Preussen erfinden sich neu: Kooperation mit Lausitzer Füchsen und EisbärenBrian Bölke und Christian Steinbach kehren nach Berlin zurück
Brian Bölke spielte schon in der Saison 2017/18 für Preussen Berlin. (Foto: Rolf Lux)
Der Rückblick auf die Oberligasaison 2018/19 fällt sicherlich nicht wirklich leicht, aber wenn man daraus die richtigen Schlüsse zieht, dann kann man sich gut an den Fehlern abarbeiten und positiv denkend die Ärmel hochkrempeln. Dabei muss man zwar so manch aktuelle Baustelle wie die Frage nach dem Trainer oder ob das mit der aktuell beantragten Lizenz auch klappt, ausblenden – aber im Großen und Ganzen steht nun das Konzept, wie man den ECC Preussen neu ausrichten möchte. Sven Krey verdeutlichte einmal mehr, dass man sich an der Glockenturmstraße nach der desaströsen vergangenen Spielzeit „im Umbruch befinde“ und es in der jüngsten Vergangenheit nach der Spielzeit galt, „Altlasten zu identifizieren und zielgerichtet zu tilgen“. So überhaupt konnte man laut Aussage des ECC-Präsidenten für eine mögliche Saison in der Oberliga 2019/20 melden. Nun kann man nur voller Spannung auf die Antwort des Deutschen Eishockey-Bundes warten, ob die Lizenz mit oder ohne Auflagen erteilt wird. Sollte es aber klappen, dann geht es auf jeden Fall mit vielen bestehenden Sponsoren weiter, dafür wurde und wird im Hintergrund einiges getan. Beim Blick auf die sportliche Ausrichtung kann und muss Simon Braun ein glückliches Händchen beweisen.
Überraschenderweise wurde ja ein Großteil des Kaders übernommen und das verwundert umso mehr, weil die Preussen in der alten Saison ja bekanntlich Letzter geworden sind und nun aus dieser Zeit die richtigen Rückschlüsse zu ziehen waren. Insbesondere die hohe Zahl der Verletzten brachten die Charlottenburger in vielen Situationen arg in die Bredouille und so musste man eine Lösung für dieses Problem finden. Simon Braun erläuterte aber, dass dies an bestehenden Verträgen, am zur Verfügung stehenden Budget und am „zukünftigen Grundprinzip zur Aufstellung des Oberligateams“ läge. Das bedeutet, der Umbruch wird auch auf dem Eis vollzogen und die Sanierung wirkt sich auch auf das Spielermaterial in dieser nun folgenden Übergangssaison aus. Dennoch schließe dies scheinbar das Ziel, „gut im Mittelfeld mitzuspielen“ nicht aus und man wolle „attraktives, ehrliches Eishockey am Glockenturm präsentieren“. Hierfür müsste man aber deutlich personell aufstocken und zusätzlich die Daumen drücken, dass nicht wieder der eine oder andere Verletzte bzw. ein überraschender Abgang einen Strich durch die Rechnung macht. Nicht ganz unwichtig ist dabei natürlich auch die Trainerfrage, die ja maßgeblich auch eine gewisse Richtung vorgibt und im Einklang mit den Vorstellungen des Übungsleiters übereinstimmen muss. Denn der wird dann auch das Konzept mittragen müssen, ohne Spieler der weggebrochenen U20 und dafür mit den Jungs aus Weißwasser und dem zweiten Kooperationspartner, Eisbären Berlin aus dem Ostteil der Stadt, in die Planung für Saison und Spiele zu gehen.
Weiterhin wurde bekannt, dass die Preussen die eigentlich begehrte Ausländerposition ausdrücklich nicht besetzen wollen und stattdessen auf die Förderung talentierter Spieler bauen – was aber durchaus auch bei anderen Clubs in der Oberliga vorkommen kann. Es bleibt also sehr mutig, diesen Weg so zu gehen und eine ausgefüllte Verantwortung, die passenden Talente aus Weißwasser und aus dem anderen Ende der Stadt zu locken. Die dann alle unter einen Hut zu bekommen und damit auch Erfolge für Fans, Umfeld und Teamspirit zu produzieren – das ist mindestens ambitioniert, zumal die Oberliga Nord insgesamt gefühlt ein höheres Niveau bedient. Im Zentrum wird dabei wie gesagt der Coach stehen, der zumindest in der nächsten Saison nicht klagen muss über zu wenige Spieler, wenn neben noch folgenden Verpflichtungen genügend Förderlizenzspieler zur Verfügung stehen müssten aus den oben genannten Vereinen. Aber nachdem nun die Weichen gestellt wurden und auch schon einige Dauerkarten zum Vorzugspreis rausgegangen sind, müssen diese Fans und auch noch die zukünftigen mitgenommen werden auf die Reise. Einiges an Überzeugungsarbeit könnte da unter Umständen noch zu leisten sein, um alle vom eingeschlagenen Weg zu überzeugen. Zumindest die Sponsoren halten aber dem ECC Preussen Berlin die Stange und sorgen für das notwendige Fundament, auf welchem das neue Konzept aufgebaut sein soll. Man darf weder erwarten, dass die Preussen komplett unterwandert werden vom ehemaligen Konkurrenten Eisbären Berlin – noch wird man wohl kaum das Logo von ebendiesem auf einem Preussen-Trikot erblicken.
Letztgenanntes Jersey der Preussen tragen zwei Rückkehrer, die schon einmal an der „Glocke“ die Schlittschuhe geschnürt haben. Mit dem einen wird dann auch wieder der Bogen geschlagen zum Thema Kooperation, denn Brian Bölke kommt von den Eisbären Juniors und seine weiteren Wege führten ihn unter anderem zu den Füchsen aus Weißwasser, nachdem er 2017/18 bei den Preussen spielte. Auch Christian Steinbach ist bei den Preussen kein Unbekannter, hatte der Verteidiger doch mehrere Jahre zwischen 2007 und 2013 alle Stationen dort durchlaufen. Seiner Geburtsstadt blieb der 85-Kilogramm-Verteidiger aber immer treu und so darf man sich bei den Preussen vor allem über dieses Abwehr-Doppelpack mit Bölke und „Steini“ freuen.