Scorpions entscheiden erstes Stadtderby für sichHannover Scorpions - Hannover Indians 4:2

Scorpions entscheiden erstes Stadtderby für sichScorpions entscheiden erstes Stadtderby für sich
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Er war nicht zufrieden. Die Rede ist allerdings nicht von den beiden Trainern oder einem anderen Verantwortlichen der beiden hannoverschen Vereine, sondern von „Morgenmän Fränky“, dem Top-Moderator des niedersächsischen Radiosenders „FFN“. Er bemängelte, dass seine Scorpions nach dem starken ersten Drittel die spielerische Brillanz verloren hätten und dass das Spiel noch unnötig spannend geworden wäre. Eine Meinung, die Lenny Soccio, Legende in der Wedemark und aktueller Trainer des Oberligisten Hannover Scorpions, so nicht stehen lassen wollte: „Wir haben ein sehr gutes Spiel gesehen, eine Werbung für den Eishockeysport. Wir haben zwar die Indians im ersten Drittel überrollt, aber sie kamen zurück, gaben nie auf und zeigten, warum man sie nicht unterschätzen darf.“ Ähnliche drückte sich auch Indians-Coach Peter Willmann aus: „Im ersten Drittel wurden wir überrannt. Nur mit Glück konnten wir Schlimmeres als das 0:2 verhindern. Danach haben wir umgestellt und nach dem 0:3 gut ins Spiel gefunden. Bis zum Ende konnten wir die Partie offen halten und ich bin sehr stolz auf die gesamte Mannschaft.“

Noch am Vortag, bei der Pressekonferenz zum Start des Vereines „stopconcussions e.V.“, hatten Scorpions-Geschäftsführer Marco Stichnoth und sein Pendant vom Pferdeturm, Wolfram Cech, tiefgestapelt, versucht, den Favoritenstatus dem anderen zuzuschieben und gleichzeitig gehofft, dass die Partie ein „Eishockeyfest“ wird. Im Rückblick darf festgestellt werden, dass der Wunsch wahr wurde. Dabei schien es vor 1.439 Zuschauern, einem ausverkauften Haus, darunter etwa 350 Fans von den Indians, zu einem der normalen Spektakel der Scorpions hinaus zu laufen. Nach fünf Minuten und 10:2 Torschüssen für die Gastgeber stand es zwar immer noch 0:0, aber gleichzeitig fragte sich jeder, wann die Defensive der Gäste fallen würde. Keine vier Minuten später war es soweit. Alex Janzen (9.) überwand nach einer Kombination mit Jarabek und seinem Bruder Sergej den bis dahin gut haltenden Christoph Oster im Indians-Gehäuse. Als zwei Minuten später Maximilian Schaludek (11.) im Powerplay goldrichtig stand und einen Abpraller von Oster zum 2:0 ausnutzte, da schien die Begegnung in die übliche Richtung abzudriften. Mit Wucht drängten die Scorpions auf das 3:0 und die in dieser Phase nicht sattelfeste Indians-Verteidigung konnte nur mit Glück das dritte Gegentor verhindern. Das fiel dann zwar auch, aber erst im zweiten Drittel. Der Mann des Tages, Scorpions-Neuerwerbung Christian Neuert (drei Assists) bediente zusammen mit Jan Hemmes Marvin Krüger (22.), und der letztjährige DEL-Stürmer netzte problemlos ein.

Jetzt schien der Zusammenbruch des städtischen Nachbarn nah. Mit Mann und Maus stürmten die Hausherren weiter und übersahen, dass Indians-Coach Piwi Willmann eine taktische Änderung vornahm. Die Indians griffen die Scorpions bereits im Mitteldrittel mit Vehemenz an, störten deutlich energischer und brachte eine physische Note ins Spiel, die den Mannen von Lenny Soccio nicht behagte. Dazu kam die schnelle Antwort auf das dritte Gegentor. Der immer noch recht eigensinnig agierende Indians-Kanadier Darcy Vaillancourt (25.) bestrafte eine Unachtsamkeit der Scorpions-Abwehr und sein Tor brachte die Welt der Hausherren für eine geschlagene Viertelstunde ins Wanken. Als Brendan Sanders (34.), der zweite Kontingentspieler der Indians, neun Minuten später mit einem trockenen Schuss in den rechten oberen Winkel gar das Anschlusstor fabrizierte, sah es sogar sehr düster für den aktuellen Tabellenführer der Oberliga Nord aus. Erst eine Strafzeit gegen Indians-Stürmer Christoph Koziol kurz vor Drittelende brachte die Scorpions wieder ins Spiel.

Die Entscheidung fiel dann gleich nach Beginn der abschließenden zwanzig Minuten. Marvin Krüger (42.) nutzte im Powerplay einen Abpraller des famosen Christoph Oster zum 4:2. Der Jubel der Spieler nach diesem erlösenden Tor zeigte deutlich, wie die bisherige Partie an den Nerven der heimischen Akteure gezerrt hatte. Auch wenn die restliche Zeit von den Bemühungen der Indians geprägt war, den erneuten Anschluss zu erzielen, wurde es für die Hausherren nicht mehr allzu eng. Das engagierte Spiel der Indians hatte sehr viel Kraft gekostet und wurde folgerichtig nicht mehr mit der notwendigen Präzision durchgeführt. Trotzdem zeigte Gästetrainer Willmann am Ende, dass er seinem Team viel zu traut. Vierzig Sekunden vor Schluss wagte er es sogar, seinen Keeper vom Eis zu nehmen um vielleicht noch das Unmögliche zu schaffen.

Dieser Wunsch trat zwar nicht mehr ein, aber mit dem 2:4 haben die Indians bewiesen, dass das vernichtende 1:8 der Vorwoche von Timmendorf vermutlich nur eine Eintagsfliege war und das bei einem konzentrierten und beherzten Auftritt jeder der Oberliga-Nord-Gegner, selbst die Hannover Scorpions, schlagbar sind.

Die Hannover Scorpions haben gezeigt, dass Platz eins nur über sie möglich ist. Es muss ihnen allerdings klar sein, dass ein lockerer Auftritt nicht immer reichen wird, um das Ziel zu erreichen.


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