Indians überrollen PiranhasÜberlegenes 8:3 gegen Rostock

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Hochüberlegen besiegten die Hannover Indians die Rostock Piranhas mit 8:3 (0:0, 5:1, 3:2) vor 2.118 Zuschauern und übernahmen nach Duisburg und Leipzig sofort Rang drei in der neubesetzten Oberliga Nord.

Der Auftritt von Rostocks Trainer Sergej Hatkevich bei der Pressekonferenz sprach Bände. Stocksteif, nur das Nötigste von sich gebend, umgangssprachlich beleidigt. Dabei gab es von den Rahmenbedingungen keinen Grund. Sicherlich hat der Pferdeturm schon mehr als 2.118 Fans gesehen, aber für ein Oberliga-Punktspiel zu Saisonbeginn eine mehr als ordentliche Zahl. Die Indians konnte Hatkevich auch nicht meinen, denn deren Leistung war stark, machte Lust auf mehr. Allein das Schussverhältnis von 46:18 (15:6, 18:7, 13:5) zeigte mehr als deutlich, wie die Spielrichtung innerhalb der sechzig Minuten aussah. Der Grund für die Misslaute von Hatkevich war wohl mehr die Chancenlosigkeit seines Teams, das sich auch über 15 Gegentore nicht hätte beschweren können. Hatkevich: „Ohne die vielen Strafen hätten wir eine Chance gehabt.“

Die an Unwetter gewöhnten Ostseestädter hat sicherlich mit starkem Gegenwind gerechnet, aber dass von Anfang an Sturmstärke 10 wehen würde, scheinbar nicht. Nach acht Minuten stand es im Schussverhältnis 8:0 und Keeper Dustin Haloschan, vor der Saison aus Heilbronn zum REC gekommen, musste mehrfach Kopf und Kragen riskieren, um Gegentore zu vermeiden. Auf der anderen Seite konnte ECH-Keeper Boris Ackers von Glück reden, dass es ein warmer Herbsttag war. Im Dezember hätte er Frostbeulen bekommen. Besonders die erste Reihe mit Lehmann, Pohanka und Gradl, im Powerplay unterstützt von Gerartz als stürmenden Verteidiger, setzte die Weiß-Roten schwer unter Druck. Erst nach zehn Minuten wagten sich die Rostocker aus der, noch, sicheren Deckung, suchten den Erfolg wie zum Beispiel Jens Striepeke, der im kurzen linken Eck, später noch einer der Haupttatorte, auftauchte, aber Ackers nicht überraschen konnte. Das 0:0 nach zwanzig Minuten war keinesfalls gerechtfertigt, hatte aber eventuell auch einen Grund darin, dass neben dem noch fehlenden Zielwasser auch Sebastian Lehmann die erste wirklich fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidung derart heftig kommentierte, dass er sich eine „Diszi“ einfing und sein Team aus der Konzentration brachte.

Das zweite Drittel brachte dann den sofortigen Paukenschlag, nur auf der falschen Seite, zumindest aus Indians-Sicht. Tim Dreschmann kam aus zehn Metern direkt vor Ackers frei zum Schuss und es stand 0:1. Dieser Weckruf hatte zwei Folgen: Die Rostocker wurden mutiger und die Hannoveraner wütender. Bereits die zweite Strafe für den REC wurde von äußerst effektiv spielenden Indians bestraft. Pohanka stand am, er wurde bereits angekündigt, linken Torpfosten alleine, und durfte die Scheibe zum Ausgleich einschieben. Fast gleich, nur 27 Sekunden später, das 2:1. Diesmal war am gleichen Ort Robby Hein der Torschütze und weil es so leicht war, durfte Pohanka nur 84 Sekunden später an der gleichen Stelle auf 3:1 erhöhen. Der Blutdruck von REC-Coach Hatkevich wird in dieser Sekunde ungesunde Werte aufgewiesen haben, denn er versuchte erst einmal durch eine Auszeit seine außer Rand und Band spielende  Mannschaft wieder einzufangen. Eventuell wäre es ihm sogar gelungen, wenn nicht in der 32. Minute eine spielentscheidende Situation stattgefunden hätte. Tim Marek traf, vermutlich unglücklich, Sebastian Lehmann mit dem Stock am Mund. Die Regel sieht dafür eine Fünf-Minuten-Strafe plus Spieldauer vor, aber Hauptschiri Gordon Bergas entschied sich für merkwürdige 2+2. Da vier Sekunden zuvor bereits Kohlstrunk auf die Strafbank gewandert war, durfte sich die Truppe von Indians-Coach Fred Carroll fast volle zwei Minuten im 5:3-Powerplay versuchen. Das Ergebnis war das 4:1 durch Gradl (33.) und kurz darauf, nach zwei weiteren Strafbankbesuchen der Gäste auch noch das 5:1 von Neuzugang Jörg Noack (39.). Während die Indians mit stürmischen Applaus in die Kabine geleitet wurden, hingen die Köpfe der Piranhas.

Die letzten zwanzig Minuten standen unter den Themen: Vermeiden einer zweistelligen Niederlage und Konzentrationslosigkeit. Letzteres vor allem bei den Indians, die nach dem 6:1 von Schütt (46.) endgültig vermutlich an das kommende Derby am Sonntag in der Wedemark dachten und ihren Gästen zwei Gastgeschenke (Brink (54.) und Sulcik (58.) bedachten, die Indians-Coach Carroll später sauer aufstießen: „In dieser Phase konnten wir sehen, was alles passieren kann, wenn man die Zügel schleifen lässt.“ Wichtig für die Fans war am Ende aber noch das 8:3 vom gut aufgelegten Robby Hein (59.), der damit seine Indians vor dem Langenhagener Lokalrivalen platzierte.

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