscheidung. Die Gäste frisch, fromm, fröhlich, frei - der Gastgeber

mit schweren Beinen und gedanklich noch nicht auf dem Eis.
Durch den heutigen Einsatz von Förderlizenzspieler Tim

Schneider aus Wolfsburg, tauschte Indians-Coach Greg Thomson seine

Defensivreihen durch. Schlimmer hätte es für den Mann aus der VW-Stadt bei

seinem Punktspieldebüt im Indians-Trikot nicht kommen können. Sein erster

Körpereinsatz mündete in eine Zwei-Minuten-Strafe, die wie schon erwähnt zur

Gästeführung führte. Danach die Großstadtindianer sowas von verunsichert,

Rimbeck stocherte zum 2:0 am zu Beginn ungewohnt unsicheren Roman Kondelik

vorbei. Die Indians antworteten mit trotzigen Angriffen und zeigten das sie

gewillt waren die Anfangssekunden vergessen zu machen. Jordan Webb konnte, nach

einem Paß von Jan Welke, einen Alleingang in der dritten Minute nicht

verwerten, ehe Markus Rohde aus kurzer Distanz zum 1:2 verkürzen konnte (5.).

Dachten und hofften danach viele Fans, dass wäre das Signal zur Aufholjagd, so

wurden diese bitter enttäuscht. Die Folgezeit zeigte, woran es dem ECH zur Zeit

fehlt. Die Abwehr komplett von der Rolle, die Stürmer bemüht nach vorne was zu

bewegen, verzetteln sich aber häufig in Einzelaktionen und können die Bolzen

ihren Defensivkollegen nicht immer ausbügeln. Beispielhaft die Entstehung zum

1:3 aus Sicht der Heimmannschaft. Der Puck konnte nicht aus dem eigenen Drittel

gespielt werden, es herrschten zum Teil chaotische Zustände im

Verteidigungsdrittel. Das Marco Ludwig artig Danke in Form des dritten Treffers

sagte, war einer Spitzenmannschaft würdig. Letztmals berechtigte Hoffnungen auf

eine Wende im Spiel, hatten die Indians-Anhänger nach 14 Minuten. Tyler Butler

erzielte den erneuten Anschlusstreffer, den Jan Welke per Hackentrick zur

Entzückung der Kulisse vorbereitete. Das Butler wenig später mit einem

„Traumpaß“  Ex-ECH Spieler Markus

Bleicher zum 2:4 einlud – bezeichnend.

Danny Reiss nahm mit Beginn des Mittelabschnittes die

Position des, seit Saisonbeginn, vollkommen indisponierten Alexander Schuster

ein. Aber auch er zeigte warum ihn sein Trainer auf der Bank ließ. Die

Bestätigung lieferte er in der 37. Minute. Seinen Puckverlust nutzte Jade

Galbraith zum fünften Gästetreffer. Wie sehr die Indians-Akteure gefrustet

waren, zeigte Jordan Webb. Nach einem bösen Check vom Neuzugang aus Landsberg

musste Gästeverteidiger Josef Frank vom Eis geholfen werden, und kam wie zu zuvor

Petr Sikora verletzungsbedingt nicht mehr zum Einsatz.

Die schon vor Spielbeginn dezimierten Werdenfelser

überstanden mit nun acht Juniorenspielern auch den Schlussabschnitt. Zwar

konnte nach 40:26 Kyle Doyle verkürzen, doch sollte das der letzte Höhepunkt in

dieser Partie gewesen sein. Indians-Trainer Thomson brachte zum letzten Drittel

Alexander Enns, tauschte komplett seine Sturmreihen durch, doch ohne Erfolg.

Zwar hatten Lehmann (46.) und Webb (50., 51.) die Chance zu weiteren Treffern,

doch wäre es heute unverdient für den ECH gewesen. Die letzten Minuten

verstrichen beinahe von den Fans Ignorierend, diese wachten jedoch zum Ende

auf. Die Folge waren ein gellendes Pfeifkonzert, vereinzelte „Thomson raus“

Rufe, sowie ein Abfeiern des Gastes mit der Aufforderung zur Welle.

Am Rande: Das

nach der Partie im Indians-Lager allgemeine Ratlosigkeit und Enttäuschung

herrschte, dürfte nach zwei Heimniederlagen und den dazu entsprechenden

Darbietungen klar sein. Greg Thomson benutzte auf der Pressekonferenz klare

Worte. „...Ich kann die pfeifenden Fans verstehen. Hätte ich heute Eintritt

bezahlt, hätte ich auch gepfiffen. Ich muss wohl in der nächsten Woche ein paar

Leuten in den Arsch treten. Die Spieler kriegen hier alles, also ist auch zu

erwarten das sie auch alles geben.“ Auch erteilte Indians-Geschäftsfüher Horst

Werk etwaigen Diskussionen um seinen Trainer eine Abfuhr. „Zwischen dem Trainer

und mir passt kein Blatt Papier.“  

 

Statistik: 0:1

(1:16) Schennach (Mayr, Paderhuber) 5-4; 0:2 (1:34) Rimbeck; 1:2 (4:57) Rohde

(Doyle, Chamberlain); 1:3 (8:32) Ludwig (Self) 4-4; 2:3 (13:59) Butler (Welke,

Meyer); 2:4 (16:34) Bleicher (Buchwieser) 4-4; 2:5 (36:29) Galbraith (Self,

Ludwig); 3:5 (40:26) Doyle (Chamberlain)

Strafen: Hannover 14 – Riessersee 18

Schiedsrichter: Kleiner (Bremen)

Zuschauer: 2712

 

Jens Wilke

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