„Die Trainingsintensität aus Schweden implementieren“Robin Beckers vom Krefelder EV im Hockeyweb-Interview

Robin Beckers ist zukünftig U16-Nationaltrainer.Robin Beckers ist zukünftig U16-Nationaltrainer.
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Wie ist die Saison 2018/19 für den KEV insgesamt gelaufen? Was war positiv? Was ist verbesserungswürdig?

Die Saison ist für die meisten Teams im Nachwuchs sehr gut gelaufen. Unsere U7 und U9 hat einen großen Schritt nach vorne gemacht und ist nach kleinen Anlaufschwierigkeiten in der Spur und absolut konkurrenzfähig zu den Topclubs in NRW. Unsere U11 spielt um die NRW-Meisterschaft und wird diese wohl gewinnen. Mit insgesamt drei U11-Teams sind wir in drei Ligen vertreten und gehören überall zur Spitze. Die U13 hat eine überragende Saison gespielt, sich toll entwickelt und am Turnier in Landshut der jeweiligen Gruppenersten aller deutschen Top U13 Ligen teilgenommen. Im Jahrgang 2006 sind wir glänzend aufgestellt und haben eine breite und talentierte Mannschaft. Die U15 hat sich stark stabilisiert im Gegensatz zur vergangenen Saison, muss aber immer noch zulegen. Die U17-Saison ist nicht ganz optimal gelaufen, aber man sieht, dass die Jungs wollen und immer besser werden. Wir haben seit langer Zeit die Endrunde um die deutsche Meisterschaft verpasst. Die U20 hat den Wiederaufstieg in die Division I gepackt und eine überragende Saison gespielt. Vor allem die Moral der Truppe ist top! Die Entwicklung unserer Spieler steht im Vordergrund und wir sind stolz, im unteren Bereich wieder so viele Spieler auszubilden. In der U15 und U17 müssen wir verstärkt auf die technische Weiterentwicklung unserer Spieler achten, damit wir die Spitze wieder angreifen können.

Wie viele Mitglieder hat der Verein? Wie viele Spielerinnen und Spieler sind auf die verschiedenen Altersklassen verteilt?

Wir haben aktuell etwa 200 aktive Spieler in unserem Verein und wenige passive Mitglieder. Im Bereich U9 sind es an die 45 Kinder, in der U11 an die 50. Ab der U13 reduzieren sich die Kader auf 20-30 Kinder. Hier hatten wir in den letzten Jahren eine hohe Dropout-Rate durch Wechsel zu anderen Vereinen und beenden der Laufbahn.

Haben Sie in der täglichen Trainingsarbeit etwas erneuert? Gibt es (z.B. trainingswissenschaftliche) Erkenntnisse, die für Innovation auf dem Eis sorgen?

Im Trainerteam haben wir unser On-Ice-Training grundlegend im unteren Bereich geändert: Wir arbeiten an der Technik und dem Spielverhalten, sowie der Spielkreativität unserer Jungs und Mädels. Dabei trainieren wir viel in Stationen. Im Training gibt es keine A- und B-Mannschaft mehr. Alle Kinder erhalten die gleiche Ausbildung von den gleichen Trainern. Dabei sind wir alle auf einer Linie. Aus Schweden habe ich einige Ansätze mitbringen und integrieren können. Vor allem die unglaubliche Trainingsintensität versuchen wir zu implementieren. Off-Ice achten wir neueren Erkenntnissen nach vor allem auf optimale Ausführung der Grundbewegungen, koordinative Ausbildung der Kinder und Jugendlichen und arbeiten viel mit der Langhantel, zunächst an der Technik und später am Gewicht. Neuere Trainingsmethoden wie HIIT (High Intensive Intervall Training) oder andere finden immer wieder den Vorzug im Ausdauerbereich vor stupidem Laufen. Mit Karl Schwarzenbrunner – DEB-Ausbildungs- und Lehrwart – bin ich in regem Austausch und hole mir in Aus- und Fortbildungen neue Anreize für den Off-Ice Bereich.

