U20-Nationalspieler Can Matthäs im Portrait„Mama, ich möchte auch mal probieren!“

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Ein paar Wochen zuvor wurde bekannt, das der U20-Nationalspieler trotz ungewisser Ligenzugehörigkeit fest zu den Akademikern wechselt. Nach einer intensiven Trainingseinheit nimmt sich der 19-jährige Center Zeit für ein Gespräch mit Hockeyweb.

„Mama, ich möchte auch mal probieren!“ meinte Can im zarten Alter von 4 Jahren zu seiner eishockeybegeisterten Mutter nach einem Spiel der Berlin Capitals und legte damit den Grundstein für seine Karriere. Nach einem erfolgreichen Probetraining durchlief Matthäs sämtliche Mannschaften bis zu den Bambini 2 bei den Preussen. Aufgrund der damaligen finanziellen Probleme im West-Berliner Eishockey wechselte der gebürtige Reinickendorfer schließlich zu den Eisbären Berlin. Mit dem Wechsel lernte der junge Can auch professionelle Strukturen im Eishockeysport kennen.

„Bei den Bambinis haben wir fast jeden Tag von Montag bis Freitag auf dem Eis trainiert. Oft auch noch am Samstag. Es gilt das Leistungsprinzip. Wer gut trainiert, spielt auch. Man merkt, dass an der Spitze der Organisation ein DEL-Team steht.“ Auf die Frage nach seinen Vorbildern auf dem Eis in jener Zeit betont Matthäs „Die erste Meisterschaft der Eisbären in der DEL mitzuerleben, war schon etwas Besonderes – mit Spielern wie Erik Cole und Steve Walker. Wir Nachwuchsspieler hatten Dauerkarten für den Welli und waren immer mit dabei.“

Seine Position als Center hatte Can Matthäs schon früher gefunden. „Ich spiele mein ganzes Leben lang schon Mittelstürmer. Bereits in der Laufschule stand ich am Bullypunkt wenn der Puck eingeworfen wurde und wollte die Scheibe als Erster haben. Mein Ziel ist und war es immer Tore zu schießen, aber vor allem auch Tore vorzubereiten. Wobei ich aber finde, dass man sich nicht auf eine Position festlegen, sondern sich beide Wege offenhalten sollte.“ Als prominente Beispiele führt er Constantin Braun und Florian Busch von den Eisbären Berlin auf. Neben dem Eis besuchte Matthäs ab der 7. Klasse die Sportschule in Hohenschönhausen. „An erster Stelle kommt die schulische Ausbildung, aber die Ausübung des Sports wird durch die flexible Gestaltung des Stundenplans sehr erleichtert. Es ist die perfekte Lösung für junge Sportler.“

Auf die allseits beliebte Interviewfrage nach der Bedeutung der Rückennummer antwortet Can Matthäs: „Los ging's mit der 16, da auch Georg Holzmann diese Rückennummer trug. Er ist ein guter Bekannter der Familie und als ganz Kleiner habe ich ihm nachgeeifert. Dann kam die 12 wegen meines Geburtsdatums, aber eigentlich mag ich die 14, die ich in der DNL bekommen habe, lieber. Warum weiß ich gar nicht.“.

In seinen letzten beiden Jahren bei den Eisbären Juniors in der DNL bekommt Can Matthäs die Gelegenheit bei FASS Berlin (ab der Saison 2014/2015) und bei den Dresdner Eislöwen (Saison 2015/2016) im Seniorenbereich Fuß zu fassen. In der Oberliga kann er von zwei bis drei Trainingseinheiten bei FASS und bei den Juniors pro Tag profitieren, er bekommt viel Eiszeit bei den Akademikern. In Dresden ist die Eiszeit normal, der Übergang von den Juniors in die DEL2 ist „knüppelhart. Es ist kein einfacher Weg nach oben. Als junger Spieler steht man erst mal hinten an, aber das Training und der Support des Vereins waren super. Man freute sich auch immer über die Förderlizenzspieler und war herzlich willkommen.“ Folgende Wochenplanung ist dann durchaus nicht ungewöhnlich: Freitag Spiel Oberliga, Samstag Spiel DNL, Sonntag Spiel Oberliga, Dienstag bis Donnerstag Training in Dresden, Freitag Spiel DEL2.

Gute Erholung ist demzufolge wichtig, und so legt sich Matthäs bei längeren Busreisen auf den Boden und schläft seine 2 bis 3 Stunden. „Das ist für mich die ideale Form der Regeneration“.

Als den Höhepunkt in seiner noch jungen Eishockeylaufbahn bezeichnet Can Matthäs die Teilnahme an der U20-WM in Wien im Dezember 2015. „Es war bislang der schönste Moment in meiner Karriere. Es ist immer schön wenn man für Deutschland spielt und am liebsten würde ich nochmal eine WM spielen. Sich mit Gegnern, wie beispielsweise Lettland, zu messen, ist eine großartige Erfahrung.“

Die Entscheidung nun fest für FASS Berlin zu spielen und unter Umständen auch in der Regionalliga auf Tore- und Punktejagd zu gehen, ist eine Entscheidung für seine Leidenschaft, aber auch für die Vernunft. „Jeder junge Spieler muss sich irgendwann die Frage stellen, wie es weitergehen soll. Ich habe mich entschieden eine Ausbildung zu beginnen. Ich möchte etwas haben auf das ich nach dem Eishockey bauen kann.“ In naher Zukunft wird Can Matthäs seine Ausbildung als Immobilienkaufmann beginnen. Auf die Unterstützung von FASS Berlin und seiner Familie kann er sich dabei verlassen.

„Mit FASS gilt es in der kommenden Spielzeit – falls es die Oberliga sein sollte – den Abstieg zu vermeiden, bzw. in der Endabrechnung im Mittelfeld zu landen. In der Regionalliga ist ohne Frage der Wiederaufstieg das Ziel“. Sein Spiel möchte Matthäs weiter verbessern. „Da ich ein kleiner Spieler bin, möchte ich meine Schnelligkeit verbessern. Je schneller ich bin, desto mehr Zeit habe ich auf dem Eis. Und auch den Zug zum Tor. Ich spiele öfter mal noch den Querpass zum Mitspieler, als selbst aufs Tor zu schießen.“

Um die gesteckten Ziele zu erreichen, ist Can Mattäs bereits seit Anfang April zusammen mit seinen Teamkollegen Marvin Miethke und Dave Simon in einer Trainingsgruppe aktiv. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf Ausdauer- und Krafttraining. „Wir pushen uns gegenseitig und so macht das Sommertraining auch Spaß.“

Seine Freizeit verbringt Matthäs gerne im Kreis seiner Familie und in jüngster Zeit auch gerne zu nächtlicher Stunde vor dem Livestream, hatten doch „seine“ Pittsburg Penguins eine lange, aber erfolgreiche Saison.

(Jörg Engelbrecht)


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