Arbeitssieg gegen HamburgNeuwied dreht Partie nach einem 0:3-Rückstand

Lesedauer: ca. 4 Minuten

„Och, also wegen uns müsst Ihr nicht wechseln.“ Die Bären haben neue Trikots. Sogenannte Third Jerseys. Die Crocodiles aus Hamburg finden die Trikots echt cool. Und auch die Bärenspieler sagen: „Super Dinger.“ Trotzdem flogen die Schmuckstücke nach 20 gespielten Minuten in den Wäschekorb. Während der EHC im leichten Grauton auflief, spielten die Hamburger in weiß – aus dem Augenwinkel waren die beiden Teams kaum zu unterscheiden. Schmerzhaft war das im ersten Drittel vor allem für das Passspiel der Neuwieder, die Hamburger genossen die zahlreichen Steilvorlagen der Bären dagegen sichtlich. Das Schlusslicht aus der Hansestadt führte zwischenzeitlich mit 3:0, am Ende aber machte der EHC mit einem 6:4 (3:4, 3:0, 0:0) den Arbeitssieg perfekt.

Stell dir vor, du spielst gar nicht gegen Tilburg, und liegst trotzdem nach 21 Sekunden schon mit 0:2 hinten. So geschehen am Freitagabend in der Neuwieder Bärenhöhle. Das erste Drittel zwischen dem 8. der Tabelle und dem 18. glich am Karnevalswochenende im Rheinland einer bunten Kappensitzung – mit viel Abwechslung, ohne System, mit manch echt guter Büttenrede, aber teilweise auch ganz schwachen Tanzeinlagen. „Das war echt nicht lustig“, sagte EHC-Trainer Craig Streu in der Analyse. „In bin jetzt seit knapp 25 Jahren in Deutschland aktiv, aber das ist meine erste Woche in einer Karnevalshochburg. Wir hatten diese Woche nicht nur Schwerdonnerstag, wir hatten auch einen schweren Freitag. Der Spielbeginn war eine brutale Überraschung für uns.“

Nicht anders dürfte das für die Crocodiles gewesen sein. Mit 13 Feldspielern angereist, genossen die sympathischen Hamburger in einem jederzeit fairen Spiel sichtlich die ersten sieben Spielminuten. Denn nach den Toren von Tim Maier (8 Sekunden) und Stefan Tillert (21 Sekunden) traf auch Markus Kankaanranta (7. Minute) – und mit einer 3:0-Führung in Neuwied hatten die Norddeutschen nun wahrlich nicht gerechnet.

„Allerdings haben wir dann die drei Gegentore zum 3:3-Ausgleich viel zu schnell gefressen“, sagte Hamburgs Trainer Sven Gösch. Die erste (halbe) Wende im Spiel leitete ausgerechnet Youngster Max Wasser ein, der einen Alleingang zum 1:3 verwandelte (8.). Danach trafen Brian Gibbons (9.) und Artur Tegkaev (11.) – und alles schien seinen erwarteten Gang zu nehmen. „Da haben wir schon gedacht, jetzt sind wir drin, haben die Partie im Griff“, sagte Streu. Doch Hamburg traf auch noch ein viertes Mal in diesem turbulenten ersten Drittel: Nikolai Varianov schoss in Überzahl eine knappe 4:3-Pausenführung heraus (15.). Bemerkenswert: Trotz des katastrophalen Starts kam nicht ein einziger Pfiff von der Tribüne. Die Neuwieder Fans unterstützten ihr Team auch in dieser teilweise chaotischen und nicht wirklich ansehnlichen Spielphase. „Vielen Dank für die tolle Stimmung“, sagte denn auch der Gästetrainer. „Ein faires Spiel mit einem super Schiedsrichter. Das hat man ja auch nicht so oft“, lobte Gösch den souveränen Unparteiischen Christoffer Hurtik.

Der Schiedsrichter hatten denn auch keine Einwände, als die Neuwieder in der ersten Drittelpause die Trikots wechseln wollten. Eher noch störte sich Hamburg dran. „Wir kommen ganz gut klar“, sagte Gösch mit einem Schmunzeln. „Unsere Jungs hatten echt Probleme mit den Trikots“, sagte hingegen Streu. „Ich habe den Spielern auch gesagt, das darf keine Ausrede sein. Aber sie haben sich damit echt schwer getan und die Scheibe ziemlich oft zum Gegenspieler gepasst.“

Mit den blauen Jerseys auf den Schultern entledigten sich die Neuwieder im zweiten Drittel jeglicher Sorgen. Denn ein Punktverlust in diesem Spiel wäre im Kampf um die Play-offs äußerst schmerzhaft gewesen. Gut nur, dass sie überraschend einen „schmerzfreien“ Josh Rabbani in ihren Reihen hatten. Der Deutsch-Amerikaner hatte sich vor einer Woche an gleicher Stelle im Spiel gegen Tilburg die Hand gebrochen – am Freitagabend stand er wieder auf dem Eis. Die Hand mit Tape fixiert ließ es sich der Stürmer nach dem „grünen Licht“ der medizinischen Abteilung nicht nehmen, wieder aufzulaufen. „Es kann nicht schlimmer werden“, so die Einschätzung. „Dann kann ich auch spielen“, so die Reaktion von Rabbani. Mit gebrochener Hand leitete er die endgültige Wende ein, traf zum 4:4 (29.) und markierte nur eine Minute später das Game-winning-Goal zum 5:4 (30.). Ebenso sehenswert: Der 6:4-Endstand von Felix Köbele – nach wunderbarem Zuspiel von Stephan Fröhlich (36.).

