Hannover Indians besiegen Herne überraschend mit 2:1Heftige Auseinandersetzungen nach Spielende

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Oberliga-Nord-Meister Herner EV jedenfalls hat sich nach dem Freitag zum zweiten Male die Zähne ausgebissen. Nach dem 2:1 (0:1, 2:0, 0:0) für den ECH am Sonntag vor 2747 Zuschauern steht der Champion bereits am Dienstag mit dem Rücken zur Wand. Eine weitere Niederlage und die Herner dürfen mit der Planung für die nächste Saison beginnen. Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Rhein-Herne-Kanal und auch die Leine entlang und bis dahin werden beide Teamvorreiter, Frank Petrozza auf Herner  und Tobias Stolikowski auf Indians-Seite, einiges zu tun haben.

Der Beginn hatte bereits Zweitligacharakter. 2800 Zuschauer, eigentlich eine prächtige, für Indians-Verhältnisse schon fast enttäuschende Kulisse, waren Zeuge einer schönen Choreografie der heimischen Fans und auch die Gäste, rund 100 Herner waren mit Bus und Auto angereist, zeigten sich von ihrer guten, sprich stimmungsmäßigen Laune. Die Herner, bei denen von Anfang an der am Freitag durch einen Nasenbeinbruch aus der Serie genommene Topstürmer Aaron MacLeod fehlte, zeigten bereits in den Anfangsminuten, dass sie nicht gewillt waren, als Verlierer das Eis zu verlassen. Mit hohem Tempo versuchten sie, die Gastgeber in ihr Drittel zu drücken und konnten bereits nach drei Minuten eine gute Chance verzeichnen, als nach einem Lilik-Fehler Luft vor dem erneut ausgezeichneten Pantkowski im Indians-Kasten auftauchte, aber an diesem scheiterte. Die Indians, die ohne ihre gesperrten Stammverteidiger Peleikis und Bovenschen antraten, mussten sich in dieser Phase erst einmal sortieren und bekamen die Rechnung bereits in der achten Minute serviert, als die Defensive für etwa zehn Sekunden keinen Überblick hatte, Verelst und Snetsinger schnell kombinierten und Luft in der rechten Torecke auf einmal das leere gegnerische Tor vor sich hatte. Für den gebürtigen Oberhausener kein Problem und der Rückstand aus dem ersten Spiel war aufgeholt. Wer jetzt jedoch gedacht hätte, dass die Indians in sich zusammen brechen würde, sah sich getäuscht. Diese fanden in der Defensive zu ihrer Rolle, zeigten sich kampfkräftig und ließen den Favoriten nicht so ins Spiel kommen wie dieser sich sicherlich erhofft hatte. Besonders beeindruckend, dass die Indians sogar versuchten, in Unterzahl zum Torerfolg zu kommen. Baier zum Beispiel wäre in der neunten Minute fast erfolgreich gewesen, wenn nicht der auch an diesem Tage ausgezeichnet haltende Keeper der Herner, Christian Wendler, mit einem Big Save rettend eingegriffen hätte. Dieser Widerstand reizte die Gäste, die sich in der 13. Minute das erste kleine Scharmützel mit den Indians leisteten. Schiedsrichter Eugen Schmidt verteilte für je zwei Mann zwei plus zwei Minuten, deutete damit schon einmal an auch konsequenter zu sein und ließ danach das Spiel laufen. Eine riskante Denkweise, die sich aber auszahlte, denn das Spiel blieb, auch in Anbetracht der 120 Strafminuten vom Freitag, überraschend fair.

Im zweiten Drittel zeichnete sich bereits schnell ab, dass die Indians in Sachen Kondition die Nase letztendlich vorn haben würden. Sie gingen von Anfang an das immer noch hohe Tempo mit, blieben in der Defensive wachsam und versuchten mit schnellen Wechselzeiten, stellenweise wurde alle 40 Sekunden gewechselt, das Tempo und den Druck hochzuhalten.  Das schmeckte den Hernern gar nicht und als Schneider sich eine Strafe in der 24. Minute leistete, schlugen die hannoverschen Spezialisten zu. Schwab setzte sich gegen seine Widersacher durch und jagte den Puck unter die Latte von Wendlers Heiligtum. Der Ausgleich war zu diesem Zeitpunkt durchaus verdient und es kam noch besser für die hannoverschen Fans. Als Dreischer  wegen Haltens saß, kam Pohanka direkt vor dem Herner Tor zum Schuss und knallte die Scheibe ins linke Eck. Wendler war chancenlos. Jetzt war es an den Gästen, sich neu zu sortieren, und als dies abgeschlossen war, gab es für die Ruhrstädter die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich. Erst hatte sich Gibbons ein Foul geleistet, dann, völlig unnötig wegen Hakens auch noch Gosdeck und der HEV hatte für 61 Sekunden doppeltes Überzahlspiel. Auch wenn die 2600 Hannoveraner hinter ihrem Team standen, die Indians mussten sich selbst helfen und sie taten es beeindruckend. Lediglich Dreischer und Ackers kamen zum Abschluss und beide fanden jeweils in Pantkowski ihren Meister. 

