Achterbahn der Gefühle in HannoverScorpions zeigen gegen Füchse aus Duisburg Moral

Vor dem Duisburger Tor war mächtig was los. (Foto: Christopher Garcia/Hannover Scorpions) (Scorpions)Vor dem Duisburger Tor war mächtig was los. (Foto: Christopher Garcia/Hannover Scorpions) (Scorpions)
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Natürlich lacht man über Sportlerweisheiten, wie „der Ball ist rund“ oder ein „Eishockeyspiel dauert sechzig Minuten“ aber manchmal gibt es Tage oder Situationen, in denen einem diese Weisheiten sofort in den Sinn kommen. Und so war es am Sonntagabend in Mellendorf.

Nach 40 Spielminuten war es still im Stadion. Es waren eh nur 754 Zuschauer anwesend und der Gast aus Duisburg führte, durchaus verdient, mit 5:2. Dabei hatten die Hausherren das superschnelle 0:1, das Berzins noch in der ersten Spielminute erzielt hatte, nach einer längeren Durchschüttelzeit in ein 2:1, mit gütiger Hilfe der an diesem Tage nicht immer sattelfesten Füchse-Defensive, geändert. „Mr.“ Chad Niddery in der neunten und Altmeister Christoph Koziol, zehn Minuten später, hatten eiskalt zugeschlagen und ihren alten Mannschaftskameraden Christoph Mathis im Füchse-Tor überwunden.

Begann das zweite Drittel noch ausgeglichen, war es kurz darauf mit der Herrlichkeit, zumindest aus Scorpions-Sicht, vorbei. Das Drama begann genau in Minute zum Zeitpunkt 23:54. Duisburgs Ziolkowski schoss, Habermann stoppte die Scheibe direkt vor Linda, drehte sich - und traf. Kann passieren, dachte man sich wohl sorglos. Und neun Sekunden später hatte Björn Barta die nächste Lücke ausgemacht und wiederum den bis dahin sicheren Linda bezwungen. Jetzt hatten die Gäste die Oberhand gewonnen und den Scorpions fehlte eine ordnende Hand.

Drei Minuten später der nächste Duisburger Doppelschlag. Nicht innerhalb von neun Sekunden - aber immerhin von einer Minute - versuchten sich Thomas Ziolkowski (28.) und Cornelius Krämer (29.) mit Fernschüssen und zweimal durfte der chancenlose Björn Linda den Puck aus seinem Netz fischen. Dazu Scorpions-Headcoach Dieter Reiß: „In diesem Moment stand ich nahe an einem Herzinfarkt. So etwas darf die Mannschaft nicht zu häufig mit mir machen.“ Linda, in Mellendorf zurecht der „Hexer“ genannt, da er die defensiven Schwächen seiner Mannschaft konstant ausbügelt, zeigte erstmals Nervenschwäche, wollte sich auswechseln lassen. Dazu Dieter Reiß: „Müller ist ein guter Ersatz. Ich wollte ihn erst einwechseln, bin dann aber der Meinung gewesen, dass sich Björn da durchbeißen muss.“

Linda blieb also in seinem Kasten, aber auch andere zeigten ein angekratztes Nervenkostüm. Wie Michael Budd, dessen faustkämpferischen Qualitäten zwar beeindrucken, der aber von Glück reden konnte, dass Schiedsrichter Sven Fischer ihn nicht in die Kabine schickte. Dass dessen Opfer Marius Nägele die gleichen Strafzeiten erhielt (2+2+10), überraschte dann doch etwas. Die Kraft und der Wille war bei den Scorpions da. Aber der Aufbau klappte nicht und die Duisburger, die wohl über ihren Erfolg selbst erstaunt waren, immerhin fehlten mit Slanina und Joly zwei Topscorer, versuchten durch schnelles Umschalten den Gastgebern den endgültigen Todesstoß zu versetzen. Das klappte nicht und wird Duisburgs Trainertandem Petrozza/Pyka richtig geärgert haben, denn in den letzten beiden Spielminuten des Mitteldrittels bekamen sie von Schiri Fischer ein 88-sekündiges doppeltes Überzahlspiel präsentiert, das zwar einige heikle Situationen vor dem Kasten von Linda herauf beschwor, aber im Endeffekt erfolglos blieb.

