Füchse demonstrieren Klasse bei den IndiansDuisburg besiegt Hannover mit 9:4

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Der Start war klasse, von beiden Teams. Bis zur 25. Minute gab es keinen echten Klassenunterschied zu sehen. Dann gaben die Duisburger Füchse Gas, die Hannover Indians waren kurzfristig nicht vorhanden und am Ende stand ein 9:4 (2:1, 5:2, 2:1) für den Tabellenführer der Oberliga Nord, der nicht im Entferntesten an einen derart klaren Sieg geglaubt hatte. Jetzt heißt es für die Indians Wunden lecken, die Fehler analysieren und frisch dynamisch die wichtigen Spiele gegen Braunlage (2.2.) und Essen (5.2.) anzugehen.

Bereits in den ersten drei Minuten war deutlich zu sehen, dass zwischen dem ängstlichen, frisch gebackenen Nordvizemeister des März 2015 und den Indians vom Januar 2016 ein klarer Unterschied bestand. Von Anfang an zeigte sich ein Vorteil für den Oberliga-Vizemeister von der Wedau, der mit mehreren Spielern mit DEL-Erfahrung (1074 Spiele) antrat und sofort in Spielordnung, Spielaufbau und hervorragender Schlittschuhtechnik auftrat. Auf der anderen Seite Indians, gestärkt von den  letzten Erfolgen, u.a. auch dem extrem knappen 2:3 im Duisburger Hinspiel, die kampfkräftig auftraten und kaum Respekt vor den Westdeutschen zeigten.

Das 1:12 vom März im Vorjahr war vergessen, der Gegner beeindruckt (Füchse-Coach Brian McCutcheon: „Die Indians waren am Anfang stark und wir hatten Glück, schnell in Führung gehen zu können.“). Die Antwort der cleveren Westdeutschen war eine verstärkte Härte, die man so in der Oberliga nicht sehr gewohnt ist. Erstes Opfer war Lukas Valasek, der von seinem Gegenspieler in die Bande gerammt wurde und erst einmal liegen blieb. Erstaunlich an der Aktion war, das Hauptschiedsrichter Martin de Wilde, aus den Niederlanden scheinbar Härte gewöhnt und im Laufe des Spieles Dinge sehend, die keinem auffielen, in diesem Fall weiterlaufen lassen wollte und erst, als Valasek einfach liegen blieb, zum Tatort fuhr. Eine Strafe fiel aus und damit war dem Tabellenführer klar, dass er sich in Sachen Härte einiges herausnehmen durfte. Ein echter Vorteil und der zweite folgte sogleich. Raphael Joly setzte sich bereits in der dritten Minute im Slot durch und besorgte das 0:1. Der Plan von ECH-Trainer Fred Carroll war durchkreuzt und es sollte noch schlimmer kommen. Mike Schmitz nutzte einen Querpass von Joly, nahm eventuell auch den Schlittschuh zu Hilfe, zumindest meinte das nach dem Einschlag Indians-Keeper Boris Ackers, und es stand 0:2. Jetzt sah es übel für die Indians aus, sollten sie wieder kommen? Tatsächlich berappelten sich die Gastgeber, griffen jetzt deutlich früher an und nahmen auch die Härte der Duisburger an mit dem Ergebnis, dass diese sich, vielleicht auch etwas überrascht etwas zurücknahmen. Trotzdem reichte es noch zu einigen Chancen, meistens von den beiden Kanadiern Niddery und Joly initiiert, die kaum zu stoppen waren. Dass die Indians noch lebten, zeigte sich in der 18. Minute. Nachdem zuvor schon Duisburgs Torhüter Sebastian Stefaniszin mehrfach in höchster Not retten musste, war er endlich, aus hannoverscher Sicht, machtlos. Schütt versuchte einen Schuss, es wurde mehr ein Pass und auf einmal stand Bradley McGowan frei vor dem Keeper und es stand 1:2. Es schien, als hätte dieses Tor Energien freigesetzt, denn im gleichen Stil ging es im zweiten Drittel weiter.

Duisburg kam aus der Kabine und hatte zunächst auf den aggressiven Stil der Indians keine Antwort. Boris Ackers bekam kaum etwas zu tun, das Spiel verlagerte sich deutlich in die Duisburger Hälfte. Zu diesem Zeitpunkt hätte man als Wettanbieter für ein 4:9-Endergebnis vermutlich Topquoten erzielt. Der Lohn für die unermüdlichen Angriffe war dann das 2:2. McGowan bediente den slowakischen Neuzugang Michal Kokavec (Indians-Coach Carroll: „Der Michal ist heute Morgen hier angekommen und steht schon für uns auf dem Eis. Unter diesen Voraussetzungen hat er ein gutes Spiel gemacht. Für die Zeit, in der Oliver Duris ausfällt, werden wir sicherlich noch viel Freude haben.“) und dieser hatte keine Mühe, den Ausgleich zu markieren.

