Schallende Ohrfeige für die Wizards in Hügelsheim

Wizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der SonneWizards stürzen Tabellenführer München vom Platz an der Sonne
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Der Start ins Derbywochenende ist den Stuttgart Wizards nach einer unnötigen 4:6 (0:1, 3:1, 1:4)-Niederlage am Freitagabend beim ESV Hügelsheim gründlich misslungen. Dabei lief für den Eishockey-Oberligisten bis zur 41. Minute alles nach Plan, lagen die Zauberer 4:2 in Front. Dann jedoch wurden sie in der Abwehr zu nachlässig und brachten die Hornets so wieder ins Spiel, die die Geschenke dankbar annahmen und mit vier Treffern innerhalb von sechs Minuten noch auf die Siegerstraße einbogen. „Wir haben heute fahrlässig drei Punkte und somit eine glänzende Ausgangsposition für die nächsten Spiele verschenkt“, ärgerte sich Stuttgarts Coach Wilbert Duszenko nach der Pleite. Am Sonntag (10.10.2004, 18.45 Uhr, Eissport-Zentrum Waldau Stuttgart) ist für die Württemberger Wiedergutmachung angesagt, um im Vorderfeld der Tabelle dabei bleiben zu können. „Gegen Heilbronn wird es zwar sehr schwer, doch jeder weiß, worum es für uns in dem Derby geht. Wir werden unsere Schlüsse aus dem verlorenen Match in Hügelsheim ziehen und wollen mit einer kämpferisch starken Leistung die Punkte in Stuttgart behalten“, kündigte Wilbert Duszenko vor der Partie gegen den Zweitliga-Absteiger an.



In der Baden-Airpark-Eisarena in Hügelsheim bot sich den Zuschauern im ersten Durchgang eine recht zerfahrene Partie. Die Wizards fanden nicht zu ihrem Spiel und auch Hügelsheim hatte nur wenige Chancen in den ersten 20 Minuten. Eine davon nutzte Abwehrspieler David Lizotte jedoch in der 16. Minute im Powerplay zur Führung für die engagierten Hausherren.



Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs war Hügelsheim die aktivere Mannschaft, Tore erzielten zunächst jedoch die Wizards. John Sicinski gelang in der 23. Minute in Überzahl der Ausgleich. Die Freude auf Seiten der Blau-Gelben hielt jedoch nur ganze 59 Sekunden, ehe Hügelsheims Crispin Heringer nach einem Missverständnis in der Stuttgarter Abwehr am schnellsten schaltete und in Unterzahl die neuerliche Führung markierte (24.). Die Gäste aus Stuttgart hatten erneut die richtige Antwort parat und glichen nur kurze Zeit später durch Andres Klundt – wiederum mit einem Mann mehr auf dem Eis – abermals aus: 2:2 (25.). In der Folgezeit blieb die Partie zerfahren, zwingende Chancen waren auf beiden Seiten Mangelware. Kurz vor Ende des Mitteldrittels durften die Wizards noch einmal jubeln, als Jay Woodcroft einen schnellen Konter über Christian Seeberger und John Sicinski erfolgreich zur erstmaligen Stuttgarter Führung abschloss (40.).



Im letzten Drittel hatten die Gäste die Hausherren zunächst gut im Griff und legten durch John Sicinski nur 55 Sekunden nach Wiederanpfiff das 4:2 nach (41.). Nun schien die Partie gelaufen zu sein. Das dachten wohl auch die Spieler der Wizards, die im trügerischen Gefühl des sicheren Sieges ihre defensive Marschroute aufgaben und stattdessen weiter offensiv agierten. Dies sollte sich als Spiel entscheidender Fehler entpuppen, denn Hügelsheim hatte plötzlich sehr viel Raum, den die Hornets geschickt zu nutzen wussten. „Zu Beginn des letzten Drittels wurden wir einfach zu nachlässig. Statt weiter defensiv und einfach zu spielen, wollte jeder offensiv zaubern“, bemängelte Wilbert Duszenko nach Spielende die Einstellung seines Teams, das sich durch diese Nachlässigkeiten selbst um den Erfolg und Hügelsheim zurück in die Partie brachte. Hornets-Stürmer Tom Herman gelang nach 48 Minuten das 4:3, und spätestens mit dem 4:4 von Crispin Heringer in doppelter Überzahl nur 94 Sekunden später war das Match endgültig zu Gunsten der Hausherren gekippt (49.). Die zeigten nun tolle Moral und bekamen Oberwasser, während die Wizards noch immer paralysiert und pomadig wirkten.

Hügelsheim legte noch einen Zahn zu und kam nach exakt 53 Minuten zur erneuten Führung durch Blaine Bablitz. Vorausgegangen war ein haarsträubender Fehler der Stuttgarter Abwehr, so dass Bablitz Wizards-Keeper Tyrone Garner, der nicht seinen besten Tag hatte, aus kürzester Distanz problemlos überwinden konnte.


