Rückblick auf eine durchwachsene EVR-Saison

Andreas Dörfler applaudiert nach dem Play-off-Aus gegen Bad Tölz in Richtung des Regensburger Fanblocks. (Foto: Ed Cornejo - www.stock4press.de)Andreas Dörfler applaudiert nach dem Play-off-Aus gegen Bad Tölz in Richtung des Regensburger Fanblocks. (Foto: Ed Cornejo - www.stock4press.de)
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Aufgrund einiger Baustellen im Team und einer oftmals gut gefüllten Verletztenliste mussten die Regensburger lange Zeit auf den möglichen Abstiegsrängen verweilen und lediglich die unverhoffte Rückkehr von Sven Gerike und Martin Ancicka und der damit verbundene Aufschwung in der gesamten Mannschaft sicherte dem EVR auf den letzten Drücker das Saisonziel.

So wird der Kader im kommenden Jahr punktuell verstärkt werden müssen, um zumindest im Mittelfeld der Oberliga eine entscheidende Rolle zu spielen. Hierbei darf die Einbindung des eigenen Nachwuchses natürlich nicht vergessen werden. Das Publikum wird das Team dabei sicherlich unterstützen, denn selbst nach teilweise haarsträubenden Heimauftritten konnten die Regensburger durchschnittlich über 2000 Zuschauer in der Donau Arena begrüßen.

Bei den kommenden Kaderplanungen wird ein Hauptaugenmerk wohl auf der Besetzung der Torhüterposition liegen. So gehörten Bastian Niedermeier und Jonas Leserer in den vergangenen beiden Spielzeiten zwar zu den Hauptgaranten für den Aufstieg von der Landesliga in die Oberliga, konnten in der abgelaufenen Runde allerdings keine konstanten Leistungen mehr abrufen. Zu Saisonbeginn hatte zunächst noch Jonas Leserer die Nase vorn, wurde jedoch nach einigen schwächeren Auftritten immer öfter durch Bastian Niedermeier ersetzt. Auch dessen Leistungen schwankten stark und es verging kaum eine Woche, in der das Regensburger Torhütergespann von Kritik verschont blieb.

Auch die Leistung der beiden Regensburger Kontingentspieler zauberte eher Sorgenfalten, denn Euphorie in die Gesichter von Fans und Verantwortlichen. Mit John Sicinski wollte man auf Nummer sicher gehen, zumal der Kanadier bereits seit mehr als einem Jahrzehnt in den unterklassigen deutschen Ligen zu den besten seines Faches gehörte. Der Eishockeygott schien es jedoch nicht gut mit den Regensburgern zu meinen. So verletzte sich Sicinski vor Saisonbeginn schwer und verpasste somit das komplette Vorbereitungsprogramm. Von diesem Rückschlag sollte sich der inzwischen 37-jährige aber nicht mehr erholen. Erst in den Playoffs löste sich gemächlich der Knoten und besonders das letzte Heimspiel gegen den EC Bad Tölz nährt die Hoffnungen des Regensburger Anhangs im Hinblick auf die Zukunft. Der selbstkritische Sicinski, der auch einen Vertrag für die kommende Spielzeit besitzt, sprühte plötzlich vor Spielfreude und wird sicherlich alles daran setzen, diese enttäuschende Saison wieder wett zu machen.

Jeff White konnte die in ihn gesetzten Erwartungen ebenfalls nur bedingt erfüllen. Nach dem kurzfristigen Abgang von Kristoffer Bäckström erklärte sich der Offensivverteidiger dazu bereit, dem EV Regensburg in dieser schwierigen Situation zu helfen. Es schien so, als hätten die Regensburger einen adäquaten Ersatz für den launischen Schweden gefunden, doch nach ordentlichen Leistungen zu Saisonbeginn fiel White in ein tiefes Loch. Der 34-jährige hatte große Probleme mit dem Tempo der Oberliga und wurde zeitweise nur noch als Stürmer aufgestellt. White blieb bis zum Saisonende blass und eine weitere Spielzeit im Regensburger Dress scheint ausgeschlossen.

Auch die jungen Regensburger Stürmer stagnierten plötzlich in ihren Leistungen und schienen zum Teil endgültig an die sportlichen Grenzen zu stoßen. So gelang es keinem Offensivakteur unter 25 Jahren die Zehn-Tore-Marke zu knacken, auch wenn der über weite Strecken gut agierende Mario Dörfler nur knapp an dieser Hürde scheiterte. Die Hauptlast im Sturm lag also weiterhin auf den Schultern der Routiniers und besonders einer konnte im Karriereherbst nochmals voll überzeugen.

Was wären die Regensburger ohne Thomas Daffner? Der fast 40-jährige Ex-Nationalspieler schaffte die Umstellung auf die Oberliga beinahe problemlos und wurde erneut zum Regensburger Topscorer. Daffner brillierte durch vorbildlichen Einsatz und ging bei seinen Auftritten häufig über die persönliche Schmerzgrenze hinaus. Ob der Publikumsliebling nochmals eine weitere Spielzeit dranhängen wird, bleibt zwar fraglich, wäre aus sportlicher Sicht aber immens wichtig für den EVR.

