Kollektiver Jubel trotz Niederlage des EHC - Saisonabschluss in München

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So etwas hat man in deutschen Eisstadien wohl noch selten erlebt: Die Spieler aus München und ihre Gäste aus Bremerhaven feierten auf dem Eis gemeinsam den geglückten Saisonabschluss mit einer überdimensionalen Raupe. Circa 50 Gästefans stimmten voller Begeisterung in den Jubelchor der 2500 EHC-Anhänger mit ein. Schließlich hatten alle genug Grund zur Zufriedenheit: Bremerhaven, bereits vor der Saison als haushoher Favorit gehandelt, hatte den heißersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga geschafft. Und der EHC München konnte als Aufsteiger wesentlich mehr erreichen, als viele gedacht hatten. Man stieg bis ins Halbfinale der Playoff-Runde auf und schaffte damit sogar den Einzug in die erste Pokalrunde, an der alle höherklassigen Teams teilnehmen.



Das zweite Halbfinale zwischen dem EHC München und den „Fischtown Penguins“ stand auf sehr hohem Oberliganiveau. Die frühe Führung der Gäste durch Stasiuk versuchten die Münchner mit großem kämpferischen Einsatz und wütenden Angriffen wettzumachen. Doch manch merkwürdige Entscheidung von Schiedsrichter Franz-Josef Trainer sowie eine überzeugende Torhüterleistung des Gästegoalies Hätinen standen dem entgegen. Ein Doppelschlag der Nordlichter, wiederum durch Stasiuk (45. Minute) und Del Monte (49. Minute), brachte dann die Entscheidung. Zwar konnte Leahy den vielbejubelten Anschlusstreffer erzielen, zu mehr reichte es für die Münchner allerdings nicht. Im Gegenteil: Stasiuk erzielte Sekunden vor dem Ende mit einem Empty-Net-Goal zum 4:1 seinen dritten Treffer.



Nach dem letzten Saisonspiel in München war dann die Zeit der Dankesreden und des Jubels:

Der erste Vorstand Jürgen Bochanski bedankte sich bei den Fans für ihre Treue und ihre Unterstützung während der langen Spielzeit. Dann ging der Dank an Trainer Michael Eibl, der sehr gute Arbeit geleistet hatte und die Münchner nun verlassen wird. Dieser wiederum zeigte sich ganz gerührt von soviel Lob: „Ich habe alle Vorgaben des Vorstandes erfüllt: Erst den Aufstieg in die Oberliga und dann das Erreichen des Halbfinales. Die Mannschaft ist in sich gefestigt und kann nächste Saison die 2. Liga anpeilen“, meinte Eibl unter großem Beifall bei der Pressekonferenz.

Und natürlich vergaß er nicht, dem Gegner zum Aufstieg zu gratulieren: „Bremerhaven hat den Aufstieg mehr als verdient. Nur das Stadion ist wohl nicht so ganz zweitligareif“, sagte Trainer Eibl, der sich mit seiner ehrlichen und geradlinigen Art viele Freunde in München gemacht hat. Der Gästecoach Peter Draisaitl machte trotz des Sieges einen reichlich geschafften Eindruck. Nicht ein winziges Lächeln war ihm zu entlocken:

„Der Druck während der letzten acht Monate war riesengroß“, meinte er. „Wir mussten unbedingt den Aufstieg schaffen, und das zerrt an den Nerven. Aber jetzt ist es endlich vorbei.“

In München geht, getreu dem Motto „nach der Saison ist vor der Saison“, der Blick bereits wieder nach vorne. Jürgen Bochanski versprach den Fans, dass man im kommenden Spieljahr das Erreichen des Finales anpeilen werde. An der Bande des EHC wird dann als Eibls Nachfolger sicherlich Georg Kink stehen, obwohl dies der Vorstand immer noch nicht offiziell bekannt gegeben hat. Das Team scheint, bis auf einige Ergänzungsspieler (Veicht, März, Machek), für die sich die Oberliga als eine Nummer zu groß erwiesen hat, zusammen zu bleiben. Auch die bereits als fix gemeldeten Abgänge von Thomas Vogl und Daniel Menge sind mittlerweile wieder fraglich geworden. Schließlich hat sich der EHC München durch solides und seriöses Wirtschaften innerhalb kurzer Zeit in der Eishockeyszene einen sehr guten Ruf erworben, weshalb kein Spieler gerne geht. Hier kann ein Eishockeycrack zwar keine Reichtümer ernten, aber dafür wird das Gehalt pünktlich bezahlt, was nicht überall selbstverständlich ist. Und auch die Kameradschaft innerhalb der Mannschaft ist sehr gut. Sicheres Indiz: Tim Leahy, Playoff-Torschütze vom Dienst und ehemaliger DEL-Spieler, möchte unbedingt in München bleiben und würde dabei sogar geringe finanzielle Einbußen in Kauf nehmen. (an)