Nauheim gewinnt in Berlin

"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz
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Was für eine Achterbahnfahrt der Emotionen am heutigen Nachmittag beim 8:6 (2:1, 1:3, 5:2)-Auswärtssieg des EC Bad Nauheim bei den Eisbären Berlin Juniors. Führten die Kurstädter Mitte des Spiels noch mit 3:1, und schien somit alles nach Plan zu verlaufen, lag man Mitte des Schlussdrittels unerklärlicherweise plötzlich mit 6:3 hinten. Eine unglaubliche Aufholjagd sowie viel Moral sorgten am Ende dafür, dass man sich dennoch über nicht mehr für möglich gehaltene drei Punkte freuen darf.

Von Beginn an präsentierten sich die Roten Teufel bissiger als noch am Freitag. Man merkte ihnen deutlich an, dass sie die 1:5-Schlappe gegen Rostock wettmachen wollten. Zunächst schien man allerdings ein wenig übermotiviert zu sein, denn einige Strafzeiten ließen keinen rechten Spielfluss auf beiden Seiten aufkommen. Entsprechend fiel das 1:0 für die Hausherren in der 10.Minute in Überzahl, als Lanny Gare in der Kühlbox saß. Hanusch ließ die Verteidigung mit einer Körpertäuschung aussteigen und traf mit einem Schuss in den Winkel über die Fanghand von Daniel Wrobel, der heute von Beginn an im Tor stand, zur Berliner Führung. Die Gäste antworteten aber prompt: Sven Gerbig schoss in Richtung von Berlins Goalie Albrecht, der das Hartgummi nur nach vorne abprallen lassen konnte. Ryan Hare stand goldrichtig und verwertete den Rebound zum verdienten 1:1-Ausgleich, nachdem die Hessen vor allem bei fünf gegen fünf wesentlich mehr Spielanteile hatten. Dies zahlte sich auch in der Folgezeit aus, denn die Kurstädter machten jetzt mächtig Druck nach vorne. Die größte Chance zur Führung hatte Baldys in der 14.Minute, doch wohl ein wenig überrascht von der guten Möglichkeit verfehlte er das leere Tor nach einem Patzer von Berlins Torhüter. Die ca. 20 mitgereisten EC-Fans mussten in der 17.Minute noch einmal bange Sekunden überstehen, als mit Franz und Lavallee gleich zwei Rote Teufel auf die Strafbank mussten, man überstand diese Zwei-Mann-Unterzahl mit viel Einsatz und Kampfgeist aber schadlos. In der letzten Minute des ersten Abschnittes passte Gerbig im Powerplay von hinter dem Tor auf Eric Haiduk, der mit einem Onetimer zum denkbar günstigsten Zeitpunkt sogar die Bad Nauheimer 2:1-Pausenführung erzielen konnte.

Die Eisbären mussten also die Schlagzahl im Mittelabschnitt erhöhen, was sie zunächst mit Erfolg taten. Wrobel wurde gleich zwei Mal zum Klären in höchster Not gezwungen, um seinem Team den knappen Vorsprung zu wahren. Als Berlins Martens für zwei Minuten draußen saß, war es Lavallee in der 28.Minute, der nach einem Gogulla-Schuss das 3:1 für die Roten Teufel erzielte. Doch damit nicht genug: Bad Nauheim hatte durch Hare (29.) und Schwab (30.) zwei Riesen-Möglichkeiten, um das Match möglicherweise frühzeitig zu entscheiden, doch beide Male machte Berlins Goalie Albrecht ihnen ein Strich durch die Rechnung. In der 34.Minute dann der absolute Bruch im Spiel der Hessen: plötzlich kam keine Scheibe mehr an, auch ließ man dem Gegner zu viel Freiräume. Dies nutzten die Hauptstädter durch Wagner nach einem feinen Pass von Martens von hinter dem Tor zum 2:3, und nur 20 Sekunden später war es der Schwede Swärd, der Wrobel das Hartgummi im zweiten Nachschuss durch die Schoner zum 3:3-Ausgleich stocherte. Natürlich hatten die Hausherren nun Oberwasser und machten weiter Druck in Richtung Bad Nauheimer Kasten. Als man sich bereits mit einem Unentschieden zur Pause abgefunden zu haben schien, und die EC-Abwehrspieler mit den Gedanken wohl schon in der Kabine waren, stand Daniel Weiß 18 Sekunden vor der Sirene ganz frei vor Wrobel und konnte unbedrängt zum 4:3 für die Eisbären einschieben. Mit einer gehörigen Portion Wut im Bauch ging Trainer Fred Carroll entsprechend in die Pause, wo es eine deutliche Ansprache an seine Akteure gab.

