Führung in der Serie: Hannover Scorpions schocken RosenheimEntscheidung erst in der Verlängerung

(Foto: Manfred Schneider)(Foto: Manfred Schneider)
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Nach dem Spiel huschte Scorpions-Coach Dieter Reiß ein Lächeln über das Gesicht: „Man darf uns nicht unterschätzen und muss uns über sechzig Minuten ernst nehmen. Das ist dem Gegner nicht gelungen. Wir kamen zurück und haben das Spiel umgebogen.  Das ist Eishockey und das sind die Play-offs.“ Mit dieser Einschätzung lag er ziemlich richtig und wurde von Rosenheims Coach Manuel Kofler bestätigt: „Die Scorpions sind brutal stark. Wir haben vierzig Minuten sehr gut gespielt, haben im dritten Drittel unsere Leistung hintenangestellt und sind dafür bestraft worden. Jetzt müssen wir am Sonntag unbedingt das Spiel gewinnen, meine Taktik steht fest.“

Da kann man gespannt sein, denn in der Tat, die Rosenheimer zeigten läuferisch, spielerisch und taktisch für die bereits erwähnten 40 Minuten eine starke Leistung. Allerdings waren sie auch vom Glück begünstigt, denn bereits nach drei Minuten startete Starbulls-Kontingentspieler Vitezlav Bilek einen Sololauf. Keiner der anwesenden Scorpions-Verteidiger sah sich genötigt, härter einzugreifen, und prompt hieß es 0:1. Ein Einstand nach Maß für die Bayern und ein Schreckensszenario für die Scorpions, die sich an den Start im ersten Play-off-Spiel gegen Weiden erinnert fühlten. Als sich eine Minute später, dann allerdings nacheinander, gleich zwei Scorpions auf die Strafbank verzogen und die Starbulls für 60 Sekunden doppeltes Überzahlspiel üben konnten, da wurde einem um die Scorpions angst und bange aber die Bayern waren wohl von ihrem Glück zu sehr geschockt, denn bis auf zwei Situationen wurde Scorpions-Keeper Christoph Mathis nicht schwer geprüft. Überhaupt lief das Spiel jetzt und auch im kompletten Mitteldrittel nach dem gleichen Schema ab. Die Rosenheimer füllten mit ihrem Personal das Mitteldrittel, versuchten die Laufwege der Gastgeber zuzustellen und wenn sich mal die Scorpions durchsetzten, was selten genug war, fuhren die Starbulls sofort gefährliche Konter. Zum Glück für die Mellendorfer hatte ihr Schlussmann Christoph Mathis sich vor dem Spiel keinen Espresso zu viel gegönnt. Er war nicht nur hellwach, er zeigte auch keinerlei psychische Schwächen und er bügelte im Stile seines Vorgängers Björn Linda die Schwächen seiner Vorderleute bei einem Dutzend Möglichkeiten der Rosenheimer aus.

Auch wenn die Scorpions das zweite Drittel mit Vollgas begannen. Nach etwa sieben Minuten hatte sich das Engagement verflüchtigt. Die Rosenheimer übernahmen mit leisen Schritten das Kommando und hatten keinerlei Probleme, dem Gegner die Lust am Spielen zu nehmen. Als dann in der 33. Minute Alexander Höller den Rücken von Mathis zu einem Schuss mit Billard-Effekt nutzte und dabei das 2:0 für die Gäste erzielte, da schien die Partie gelaufen zu sein. Zu abgeklärt hatten sich bis dahin die Gäste gezeigt. Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass trotz aller Rosenheimer Stärke die Scorpions sich durchaus ein paar hochkarätige Torchancen erarbeiteten. Strakhov, Koziol, Bombis und Martin standen teilweise völlig frei vor Lukas Steinhauer, aber das Rosenheimer Eigengewächs war nervenstark wie ein Pokerspieler ohne Sonnenbrille und wuchs über sich hinaus.

Wie aus dem Nichts fiel dann doch noch der Anschlusstreffer. Die Starbulls wollten im Powerplay ihre Formation aufbauen, verloren den Puck an Dejdar, der schickte den schnellen Sean Fischer und dieser versenkte die Scheibe an Steinhauer vorbei zum Anschlusstreffer. Scorpions-Coach Dieter Reiß: „Der entscheidende Moment. Auf einmal klappte alles und wir waren wieder dran.“ Tatsächlich vollzog sich eine scheinbare Mutation bei den Gastgebern. Diese setzten die Starbulls stellenweise schwer unter Druck und in der 54. Minute passierte es. Unter dem Jubel der fast 2000 einheimischen Fans, fünfzig kamen aus Rosenheim, wuchtete Topscorer Patrick Schmid die Scheibe ins Netz. Wie aus dem Nichts hatten die Scorpions einen Rückstand egalisiert und wurden In ihrem Jubel fast noch bestraft. Zwei Minuten nach dem Ausgleich standen neben Müller noch zwei weitere Rosenheimer vor Scorpions-Keeper Mathis und versemmelten die Chance. Das musste sich rächen und tat es dann auch, allerdings nicht innerhalb der regulären sechzig Minuten. In der Verlängerung tat sich zunächst nicht viel. Beide Teams versuchten Fehler zu vermeiden und in der 64. Minute war es dann soweit. Die Rosenheimer Defensive versuchte die Scheibe aus dem Drittel zu bekommen, stellte sich nicht besonders geschickt an und der Nutznießer war Patrick Schmid. Der Franke in Mellendorfer Diensten fackelte nicht lange und das Spiel war entschieden.

Eine gute Leistung bot im Übrigen auch das Schiedsrichter-Trio um Hauptschiedsrichter Marc-Andre Naust. Naust ließ das Spiel gekonnt laufen, als er merkte, dass sich beide Teams auf ihre spielerischen Qualitäten besannen, pfiff nur das notwendige und auch seine Linienrichter waren von schauspielerischen Ausflügen, zum Teil jedenfalls, weit entfernt.

Tore: 0:1 (2:25) Bilek (Vollmayer, Frosch), 0:2 (33:00) Höller (Baindl, Fröhlich/5-4), 1:2 (43:23) Fischer (Dejdar, Wilkins/4-5), 2:2 (53:35) Schmid (Bombis), 3:2 (63:20) Schmid (Wilkins, Bombis). Strafen: Hannover 10, Rosenheim 8. Zuschauer: 2019.


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