Hannover Indians bezwingen gegen FASS BerlinNeuer Mut nach 3:1-Triumph

Lesedauer: ca. 4 Minuten

Bevor das Spiel beginnen konnte, gab es eine Trauerminute für die Opfer des Anschlages in Berlin. Die anwesenden 2.700 Fans, darunter auch ein Dutzend aus der Hauptstadt, erhoben sich aus Respekt vor den Opfern von ihren Sitzen und man merkte deutlich, wie sich ein Trauerschleier über das Stadion senkte.

Die Begegnung zwischen einem Team, dass sich schon seit Wochen auf die Abstiegsrunde vorbereitet und sieben Niederlagen in Folge kassiert hatte und einer Mannschaft, die sich noch berechtigte Hoffnungen auf einen Platz in der Meisterschaftsendrunde macht und ebenfalls mit einer Niederlagenserie (fünf Spiele) zuletzt glänzte, konnte einfach nicht die Fahrt aufnehmen, die man gerne gesehen hätte.

Beide Teams boten den Fans ein Fehlpassfestival der besonderen Art, denn trotz dieser Orgie zählten die Statistiker am Ende der ersten zwanzig Minuten immerhin 30 Torschüsse. 22 kamen von den Indians, deren acht von FASS. Richtige Großchancen verzeichneten Pohanka, Hein und Baier für die Indians, Duris für FASS. Am Ende stand auf beiden Seiten eine Null und schon so mancher befürchtete, dass sich die fehlenden Erfolgserlebnisse auf das weitere Geschehen auf dem Eis auswirken wird.

In den ersten Sekunden des zweiten Drittels schien es so, als wenn die Indians mit aller Macht die Führung erzielen wollten, aber die Berliner zogen sich sofort zurück, machten die Mitte dicht und schlagartig ließ die Wucht der Hannoveraner nach. Zum Leidwesen der Fans, die dem folgenden Gestocher nicht viel abgewinnen konnten und dies auch lautstark bekundeten: „Wir haben bezahlt, wir wollen Leistung sehen.“ Im Gegenteil, als drei Hannoveraner, zum Glück nacheinander, innerhalb von acht Minuten auf die Bank mussten, da schien das 0:1 nur eine Frage der Zeit. Immerhin war FASS mit einer Powerplay-Quote von 23,6% nach Hannover gekommen, aber ausgerechnet heute zeigten sie nicht ihre kreative Ader. Mit Glück und auch einer Portion Können, verteidigten die Indians das 0:0, wobei auffiel, dass beim gegnerischen Powerplay die Indians-Verteidiger immer relativ weit vom puckbesitzenden Spieler entfernt waren. Da treten andere Mannschaften deutlich aggressiver an. Als Gosdeck in der 32. Minute aus fünf Metern am heute sehr gut haltenden Lücke im FASS-Tor scheiterte, da fragte sich der geneigte Beobachter, ob es heute überhaupt noch mal klingeln würde. Zumal viele Fans zum „Teddy-Toss-Tag“ viele Spielzeug-Teddys mitgebracht hatten, um den kranken Kindern im „Kinderkrankenhaus auf der Bult“ eine Freude zu machen und die Pflicht der heimischen Mannschaft war es, mit einem Tor die Anhänger anzustacheln, ihre Geschenke auf das Eis zu werfen.

Ein verdeckter Schuss von Finkel in der 41. Minute sollte eigentlich das Signal für eine Schlussoffensive sein, aber auch diese verpuffte recht schnell. Es schien, als ob Indians-Coach Stolikowski bei seinen Bemühungen während der Woche noch nicht die richtigen Worte gefunden hat. Ein Blick auf die Körpersprache der Indians zeigte, dass viele angesichts der Erfolgslosigkeit und des übertriebenen physischen Aufwandes keine Hoffnung mehr hatten. In der 50. Minute bahnte sich bereits an, dass die Torflaute ein Ende haben könnte. Erst beeindruckte Lücke im Berliner Kasten mit seinem dritten „Big Save“ im Spiel, diesmal gegen Baier und auf der Gegenseite zeigte Deske gegen Gläser wenige Sekunden später eine ähnliche Leistung.  Man schien das Visier jetzt besser eingestellt haben und sechzig Sekunden später war es soweit. Deske bekam im direkten Zweikampf mit einem Berliner einen mit, konnte noch einen Pass zu Baier spielen bevor er zu Boden ging, der wiederum Gosdeck in Szene setzte. Gosdeck bediente Pohanka und stocherte die Scheibe zum 1:0 in die Maschen. Ein Jubelschrei, nahezu 100 Dezibel stark, ging durch das Eisstadion und gleichzeitig flogen zig Teddys über die Bande. Die Berliner waren geschockt, ließen kurzfristig jede Ordnung sein und bekamen sofort die Quittung. Der vorletzte ECH-Neuzugang Alex Lambacher, im heutigen Spiel nicht von der Qualität wie zuletzt, zirkelte aus dem Slot, unbedrängt, den Puck zum 2:0 an Lücke vorbei. Wer jetzt gehofft hatte, dass dieser Vorsprung den Indians Sicherheit geben würden, sah sich getäuscht. FASS versuchte es weiterhin mit der Kontertaktik und hatte Glück. Vincent Hessler gelang es mit dem 1:2, die Indians wieder in Konfusion zu stoßen. Die Berliner spürten, dass sie dran waren und Trainer Oliver Miethke nahm tatsächlich achtzig Sekunden vor Schluss seinen Keeper vom Eis. Doch der Schuss ging nach hinten los. Nachdem Gosdeck und Baier knapp gescheitert waren, schaffte  Pohanka fünf Sekunden vor Spielschluss mit einem Empty-Netter das durchaus verdiente 3:1.

FASS-Trainer Oliver Miethke: „Wir haben ein ordentliches Oberligaspiel gesehen. Leider hat uns am Ende die Konzentration gefehlt, sonst hätten wir evtl. für eine Sensation sorgen können.“

Indians-Coach Tobias Stolikowski: „Wir haben versucht, unsere Trainingsleistungen auf das Eis zu bekommen. Das hat nicht richtig geklappt. Trotzdem bin ich über die drei Punkte froh aber das kann nur ein Step auf dem Weg nach vorne sein.“

Tore: 1:0 (51:24) Branislav Pohanka (Gosdeck, Baier), 2:0 (52:26) Alex Lambacher (Finkel, Kraus), 2:1 (56:01) Vincent Hassler (Watzke, Timm), 3:1 (59:54) Branislav Pohanka (Baier, Gosdeck/ENG).

Strafen: Hannover Indians: 12, FASS Berlin: 12. Zuschauer: 2.723

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