Diese zeigte zunächst aber offenkundig keine Wirkung, denn nur 48 Sekunden nach Wiederanpfiff markierte Swärd sogar noch das 5:3 für die Hauptstädter bei einer angezeigten Strafe gegen die Kurstädter. Die Roten Teufel wollten zwar, aber Berlin stand gut in der Defensive und zeigte deutlich, dass sie die ersten Punkte der Saison einfahren wollten. Und es kam auch noch Pech dazu, denn Bielke markierte in der 48.Minute einen kuriosen Treffer zum 6:3 aus einem eigentlich unmöglichen Winkel. Hoffnung kam jedoch noch einmal auf, als Schwab nur 30 Sekunden später den vierten EC-Treffer markierte, nach dem die Hessen wieder mit wesentlich mehr Druck agierten. Der Lohn war das 6:5 durch Lavallee in der 51.Minute, anschließend drängten die Wetterauer auf den Ausgleich. Man spielte fast nur noch im Drittel der Berliner, die einige brenzlige Situationen zu überstehen hatten. Selbst in Unterzahl hatten die Gäste durch Lavallee in der 54.Minute die große Chance zum Ausgleich, doch sein Schuss ging nur Zentimeter am Gehäuse vorbei. In der 57.Minute mussten gleich zwei Berliner auf die Strafbank, und diese Zwei-Mann-Überzahl nutzte Hare auf Zuspiel von Gerbig zum verdienten 6:6. Aber die Roten Teufel wollten mehr, und sie bekamen mehr: Sven Gerbig schnappte sich in der 58.Minute das Hartgummi und verlud Albrecht zum nicht mehr für möglich gehaltenen 7:6 für die Gäste. In der letzten Spielminute nahm Berlins Coach Derek Mayer seinen Torhüter zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis, was Lanny Gare zur endgültigen Entscheidung ins verwaiste Netz der Hauptstädter nutzte. Somit bleibt unter dem Strich nach vier Spielen und drei Siegen die Erkenntnis, dass man in jedem Match kämpfen muss, um erfolgreich sein zu können, dass man im Gegenzug aber auch nervenstark genug ist, um einen solchen Rückstand aufholen zu können. Allerdings dürfte dies nicht immer wiederholbar sein, so dass Fred Carroll in der nächsten Trainingswoche mit Sicherheit einige Arbeit mit seinem Team haben wird. Man hat nun exakt eine Woche Zeit, ehe es am kommenden Sonntag zuhause gegen Halle weitergeht, nachdem das Auswärtsspiel am Freitag in Herne aufgrund der Hallenproblematik am Gysenberg verschoben werden musste.

Tore: 1:0 (09:20) Hanusch (Oblinger, Hofbauer/5-4), 1:1 (11:50) Hare (Haiduk, Gerbig), 1:2 (19:14) Haiduk (Gerbig, Hare/5-4), 1:3 (27:41) Lavallee (Gogulla, Eade/5-4), 2:3 (33:11) Wagner (Martens/5-4), 3:3 (33:31) Swärd (Martens), 4:3 (39:42) Weiß (Kruminsch), 5:3 (40:48) Swärd (Martens), 6:3 (47:32) Bielke

6:4 (48:09) Schwab, 6:5 (50:53) Lavallee (Gare, Schwab), 6:6 (56:27) Hare (Gerbig/5-3), 6:7 (57:52) Gerbig (Hare), 6:8 (59:38) Gare (Haiduk/ENG). Strafminuten: Berlin 18, Bad Nauheim 18. Zuschauer: 71.


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