„Wir haben uns hier sehr gut verkauft“, sagte Crocodiles-Trainer Gösch. „Wenn du nach Neuwied fährst, dann bist du mit einem solchen Ergebnis zufrieden. Wir fahren mit einem guten Gefühl wieder nach Hause.“ Schon im Hinspiel hatten sich die Neuwieder beim knappen 5:3 in Hamburg mit diesem Team schwer getan. „Es gibt so Mannschaften, gegen die hast du einfach Probleme“, sagte Streu. „Wir sind heute Abend nicht hochzufrieden. Aber wir haben die drei Punkte, und die kann uns niemand mehr nehmen. Kompliment an Hamburg, beide Spiele waren sehr eng. Wir genießen diesen Sieg heute nicht, sondern fokussieren uns sofort auf das Heimspiel am Sonntag gegen den HSV.“

Tore: 0:1 (0:08) Tim Maier (Markus Kankaanranta), 0:2 (0:21) Stefan Tillert (Semjon Bär, Tobias Bruns), 0:3 (6:15) Markus Kankaanranta (Stefan Tillert, Fabian Calovi/5-4), 1:3 (7:13) Max Wasser (Josh Rabbani, Dennis Schlicht), 2:3 (8:20) Brian Gibbons (Marius Erk, Deion Müller), 3:3 (10:12) Artur Tegkaev (Stephan Fröhlich, Thomas Ziolkowski), 3:4 (14:18) Nikolai Varianov (Tobias Bruns, Semjon Bär/5-4), 4:4 (28:30) Josh Rabbani (Brian Gibbons, Janne Kujala), 5:4 (29:27) Josh Rabbani (Moritz Schug, Domink Ochmann/5-4), 6:4 (35:41) Felix Köbele (Stephan Fröhlich, Sven Schlicht). Strafen: Neuwied 4, Hamburg 8. Zuschauer: 830.

Diez-Limburg holt in Halle einen Punkt – Hamm überrascht Erfurt
Herner EV gewinnt Verfolgerduell gegen Hannover Indians

​Die Spitzenpositionen in der Oberliga Nord werden immer einsamer. Ganz oben wandeln die Hannover Scorpions, die, ohne zu spielen, immer noch 0,37 Punkte Vorsprung a...

Spiele gegen Leipzig, Herne und Diez-Limburg
Rostock Piranhas als Zwölfter zum Siegen verdammt

​Keine Zeit zum Verschnaufen bleibt den Rostock Piranhas, denn am Freitag startet die nächste Dreierrunde. Zum Auftakt geht es im „Raubfischbecken“ gegen die EXA Ice...

Auswärts bei den Tilburg Trappers
Herforder Ice Dragons läuten Endspurt ein

​15 Spiele in 37 Tagen – der Herforder EV läutet an diesem Wochenende den Endspurt der Hauptrunde in der Oberliga Nord ein. Im Zwei- bis Dreitagesrhythmus geht es bi...

Alle drei Dienstagsspiele gehen an die Gäste
Crocodiles Hamburg schocken Hannover Indians am Pferdeturm

​Die ersten drei der fünf Nachholspiele in dieser Woche gingen durchweg an die Gäste. Die größte Überraschung brachten dabei die Crocodiles Hamburg zustande, die nac...

Das Lazarett ist angewachsen
Vorzeitiges Saisonaus für vier Spieler der Icefighters Leipzig

​Die EXA Icefighters Leipzig geben einen Zwischenstand aus dem Lazarett. Nachdem das Saisonende von Ryan Warttig bereits zu Beginn des neuen Jahres bekannt gegeben w...

Indians nähern sich Halle – Erfurt überholt Leipzig
Tilburg Trappers jetzt alleiniger Scorpions-Verfolger

​Auch wenn die Hannover Scorpions in der Oberliga Nord aus Pandemiegründen erneut aussetzen mussten, eines ist für sie jetzt gewiss. Aus dem Verfolgerzweikampf haben...

Erfurt verpasst Chance, Leipzig einzuholen
Hannover Indians festigen mit klarem Erfolg Rang vier

​Der Tabellenführer der Oberliga Nord aus Mellendorf musste aus pandemischen Gründen auf das Duell mit Halle verzichten und zur Kenntnis nehmen, dass die Tilburg Tra...

HEV trifft im Heimspiel auf Herne
Herforder Ice Dragons wollen zurück in die Erfolgsspur

​Blick nach vorne – der Herforder EV versucht zurück in die Erfolgsspur zu finden. Nach dem 0:8-Debakel gegen den Krefelder EV am vergangenen Dienstag, möchte die Ma...

Oberliga Nord Hauptrunde

Sonntag 28.02.2021
Black Dragons Erfurt Erfurt
- : -
Herforder EV Herford
Crocodiles Hamburg Hamburg
- : -
Tilburg Trappers Trappers
Herner EV Herne
- : -
Rostock Piranhas Rostock
Hammer Eisbären Hamm
- : -
EG Diez-Limburg Limburg
Hannover Indians Indians
- : -
Saale Bulls Halle Halle
Krefelder EV Krefeld
- : -
Icefighters Leipzig Leipzig
Dienstag 02.03.2021
Hammer Eisbären Hamm
- : -
Herforder EV Herford
Herner EV Herne
- : -
Crocodiles Hamburg Hamburg
Black Dragons Erfurt Erfurt
- : -
Hannover Indians Indians
Tilburg Trappers Trappers
- : -
Krefelder EV Krefeld
Rostock Piranhas Rostock
- : -
EG Diez-Limburg Limburg