Verfolgen Sie wissenschaftliche Studien? Gibt es Studien, die Ihnen besonders imponieren beziehungsweise Sie beeinflussen?

Seit dem Abschluss an der deutschen Sporthochschule Köln hole ich mir den Input vor allem aus Aus- und Fortbildungen. Neben meinen Trainerscheinen im Eishockey habe ich im letzten Jahr auch meinen Functional-Trainer gemacht. Hier hole ich mir neue Infos und bleibe auf dem aktuellen Stand. Studien sind es derzeit eher weniger.

Der Verein sorgt mit der Oberliga-Planung für Aufsehen: Wie laufen die Planungen mit dem U23-Projekt? Inwiefern sind Sie involviert?

Die Planungen laufen auf Hochtouren. Derzeit ist Elmar Schmitz mit vielen Spielern im Gespräch – ehemalige Krefelder, Nachwuchsspieler aus ganz Deutschland und wenige erfahrene Spieler – und versucht den Kader für die kommende Saison zu planen. Viele Krefelder U20-Spieler werden dabei sein. Darum geht es ja letztendlich: Den Krefeldern einen Weg über die Oberliga in die DEL zu ermöglichen. Selbstverständlich sind aber auch Nicht-Krefelder an diesem einmaligen Konzept interessiert. Denn es gibt keinen Standort in Deutschland, der Nachwuchs, Oberliga und DEL in wenigen Metern Entfernung bieten kann. Mit Pinguine Sportdirektor Matthias Roos ist Elmar Schmitz in regem Austausch und hat zuletzt das Iserlohner Talent Tom-Eric Bappert als Neuzugang vorstellen können. Ich persönlich bin nur am Rande involviert. Natürlich werde ich informiert. Die sportliche Leitung und Planung dieses Projekts liegt auf Seiten des KEV aber bei Sportvorstand und DNL-Headcoach Elmar Schmitz.

Wie sieht Ihr weiterer persönlicher Weg aus? Wie lange möchten Sie noch beim KEV arbeiten? Welchen nächsten Entwicklungsschritt sehen Sie für sich?

Ich werde in der kommenden Saison beim KEV ein älteres Team coachen. Das steht fest. So stelle ich mir auch meine Entwicklung als junger Trainer vor: Als Assistent der U16 ging es los. In der U8 und U14 habe ich als verantwortlicher Trainer weitergemacht, letztes Jahr war es dann erstmals mit der U15 ein Team im Leistungsbereich. Der nächste Schritt ist die nächsthöhere Altersklasse. Momentan ist geplant, dass ich in der kommenden Saison das DNL-Team übernehme. Von da aus vielleicht eines Tages in den Seniorenbereich. Ich bin froh, in Krefeld die Chance zur Entwicklung erhalten. Wie lange ich in Krefeld sein werde, kann ich nicht prognostizieren. Ich bekomme viel Verantwortung und Unterstützung und das ist für einen jungen, deutschen Trainer sicherlich am Anfang sehr wichtig.

Sie wurden im vergangenen Jahr zum Nachwuchstrainer des Jahres gewählt. Hat sich dadurch etwas verändert? Stehen Sie seitdem mehr im Fokus?

Nein. Kurz danach haben viele gratuliert, manche waren über meine Wahl nicht begeistert. Ich bin noch nicht lange dabei und sicherlich waren viele Trainer, die schon länger im Nachwuchs tätig sind, gute Kandidaten. Daher kann ich ein wenig den Ärger verstehen. Dennoch habe ich mich persönlich unglaublich über die Auszeichnung gefreut und gerade in einer unangenehmen Saison hat mir der Titel auch wieder Aufwind und Motivation gegeben. Im Fokus von Presse, anderen Vereinen o.ä. stehe ich meines Wissens nach nicht.

Der DEB hat vor längerer Zeit Powerplay26 zur Verbesserung der Nachwuchsarbeit ins Leben gerufen. Merken Sie in Krefeld deutliche Fortschritte?