Das dritte Drittel brachte dann ein Feuerwerk der Emotionen, wie man es selten zu Gesicht bekommt, wobei zu Anfang noch wenig darauf hinwies. Die Duisburger versuchten, das Ergebnis zu verwalten und die bekannte Offensivmaschine der Gastgeber in Schach zu halten. Was ihnen auch fast gelang. Lediglich in der 46. Minute konnte sich Chad Niddery durchsetzen und das 3:5 erzielen, wobei der Treffer trotz Schlittschuhtorverdachts von Schiedsrichter Fischer gegeben wurde. Mit diesem Spielstand ging es weiter bis zur 53. Minute, dann begann die anfangs erwähnte „Emotionsshow“. Patrick Schmid, seines Zeichens Goalgetter, wurde sträflich alleine gelassen und es hieß 4:5. Und vier Minuten später passierte, was nach Murphy passieren muss. Der umtriebige Lenker des Scorpions-Spieles, Björn Bombis, kam frei zum Schuss und glich aus. Das Stadion wurde zum Tollhaus und gleich wieder ruhig gestellt. Die Scorpions, auch nicht gerade die Meister der Konzentration, ließen im Gegenzug Andre Huebscher gewähren und der machte seinem Namen alle Ehre und traf hübsch zum 6:5 für die Füchse. War es das? Nein, natürlich nicht. 18 Sekunden nach der Führung wanderte Duisburgs Walch auf die Strafbank und die „Sechs“, die eben noch geschlafen hatten, korrigierten ihren Fehler mit dem erneuten Ausgleich zum 6:6, erzielt von Sebastian Lehmann.

Auch in der Verlängerung gab es kein Ausruhen. Nicht für die Mannschaften, nicht für die Trainer und nicht für die Zuschauer. Dafür sorgten die Teilnehmer und auch Schiedsrichter Fischer, der in der 63. Minute Barta wegen Haltens auf die Strafbank schickte. Eine diskussionswürdige Strafe, denn in einer solchen Phase reagieren andere Schiedsrichter deutlich weniger sensibel bei einem normalen Zweikampf an der Bande. Zum Glück entschied nicht die Strafe das Spiel, aber 35 Sekunden nach Strafablauf und 18 Sekunden vor Ende fehlte die Kraft, um den freien Sean Fischer am Torschuss zum 7:6 zu hindern.

Füchse-Co-Trainer Reemt Pyka: „Solche Tage wird es immer geben, auch wenn sie bitter sind.  Mit dem 5:2 hatten wir einen komfortablen Vorsprung, den wir am Ende leichtfertig aus der Hand gegeben haben. Dann führten wir noch einmal 6:5 und auch der Vorsprung hat nicht gehalten. So etwas soll uns so schnell nicht wieder passieren.“

Scorpions-Coach Dieter Reiß: „Wenn die Jungs meine Gesundheit ramponieren wollen, sollen sie so weitermachen. Aber im Ernst, im zweiten Drittel musste ich etwas lauter werden und ich habe sie gefragt, wann wir endlich anfangen, Eishockey zu spielen. Das hat ja im letzten Drittel gut geklappt aber wir müssen einfach konstanter spielen. Wir haben ein starkes Team, dass nur funktioniert, wenn wir von Beginn an voll konzentriert arbeiten.“

Tore: 0:1 (00:53) Armands Berzins (Schmitz, Habermann), 1:1 (08:31) Chad Niddery (Schmid), 2:1 (18:30) Christoph Koziol, 2:2 (23:54) Marco Habermann (Ziolkowski, Berzins), 2:3 (24:03) Björn Barta (Verelst, Schmitz), 2:4 (27:35) Thomas Ziolkowski (Schmitz, Barta), 2:5 (28:30) Cornelius Krämer (Verelst, Schmitz), 3:5 (45:36) Chad Niddery (Schmid), 4:5 (53:00) Patrick Schmid (Schütt, Bombis), 5:5 (56:54) Björn Bombis (Schütt, Schmid), 5:6 (57:06) Andre Huebscher (Grözinger, Cespiva), 6:6 (58:01) Sebastian Lehmann (Bombis, Schmid/5-4), 7:6 (64:42) Sean Fischer (Budd, Niddery).

Strafen: Hannover Scorpions: 12+10 (Budd), Duisburger Füchse: 10+10 (Nägele). Zuschauer: 754

 

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