Derby-Wahnsinn in DuisburgFüchse gewinnen gegen Herne nach 0:4-Rückstand

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Als Frank Petrozza in der 27. Minute seine Auszeit nahm, obwohl seine Mannschaft zu diesem Zeitpunkt führte, hatte der Trainer des Herner EV wahrscheinlich das unangenehme Gefühl eines Deja-vus. Am 14. Dezember 2014 führte das Team vom Gysenberg an der Wedau nach 40 Minuten mit 4:1 – doch der EV Duisburg setzte sich mit sechs Treffern im Schlussabschnitt mit 7:4 durch. „Unglaublich, einfach unglaublich“, war das Erste, was der frühere Fuchs damals nach dem Spiel herausbrachte. Diesmal führte Herne im Oberliga-Spitzenspiel schon mit 4:0 – und das nach kaum mehr als 14 Minuten, doch plötzlich kam der EVD auf 3:4 heran. Und tatsächlich gewannen die Duisburger mit 7:6 (1:4, 2:1, 3:1, 1:0) nach Verlängerung.

Die Füchse und ihre Fans brauchten erstmal eine ganze Zeit, um zu verdauen, was da zum Auftakt des Spiels passierte. Schon nach 91 Sekunden rutschte ein Schuss von Sam Verelst zur Herner Führung durch. Der Schreck war wohl groß, zumal der EVD auf einige wichtige Spieler verzichten musste. Verteidiger Yannis Walch fehlte ohnehin wegen einer Spieldauerstrafe im Spiel bei den Icefighters Leipzig. Kurzfristig mussten aber auch die Stürmer Viktor Beck und Patrick Klöpper krankheitsbedingt passen – ausgerechtet zwei Spieler, die dafür da sind, ordentlich Tempo zu machen, und die zuletzt in starker Form spielten. Und Herne sah gar nicht ein nachzulassen. Einen Querpass von Brad Snetsinger nutzte wieder Verelst. Abgefälscht zwar, aber als Spitzenreiter gelingen solche Dinge. Als sich Chris St. Jacques eine Strafe beim Kampf um den Puck eingefangen hatte, traf wieder Verelst auf Snetsinger-Vorlage zum 3:0. Und einen eher harmlosen Schuss von Alexander Eckl machte Christian Nieberle fies; der Puck sprang auf – und ins Tor. 0:4 nach 14 Minuten und fünf Sekunden. Die Fans wurden sauer, die Füchse waren völlig verunsichert.

Aber nicht raus aus dem Spiel. In Überzahl verkürzte André Huebscher noch im ersten Drittel, ehe die Füchse wie ausgewechselt aus der Kabine waren. Plötzlich spielten die Gastgeber bissig, hart in den Zweikämpfen und mit Zug zum Tor. Eigenschaften, die vor der Pause vornehmlich auf Herner Seite anzutreffen waren. Nach Pass des bärenstarken Norman Martens war der oft gescholtene, weil lange Zeit nicht wirklich starke St. Jacques durch – und verwandelte seinen Alleingang zum 2:4 (23.). Das schien den Kanadier zu beflügeln. Er gab Gas – und eine Traumvorlage des Stürmers verpasste Martens nur knapp. Doch in der 27. Minute war Lars Grözinger mit dem 3:4 zur Stelle. Die Füchse waren zurück. Die Fans auch.

Das Derby war endlich auf beiden Seiten angekommen. Und Petrozzas Auszeit kam offenbar zur rechten Zeit. Herne sammelte sich, stabilisierte sich. In Überzahl verschafften sich die Gäste wieder Luft. Verelst mit seinem vierten Treffer markierte das fünfte Tor der Gäste.

Der Auftakt in den letzten Abschnitt wäre den Füchse beinahe erneut gelungen; doch der vermeintlichen 4:5-Anschlusstreffer aus dem Gewühl wurde wegen hohen Stocks zurecht nicht anerkannt. Eine Minute später scheiterte der aufgerückte Manuel Neumann nach einem Joly-Pass aus  aussichtsreicher Position. Doch in der 47. Minute klappte es dann: Aus der Drehnung nutzte Joly einen Rebound zum Anschlusstreffer. Und es klappte tatsächlich: St. Jacques bestätigte seine steigende Form, als er in der 53. Minute zum Ausgleich erfolgreich war. Doch dann kam Verelst, sein fünftes Tor, das sechste für Herne. Spiel vorbei? Nein, denn dann kam Joly und traf zum 6:6, kurz nachdem EVD-Goalie Peter Holmgren Platz für einen sechsten Feldspieler gemacht hatte. Und die Füchse krönten den Wahnsinn: 35 Sekunden vor Ende der Drei-gegen-Drei-Verlängerung entschied Joly dieses unfassbare Derby.

„Das war ein verrücktes Spiel. Wir haben in den ersten 15 Minuten super angefangen, haben dann aber aufgehört zu spielen“, sagte Hernes Trainer Frank Petrozza. Beim 3:5 dachte ich, dass das Spiel zu unseren Gunsten kippt. Beim 5:6 auch. Wir haben aber einfach zu viele Zweikämpfe verloren.“ Doch Petrozza betonte: „Wir haben nur am ersten Spieltag nach regulärer Spielzeit verloren, seither aber 25 Mal in Folge immer gepunktet.“ EVD-Coach Lance Nethery erklärte: „Das war für die Zuschauer ein sehr unterhaltsames Spiel, für die Trainer weniger.“ Mit einem Augenzwinkern sagte er: „Wir haben gedacht, wir könnten uns etwas schonen. Ab dem zweiten Drittel haben wir dann aber unsere A-Mannschaft aufs Eis geschickt.“ Die Moral der Mannschaft lobte Nethery ausdrücklich. „Das Team hat Charakter und Herz gezeigt. Auch ein großer Dank an unsere Fans für die tolle Unterstützung.“

Tore: 0:1 (1:31) Verelst (Pietsch, Snetsinger), 0:2 (5:46) Verelst (Luft, Snetsinger), 0:3 (10:47) Verelst (Snetsinger, Ackers/5-4), 0:4 (14:05) Nieberle (Eckl), 1:4 (17:19) Huebscher (Grözinger, Martens/5-4), 2:4 (22:08) St. Jacques (Martens), 3:4 (26:15) Grözinger (Joly, Huebscher), 3:5 (31:05) Verelst (Snetsinger, Ackers/5-4), 4:5 (46:05) Joly (Mike Schmitz, Neumann), 5:5 (52:20) St. Jacques (Martens, Mike Schmitz), 5:6 (55:13) Verelst (Luft, Snetsinger), 6:6 (58:09) Joly (Grözinger, Huebscher/6-5), 7:6 (64:25) Joly (Mike Schmitz, Huebscher). Strafen: Duisburg 6, Herne 8. Zuschauer: 2853.

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