Was dann folgte, werden die Indians-Fans so schnell nicht vergessen, allerdings im negativen Sinn. War es die Freude über den so schwer erkämpften Ausgleich, war es der Glauben, dass die Duisburger angeschlagen sind, man weiß es nicht. Zunächst durfte sich innerhalb von nur zwölf Sekunden Lars Grözinger zweimal aus nächster Nähe die Ecke aussuchen, dann eiferte ihm Chad Niddery nach und aus dem 2:2 war ein blitzschnelles 2:5 geworden. Das war zu viel für die Indians-Seele und Coach Carroll musste eine Auszeit bemühen, um seine Jungs wieder einzuschwören. Noch war reichlich Zeit für eine Aufholjagd und als Bradley McGowan das 3:5 herausholte, schien die Unmögliche möglich. Für acht Minuten durfte gehofft werden, dann war die Wirkung der Auszeit verpufft (Indians-Coach Carroll: „Wir haben alles vergessen, was wir in der Woche miteinander besprochen hatten.“) Löcher, in die LKWs gepasst hätten, taten sich in der Indians-Defensive auf und wieder wurde Indians-Keeper Ackers mehrfach im Stich gelassen. Zwar konnte er einige Situationen gekonnt meistern, aber bei zwei Gegentoren, markiert von Daniel Kunce und Andre Huebscher, war auch er machtlos. Mit einem 3:7 ging es in die Kabine und das Spiel war entscheiden.

Boris Ackers hatte folgerichtig die Nase voll und verließ das Eis für seinen Back-up Ansgar Preuss. Der 19-jährige Salzgitteraner, wie immer bis in die Haarspitzen motiviert, fügte sich auch sogleich als reaktionsschneller Keeper in das Team ein und verhinderte schnell das 3:8, als sich Niddery, Beck, Tepper und Huebscher  versuchten. Trotzdem schien es zweistellig zu werden, als noch vor der 50. Spielminute Marvin Tepper und Lars Grözinger das Ergebnis auf ein unfassbares 3:9 hinaufschraubten. Erinnerungen an das unselige 1:12 tauchten auf und auch das 2:15 der Braunlager vor einer Woche wurden wach. War es Duisburger Mitleid oder der Wille der Indians das endgültige Desaster zu verhindern? Auf alle Fälle arbeiteten die Gastgeber unverdrossen an einer Ergebnisverbesserung, was ihnen den Beifall und die Gesänge der heimischen Fans einbrachte. Den Abschluss durfte schließlich ECH-Neuzugang Nicolas Turnwald verbuchen, als er eine Lücke in der Duisburger Defensive zum 4:9 ausnutzte.

Was die Fans von dem Ergebnis hielten, zeigte sich nach dem Spiel. In jedem anderen Stadion hätte es ein Pfeifkonzert gegeben, nicht so am Pferdeturm. Das Team wurde mit Beifall in die Kabine begleitet.

Duisburgs Coach Brian McCutcheon: „Die Indians sind besser als das, was sie heute gezeigt haben. Zu Anfang haben wir etwas Glück gehabt, haben mit dem schnellen 0:1 gut vorgelegt.“

Indians-Coach Fred Carroll: „Unser gesamter Gameplan wurde im zweiten Drittel über den Haufen geschmissen. Darüber wird zu reden sein, denn wir brauchen jetzt in der Endphase jeden Punkt.“

Tore: 0:1 (2:36) Raphael Joly (Huebscher, Groezinger), 0:2 (8:32) Mike Schmitz (Joly, Grözinger), 1:2 (17:31) Bradley McGowan (Schütt, Meve), 2:2 (25:50) Michal Kokavec (McGowan, Valasek), 2:3 (26:10) Lars Grözinger (Joly, Huebscher), 2:4 (26:22) Lars Grözinger (Huebscher, Joly), 2:5 (27:12) Chad Niddery (Ziolkowski, Walkowiak), 3:5 (30:49) Bradley McGowan (Gradl, Schütt/5-4), 3:6 (38:50) Daniel Kunce (Neumann, Tepper/5-4), 3:7 (39:26) Andre Huebscher (Grözinger, Joly), 3:8 (45:56) Marvin Tepper (Bauermeister, Kunce), 3:9 (49:29) Lars Grözinger (Walkowiak, Huebscher), 4:9 (55:28) Nicolas Turnwald (McGowan, Schütt).  Strafen: Hannover 8, Duisburg 8. Zuschauer: 2.588.

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