Neuwieder Fans kommen in der Realität an

Bären basteln am personellen FeinschliffBären basteln am personellen Feinschliff
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Wie im Vorjahr startete der SC Mittelrhein-Neuwied zum Auftakt in der Meisterrunde mit einem Auswärtssieg im Penaltyschießen und verlor anschließend das erste Heimspiel glatt - damals wurden die Bären am Saisonende Fünfter und qualifizierten sich für die Play-offs. Nach einem 3:2-Sieg in Weißwasser im Penaltyschießen folgte ein glattes 0:3 gegen München vor 1200 Zuschauern. "Wir haben nicht vier Punkte an diesem Wochenende verloren, sondern zwei gewonnen", fasste Trainer Fred Carroll die beiden Begegnungen seiner Schützlinge zusammen. Bei der Heimniederlage gegen München zeigte sich, wie sehr innerhalb einer Woche die Ansprüche im Neuwieder Umfeld gestiegen sind. Da die Bären mit einem 0:3 noch gut bedient waren, war vom schlechtesten Saisonspiel die Rede. Trainer Carroll kritisierte die "Wir wollen euch kämpfen sehen"-Rufe zu Beginn des Schlussabschnitts. Carroll: "Meine Mannschaft hat 38 Spiele gekämpft. Wir haben auch gegen München bis zum Ende alles gegeben, auch wenn es optisch nicht so aussah. Der Gegner hat mit vier Reihen gespielt, das wird auch sehr schnell außer acht gelassen." Ebenso die Reisestrapazen des Neuwieder Minikaders und die Nachwirkungen des Mammutprogramms seit Weihnachten mit drei englischen Wochen in Folge, die allesamt auswärts absolviert wurden. Dieser Einbruch war lange überfällig. Der Ausflug nach Weißwasser dauerte beispielsweise 21 Stunden, fünf Stunden später ging es Samstagmittag wieder zum Training aufs Eis, um einen Tag später gegen den größten Oberliga-Kader anzutreten. Die personellen Unterschiede machten sich beispielsweise beim Münchner Führungstreffer bemerkbar. Auf Neuwieder Seite standen Eigengewächs Stephan Petry und Zeitsoldat Falk Elzner auf dem Eis (beide waren am Tor schuldlos), auf Münchner Seite spielte da ein Tim Leahy mit, der vergangene Saison noch im DEL-Finale mit den Kölner Haien stand. Nach diesem Rückstand hatten die Gäste leichtes Spiel. Mit dem großen Kader konnte problemlos ein aggressives Forechecking gespielt werden, sodass den schnellen SCM-Stürmern nur wenig Räume blieben um sich einmal durchzusetzen. Unglücklich verliefen die Überzahlsituationen aus Neuwieder Sicht. Jedesmal, wenn es eine Strafe gegen die Gäste vom ausgezeichneten Schiedsrichtergespann um Michael Langer gab, stand der Topsturm um Janne Kujala schon etwas länger auf dem Eis. Folglich musste dann gewechselt werden. Die zweite Überzahlformationen der Bären hatte noch nicht die Durchschlagskraft der Vorrunde, weil mit Todd Johnson ein Schlüsselspieler in diesem Block fehlt. Folglich gelang den Bären gegen München bei numerischer Überlegenheit nur wenig. Im Gegenteil: Das 3:0 erzielten die Gäste im Neuwieder Powerplay. Damit erzielten die Münchner in allen drei Duellen in der Bären-Höhle jeweils einen Shorthander. Gäste-Trainer Michael Eibl formulierte treffend: "Nach dem Weißwasser-Ergebnis von Neuwied sind wir mit etwas Muffensausen angereist. Wir haben aber das Spiel kontrollieren können." Beim ES Weißwasser 48 Stunden zuvor sorgte ein grandioser Torhüter Marc Gronau für den ersten Erfolg einer Neuwieder Mannschaft beim früheren DEL-Team. Für die von Trainer Fred Carroll glänzend eingestellte Neuwieder Mannschaft, die sich sehr defensiv präsentierte, hätte es beinahe zu drei Punkten gereicht. Als Waldemar Gomov in der 57. Minute mit seinem zweiten Tor im Schlussabschnitt das 2:0 für die Bären erzielte, schien die Begegnung bereits entschieden zu sein. In der 58. Minute gelang den Füchsen dann doch der Anschlusstreffer, bevor Sekera fünf Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit das nicht mehr erwartete und letztlich auch verdiente 2:2 markierte. In der Verlängerung begann aus Neuwieder Sicht das große Zittern, die Füchse nisteten sich im SCM-Drittel ein. Die beste Chance in dieser Phase hatten jedoch die Gäste. Janne Kujala scheiterte mit einem Penalty an seinem Landmann Iiro Itämies (63.). Besser machte es Kujala beim Penaltyschießen. Dort traf er dann in seinem Versuch. Nachdem Sami Leinonen ebenfalls traf, konzentrierte sich alles auf den fünften Schützen der Lausitzer. Todd Gill, 1110-maliger NHL-Spieler lief an - und Marc Gronau bereitete sich mit der Parade das schönste Geschenk an seinem 30. Geburtstag in Form von zwei Punkten für die Bären. Zu einem Highlight wird sich das Rückspiel gegen Weißwasser am 27. Februar in Neuwied entwickeln. Die Lausitzer reisen erstmals in ihrer Klubgeschicht mit einem Sonderzug zu einem Auswärtsspiel. Bis dahin hofft SCM-Trainer Fred Carroll auf die Rückkehr von Todd Johnon. "Wenn wir bis dahin in Reichweite zu Platz acht sind, können wir am Ende das Unmögliche schaffen und uns für die Play-offs qualifizieren." (lim)