In den verbleibenden Minuten versuchten die Wizards zwar noch einmal alles, um ins Spiel zurück zu finden, doch sie hatten nichts mehr zuzusetzen und kamen zu keinen zwingenden Chancen. Symptomatisch für die Partie der Blau-Gelben war der sechste Treffer der Hornets durch Tom Herman ins verwaiste Stuttgarter Tor, als die Scheibe zunächst vom Schlittschuh von Wizard Christian Seeberger gestoppt wurde, von dort abprallte und doch noch mit letzter Kraft den Weg ins Netz fand. Dies war 36 Sekunden vor Ende zugleich der Schlusspunkt unter die bislang schwächste Stuttgarter Saisonleistung und eine unnötige, aber verdiente Niederlage, da die Mannschaft nach dem Zwei-Tore-Vorsprung schlicht zu offensiv agierte.


So sah es auch Stuttgarts Trainer Wilbert Duszenko auf der Pressekonferenz nach Spielende: „Wir konnten schon im ersten Drittel nicht die Leistung abrufen, die wir in den letzten beiden erfolgreichen Auswärtsspielen gezeigt haben. Glücklicherweise sind die Tore für uns immer zum richtigen Zeitpunkt gefallen, so dass wir im Spiel geblieben sind. Nach dem 4:2 haben wir allerdings das getan, was eine Mannschaft, die vorne mitmischen will, auswärts nicht tun darf: Wir haben aufgehört, defensiv zu arbeiten und wollten nur noch offensiv glänzen. Zudem haben wir uns durch unnötige Strafen das Leben weiter schwer gemacht. Dafür sind wir heute eiskalt bestraft worden. Diese Lektion ist hart, aber für den einen oder anderen womöglich ganz hilfreich, damit insbesondere meine Leistungsträger, die alle Gegentore kassiert haben, begreifen, wie erfolgreiches Eishockey funktioniert – über die Defensive“, fand Duszenko deutliche Worte und erkannte den Sieg der Hornets neidlos an: „Gratulation an Hügelsheim, die Hornets haben das gespielt, was sie können und wir haben zurecht verloren.“


Voll des Lobes war hingegen Danilo Valenti, Trainer des ESV Hügelsheim, über seine Mannschaft: „Das Team hat unglaubliche Moral bewiesen und super gekämpft. Wir waren im ersten Drittel überlegen, konnten aber nicht mehr als einen Treffer erzielen. Nach dem 2:4 hätte das Spiel eigentlich entschieden sein müssen, doch durch die Stuttgarter Nachlässigkeiten haben wir die Partie glücklicherweise noch einmal drehen können. Man hat heute gesehen, dass unsere jungen Spieler alles für den Erfolg des Teams geben – dafür ein großes Kompliment an die Mannschaft“, so der Übungsleiter.


Die Wizards erwartet nun eine schwere Aufgabe, um die Niederlage in Hügelsheim wieder auszumerzen. Am Sonntag, 10.10.2004, 18.45 Uhr, steht gegen die Heilbronner Falken bereits das nächste Derby im Eissport-Zentrum Waldau in Stuttgart-Degerloch auf dem Programm. „Vor heimischer Kulisse ist jedes Team unter Zugzwang. Wer an einem Wochenende nicht punktet, rutscht ganz schnell in der Tabelle nach hinten. Wir wissen, worum es geht und wollen das natürlich vermeiden. Dies wird gegen die starken Heilbronner zwar alles andere als einfach, doch wir werden die richtigen Lehren aus der Niederlage in Hügelsheim ziehen und mit einer starken Defensive 60 Minuten lang um jeden Zentimeter Eis kämpfen. So haben wir gute Chancen auf einen Sieg – und das ist natürlich unser Ziel“, blickt Wizards-Coach Wilbert Duszenko auf das Nachbarschaftsduell voraus.



ESV Hügelsheim – Stuttgart Wizards 6:4 (1:0, 1:3, 4:1)


Tore: 1:0 (15:41) David Lizotte (Tom Herman, Crispin Heringer) 5-4, 1:1 (22:52) John Sicinski (Peter Westerkamp, Andreas Klundt) 5-4, 2:1 (23:41) Crispin Heringer (David Lizotte) 4-5, 2:2 (24:39) Andreas Klundt (Jay Woodcroft, John Sicinski) 5-4, 2:3 (39:15) Jay Woodcroft (John Sicinski, Christian Seeberger), 2:4 (40:55) John Sicinski (Jay Woodcroft, Peter Westerkamp)

5-4, 3:4 (47:09) Tom Herman (Blaine Bablitz), 4:4 (48:43) Crispin Heringer (David Lizotte)

5-3, 5:4 (53:00) Blaine Bablitz (Tyler Kuntz), 6:4 (59:24) Tom Herman 5-6 ENG

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