Die Hannover Scorpions wollen es wissen 2:0 gegen die Tilburg Trappers

(Foto: Manfred Schneider)(Foto: Manfred Schneider)
Lesedauer: ca. 4 Minuten

Im Gegensatz zu den Trappers aus Tilburg, die nach dem Spiel frustriert und wortkarg das Weite suchten und vermutlich die gesamte Strecke nach Hause überlegt haben, was alles falsch lief.

Da kann ein Blick auf eine bestimmte Statistik helfen und zwar der auf die Scoring-Effizienz. In 13 Spielen schossen die Scorpions 312 Mal auf das gegnerische Tor, trafen 40 Mal und kommen auf einen Prozentwert von 12,8 Prozent. Zum Vergleich: Die führenden Deggendorfer stehen bei 16,4 Prozent. Die Tilburger jedoch, die für sich in Anspruch nehmen können, Scorpions-Keeper Linda stets warm gehalten zu haben, schossen in 13 Spielen gleich 425 Mal auf das gegnerische Tor, ein absoluter Bestwert, trafen  jedoch nur 38 Mal was genau 8,9 Prozent entspricht. Auch in dieser Partie lautete das Schussverhältnis am Ende 47:28 für die Tilburger, aber auf der Anzeigetafel stand eine Null, ein unterirdischer Wert.

Zum Spiel: Nach einer Schweigeminute für die 15 Opfer des furchtbaren Busunfalls in Kanada, bei dem fast die Hälfte der Mannschaft der Humboldt Broncos aus der SJHL (Saskatchewan Junior Hockey League) ihr Leben verlor und es noch mindestens 15 weitere Schwerverletzte gibt, von denen einige noch um ihr Überleben kämpfen, begann die Partie mit fast zehn Minuten Verspätung. Auch eine Folge des Besucherandrangs, denn 1800 Zuschauer sind für die Mellendorfer eine sensationelle Zahl, die nur zweimal im Jahr pulverisiert wird, wenn nämlich die Nachbarn vom Pferdeturm aufkreuzen.

Die Gastgeber, die ohne ihren Leader Björn Bombis (Rippenprobleme) spielten, sahen sich von Anfang an in der Defensive, auch wenn der erste Schuss von Niddery abgefeuert wurde. Scorpions-Coach Dieter Reiß wusste von Anfang an, dass es ein laufintensives Duell werden wird und wollte mit schnellen Wechseln von Anfang an Kraft sparen. Stellenweise wurde am Anfang alle 40 bis 50 Sekunden durchgewechselt und auch die Niederländer, die zwar mit vollem Personal angereist waren und dennoch stellenweise auf drei Reihen umstellten, wechselten relativ fix. Diese schnellen Wechsel plus einer gewissen Nervosität, das tat dem Spiel nicht gut. Zwar gab es im Gegensatz zum ersten Spiel in Mellendorf weniger Fehlpässe aber vieles spielte sich im Mitteldrittel ab und beide Torhüter hatten längere Ausruhphasen. In solchen Phasen kann man kalt werden und vermutlich war dies auch das Problem von Tilburgs Keeper Meijerdres. Ihm unterlief beim 0:1 in der 13. Minute ein folgenschwerer Fehler, als er die kurze Ecke nicht komplett abdichtete und Sean Fischer genau das freie Loch zur Führung fand. Das Tor war nicht unverdient und dennoch zum diesem Zeitpunkt etwas glücklich für die Scorpions.

Auch das zweite Drittel, besonders der Beginn, ähnelte der ersten Begegnung von vor vier Tagen. Die Tilburger ergriffen sofort die Iniative, schossen aus fast allen Rohren aber das Zielwasser hatten sie wohl an der Grenze abgegeben. Somit waren die Marschroute der Scorpions vorgegeben, d.h. in der Defensive sicher stehen und auf Konter hoffen. So hatte Weist nach einem Vogelaar-Fehler eine Riesenmöglichkeit, aber auch auf der anderen Seite konnte sich Linda auszeichnen, als er eine Chance von Bowles im direkten Duell vereitelte. Überhaupt fiel auf, dass es in dieser Phase nur zu spannungsgeladenen Situationen kam, wenn im neutralen Drittel durch Konzentrationsfehler der jeweilige Gegner aufgebaut wurde. War es eben noch Weist bzw. Bowles, so kam es eine Minute später wieder zu einer solchen Situation, als zunächst Blank (Scorpions) an Meijerdres scheiterte und kurz darauf erneut Bowles diesmal sogar das leere Tor verfehlte. Vermutlich hätte Trappers-Coach Bohuslav Subr in dieser Situation vor Frust ein Beißholz komplett durchgebissen. Wie man es besser macht, demonstrierte der erste Scorpions-Sturm in der Schlussminute. Wieder setzte Gibbons zu einem Slalomlauf an, passte zu Niddery, der den an der blauen Linie freien Sean Fischer sah und dieser hielt einfach drauf. Der Puck, nicht scharf geschossen aber vermutlich zu spät für Meijerdres sichtbar, schlug in der oberen linken Ecke ein und es stand 2:0. Und das bei 21:9 Torshcüssen für die Trappers.

Wie zu erwarten war, ging das Einbahnstraßen-Eishockey im dritten Drittel weiter. Allerdings mit leicht geänderten Vorzeichen. Die Trappers, denen das Duell ebenfalls viel Kraft gekostet hatte, waren bei weitem nicht mehr so präzise wie 20 Minuten vorher. Vieles war Stückwerk und dazu kam, dass es sie sich auch einige unnötige Fouls leisteten. Der Höhepunkt war dabei die 49. Spielminute, wo die Scorpions nach Strafzeiten für de Hondt und Bowles 88 Sekunden ein doppeltes Überzahlspiel hatten. Zwar spielten sich vor dem Tor von Meijerdres turbulente Szenen ab, aber die Scheibe fand nicht den Weg zwischen die Pfosten und es blieb spannend. Nachdem Spelleken Meijerdres zu einem zweiten Topsave zwang, fingen die Tilburger endlich wieder an Torchancen zu kreieren. Bastings, Collier, Montgomery und Nagtzaam scheiterten nacheinander in aussichtsreichen Situationen und auch als Schütt fast zwei Minuten vor Schluss auf die Strafbank musste, Trappers-Coach Subr seinen Mannen mit einer Auszeit Kraft sparen half und natürlich seinen Torwart vom Eis nahm, es half nichts. Am Ende hatten die Scorpions verdient mit 2:0 gewonnen und somit muss der fünfte Spieltag dieser Serie am Dienstag in Tilburg entscheiden, wer in das Oberligafinale gegen Deggendorf einziehen darf.

Tilburgs Teammanager de Rooij: „Eine Niederlage, die wir uns selbst zuzuschreiben haben. Die Scorpions sind keineswegs besser als Regensburg, trotzdem haben wir unsere Probleme. Am Dienstag werden wir mit Sicherheit besser spielen.“

Scorpions-Coach Dieter Reiß: „Über meine Mannschaft kann ich nur staunen. Auch wenn wie mit Björn Bombis ein echter Leistungsträger fehlt, wird dieses Manko vom Rest des Teams ausgeglichen. Wir haben dem Gegner kaum echte Chancen zugestanden und jetzt wird es spannend zu sehen, wie die Tilburger mit dem Druck umgehen können.“

Tore: 1:0 (12:04) Fischer (Niddery, Gibbons), 2:0 (39:59) Fischer (Niddery, Gibbons). Strafen: Hannover 4, Tilburg 6. Zuschauer: 1801.


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