Somit musste das dritte Drittel die Entscheidung bringen und die Spannung, die jedem Hitchcock-Krimi zur Ehre gereicht hätte, erreichte nun ihren absoluten Höhepunkt. Die Herner gaben sich keineswegs geschlagen. Da die Kraft etwas nachließ, versuchten sie punktuell nachzulegen, setzten immer wieder in Erfolg versprechenden Aktionen nach und setzten die Gastgeber, Spieler, Verantwortliche aber auch Zuschauer unter Dauerstress. Dazu brachte die Entscheidung von Schiedsrichter Schmidt, das Spiel nur in Ausnahmesituationen zu stoppen, richtige Play-off-Stimmung. So gab es zum Beispiel zwischen der 42. und 46. Spielminute nur zwei Unterbrechungen mit dem Ergebnis, das die Statistiker kaum noch mit den Zählen der Schüsse hinterher kamen.

Nachdem sich die Herner zwei weitere Strafen, ohne Gegentore, leisteten und sie somit im Spiel blieben, kam es zu „Showdown“ in den letzten drei Spielminuten. Erst leistete sich Gosdeck bei einem Konter einen Stockschlag und dann, zwei Minuten später, musste auch noch Pohl vom Eis, als er einen Befreiungsschlag völlig unnötig über die Bande jagte und den Hernern, die exakt 55 Sekunden vor Schluss ihren Keeper vom Eis nahmen, somit für neun Sekunden sogar ein dreifaches Überzahlspiel bescherte. Die Indians, die jetzt mit den physisch stärksten Akteuren antraten, schafften es, hinter dem Tor die Scheibe nicht mehr groß spielfähig zu halten und als der Sekundenzeiger die sechzigste Minute abschloss, kannte der Jubel bei den Indians keine Grenzen mehr.

Was sich dann jedoch am Pferdeturm abspielte, war dem eines Play-off-Achtelfinalspieles nicht mehr würdig. Indians-Angreifer Pohanka soll die hinter der Glasscheibe stehenden Herner Fans mit einem „Dagegen schlagen“ provoziert haben, denn auf einmal rasteten die Herner Anhänger, die sich bis dahin recht normal verhalten hatten, komplett aus. Man musste um die Plexiglasscheiben regelrecht Angst haben und weil dies scheinbar nicht ausreichte, ging es auf dem Eis munter weiter. Wer wen provozierte, kann an dieser Stelle nicht gesagt werden, aber wenn der Herner Keeper Wendler über das ganze Eis stürmt um sich mit seinem Gegenüber zu prügeln und der Herner Trainer auf einmal das Gleiche mit seinem Gegenüber versucht, dann sind eindeutig sportliche Grenzen überschritten.

Dem DEB kann jedenfalls nur eines dringend geraten werden. Für die weiteren Spiele der Serie, beginnend am Dienstag in Herne, dann in Hannover und eventuell noch einmal in Herne müssen erfahrene Schiedsrichter, am besten aus der DEL benannt werden, um Eskalationen wie am Sonntag auszuschließen und die Serie zu einem sportlichen Ende zu bringen. Dass im Anschluss an das Spiel die normalerweise übliche Pressekonferenz ausfiel, passte zum Ende und sollte für beide Vertretungen eine Warnung sein, sich wieder auf das zu besinnen, was die Serie ist. Lediglich das Achtelfinale der deutschen Oberliga-Meisterschaft.

Tore: 0:1 (07:14) Dominik Luft (Snetsinger, Verelst), 1:1 (24:39) Tobias Schwab (Gosdeck, Ziolkowski/5-4), 2:1 (33:07) Branislav Pohanka (Schwab, Gibbons/5-4). Strafen: Hannover 42 + je 10 (Pantkowski, Deske, Gibbons, Wasser, Ziolkowski, Pohanka) + Spieldauer (Pohanka), Herne 28 + je 10 (Wendler, Luft, Snetsinger). Zuschauer: 2747.


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