Ähnliches trifft auch auf Sven Gerike zu. Nach vielen schwachen Auftritten der Regensburger, entschloss sich der 34-jährige EVR-Trainer zu einem spontanen Comeback auf der Eisfläche. Wie wichtig Gerike für die Mannschaft sein sollte, wird bei einem Blick auf die interne Scorerliste sofort klar. Trotz zahlreicher Verletzungen in der Vergangenheit, fand Gerike schnell zu alter Leistungsstärke zurück und das Regensburger Publikum wäre sicher froh, wenn der sympathische Stürmer auch im kommenden Jahr aktiv ins Spielgeschehen eingreifen würde.

Kapitän Andreas Dörfler war die Gesundheit in der aktuellen Saison ebenfalls nicht hold und so konnte der Stürmer erst zu Saisonende sein wahres Potential ausschöpfen. Dabei arbeitete der 26-jährige gewohnt solide und dürfte auch im kommenden Jahr im Regensburger Trikot auflaufen.

Auch auf die Dienste von Josef Menauer konnte man sich stets verlassen. Genau wie Andreas Dörfler hatte auch er mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und wird mit seiner Punkteausbeute wohl nur bedingt zufrieden sein. Menauer gehört trotz allem zu den besten deutschen Stürmern der Oberliga und spielte sich bereits in seinem Premierenjahr in die Herzen des Regensburger Publikums.

Die Beliebtheit eines EVR-Akteurs konnte aber auch Josef Menauer nicht toppen. So sorgte die überraschende Rückkehr von Martin Ancicka für eine lange nicht mehr dagewesene Euphorie beim Regensburger Anhang. Ancicka löste seinen DEL-Vertrag mit den Nürnbergern auf, um seinem Heimatverein im so wichtigen Oberligaendspurt zu helfen. Und tatsächlich sollte der Offensivverteidiger gehörigen Anteil am Erreichen der Playoffs haben. Ancicka dominierte das Spielgeschehen wie zu besten Zeiten und absolvierte von Spiel zu Spiel ein unglaubliches Arbeitspensum. Der 36-jährige stellte bereits bei seiner Verpflichtung klar, dass er nicht mehr vorhabe, den Verein zu wechseln, weshalb ein wichtiger Baustein in der Regensburger Defensive dem EVR erhalten bleiben dürfte.

Überhaupt musste sich die Regensburger Defensivabteilung nicht hinter der Konkurrenz verstecken. Die Weinzierl-Brüder gehörten dabei sicherlich zu den positivsten Überraschungen der abgelaufenen Spielzeit. Die bulligen Verteidiger agierten grundsolide und schalteten sich immer wieder effektiv in den Angriff ein. So sollte Philipp Weinzierl zeitweise den besten Regensburger Defensivakteur stellen. Auch Andreas Pielmeier überzeugte durch solide Leistungen und zumeist traf das 19-jährige Talent unter Druck die richtigen Entscheidungen. Pielmeier könnte die Zukunft gehören, sofern er seine Leistungen weiter stabilisieren kann. Patrick Landstorfer erledigte seinen Part trotz langwieriger Verletzung ebenfalls ausgezeichnet und profitiert in vielen kritischen Situationen von seiner läuferischen Klasse.

Geteilter waren die Meinungen allerdings bei Verteidigerhüne Chris Korte. Der 24-jährige leistete sich im Spielaufbau oftmals verheerende Fehler und setzte seinen Körper im Spiel nach vorne zu selten ein. Tat er es doch, agierte Korte zumeist ungestüm und kassierte dabei zahlreiche unnötige Strafzeiten. Ging es auf dem Feld körperlich zur Sache war der Kanadier mit deutschem Pass aber sofort zur Stelle und sorgte mit seinen zumeist erfolgreichen Kampfeinlagen für großen Unterhaltungswert beim Regensburger Publikum.

Beim Thema „Heißsporn“ darf ein Akteur nicht vergessen werden. Auch Benjamin Frank konnte seine Nerven nicht immer im Zaum halten und ließ sich von den gegnerischen Spielern gerne mal provozieren. Frank überzeugte stets als Allrounder und war immer mit vollem Einsatz bei der Sache. Der gebürtige Amberger ist aus dem EVR-Gefüge kaum mehr wegzudenken und setzte auch in der Oberliga zahlreiche Akzente.

Es wird interessant sein, wie die Regensburger Mannschaft in der kommenden Oberligasaison aufgestellt sein wird. Ebenso ungeklärt ist die Frage, wer im nächsten Jahr hinter der Regensburger Bande steht. Vielleicht werden die Oberpfälzer trotz erfolgreicher Vergangenheit neue Wege begehen und einen hauptamtlichen externen Trainer verpflichten.

Gerüchte gibt es bereits viele und ein spannender Sommer voller Spekulationen dürfte uns nun bevorstehen.

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