In Krefeld haben wir lange Zeit zur Spitze Deutschlands gehört. Denn unsere Nachwuchsarbeit war immer gut. Peter Kaczmarek hat schon früher viel Wert auf Schlittschuhlaufen und Technik gelegt. Deshalb hatten wir immer gut ausgebildete Spieler und sportlichen Erfolg. Es wurde eher auf die Spitze und das Gewinnen von Spielen, weniger auf die breite Ausbildung geachtet. Das hat sich bei uns etwas geändert. Wir definieren Erfolg in der Ausbildung unserer Spieler. Ein Erfolg ist, wenn ein Marcel Noebels in Berlin zu den Top-Stars zählt oder Pascal Zerressen in Köln und Olli Mebus in Nürnberg zu den Topverteidigern gehören und andere unserer Spieler den Sprung auf die andere Straßenseite zu den Pinguinen schaffen. Woran wir eine Änderung aber vor allem merken ist die Tatsache, dass viele Vereine in der Ausbildung aufholen. Vor allem die, die finanziell und strukturell besser aufgestellt sind oder sich in den vergangenen Jahren besser haben aufstellen können. Beispiel Dresden, die mit einem neuen Trainings- und Spielkomplex in der Nachwuchsarbeit mächtig zugelegt haben. Das ist einerseits großartig für das deutsche Eishockey. Andererseits wird es für uns immer schwerer, die Auflagen des Fünf-Sterne-Programms zu erfüllen und mit den strukturellen und finanziellen Problemen den sportlichen Anschluss zu halten. Viele traditionelle Vereine – gerade in Bayern – scheiterten in letzter Zeit.

In Krefeld gibt es wieder drei Eisflächen (Yayla-Arena, Rheinlandhalle, Werner- Rittberger-Halle). Ist die Situation jetzt zufriedenstellend?

Wir können ganz klar sagen: Jein! Drei Eisflächen sind super. Jedoch teilen wir uns die Flächen mit Eiskunstlauf, Eisstockschießen, Eistanz, Hobby-Mannschaften usw. Die Yayla-Arena hilft uns unglaublich und unterstützt, wo sie kann. Durch Veranstaltungen fallen jedoch immer wieder Zeiten weg. Die Werner-Rittberger-Halle ist ein Segen, öffnet jedoch immer erst im Oktober. Uns fehlen definitiv Möglichkeiten, ein gute Trockentraining durchzuführen, moderne Kabinen und Trockenräume. Über der Rheinlandhalle hängt jedes Jahr das Damoklesschwert. Zufriedenstellend wäre, wenn sich die Krefelder Politik endlich zu einem Neubau durchringen würde.

Für die kommende Spielzeit hat der KEV mit Dennis Weidenbach einen weiteren hauptamtlichen Trainer verpflichtet. Wie sind Sie auf ihn gekommen?

Mit Dennis Weidenbach habe ich meinen B-Schein gemacht und mehrere Future Camps betreut. In dieser Zeit habe ich viel über seine Arbeit in Bietigheim mitbekommen und wir haben uns auch in den Zwischenzeiten immer wieder ausgetauscht. Bietigheim hat eine starke Nachwuchsarbeit aufgebaut, an der vor allem auch Dennis einen großen Anteil hat. In der U13 gehören die Steelers mittlerweile sogar zur deutschen Spitze. Als die Stelle hier frei wurde, habe ich direkt an Dennis gedacht. Er ist ein junger und wissbegieriger, sowie lernwilliger Trainer. Mir nicht unähnlich. Wir haben viele gleiche Denkweisen und Ansätze, Eishockey zu lehren. Als ich ihm von der freien Stelle in Krefeld berichtete, hat er sich sofort beworben, war zur Vorstellung mehrfach in Krefeld und hat schlussendlich auch unterschrieben. Es freut mich sehr, dass er sich für Krefeld entschieden hat, denn Angebote, vor allem im Süden, hatte er genügend.



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