Kleiner Aufwand gegen kleinen Kader - Halbes Dutzend gegen den Letzten

Lesedauer: ca. 3 Minuten

Der ESV Hügelsheim zählt in der Oberliga Süd zweifelsfrei nicht zu den Präferenzen des nur zeitweise in den Eishallen erscheinenden Publikums. Ein Heimspiel gegen den Tabellenletzten stellt oftmals mehr eine leidige Pflichtaufgabe für den eingefleischten Fan dar. So auch in München, wo das geneigte Eishockeypublikum nicht einmal durch eine Dumping-Aktion bei den Eintrittspreisen zu einem Besuch am Oberwiesenfeld zu bewegen war. Keine tausend zahlende Augenpaare wohnten dem Kräftemessen ungleicher Kaderstärken bei. Der Begriff "Kaderstärke" bekam an diesem Abend neben der qualitativen auch noch eine quantitative Komponente. Die anwesenden Spieler der Badener reichten nicht einmal für drei Verteidigungs- und Sturmformationen. Da wirkte die Absenzenliste auf Münchner Seite wie eine unvollkommene Kurzgeschichte. Zu ersetzen galt es den gesperrten Tim Leahy, den rekonvaleszenten Schorschi Kink, sowie den an Rückenproblemen laborierenden Thomas Vogl. In einer frühen Phase der Partie bekam leider auch noch Andi Attenberger den Lazarett-Stempel aufgedrückt. Ein vehementer Check an der Bande überstieg die Belastbarkeit seines Kieferknochens. Der junge Stürmer fällt vermutlich drei Monate aus. Somit sahen sich auf dem Eis drei Reihen deren zweieinhalb gegenüber. Die personell stärker besetzte Mannschaft siegte erwartungsgemäß mit 6:1 und fand einmal mehr den Weg zurück an die Tabellenspitze. 
 

Die Marschroute der Hornets war zu Beginn offensichtlich. Vorwiegend im eigenen Verteidigungsdrittel befindlich, versuchte das Schlusslicht das Aufbauspiel des EHC zu unterbinden und die Scheibe vom eigenen Gehäuse fern zu halten. An eigene Angriffe war überhaupt nicht zu denken. Aber auch das defensive Agieren der Hornets klappte nur bedingt. Hätte Pete Brearley bereits früh für die Führung sorgen können, übernahm dies ein Spieler, der in dieser Sasion noch nie unter den Torschützen zu finden war. Alex Wedl drückte den Puck im Nachsetzen über die Linie. Eine Wechselserie später versuchte Wedl es erneut. Diesmal aus weit größerer Distanz und im ersten Versuch. Genauer gesagt war es ein Blueliner in numerischer Überlegenheit, der den Weg am chancenlosen Phil Ozga vorbei in die Maschen fand. Eine sehenswerte Kombination zum Ende des Drittels entschied die Partie frühzeitig. Weites Zuspiel auf den rechts enteilenden Newhook, dessen kluge Vorlage Pete Brearley per Direktabnahme versenkte. Allerdings bei mäßiger Gegenwehr von jetzt bereits spürbar überforderten Gästen. Die Zuschauer auf den Rängen mutmaßten indes, wie es im Hinspiel gegen solch einen harmlosen Gegner zu einer Niederlage kommen konnte. Zieht man ausschließlich die Leistung der ersten zwanzig Minuten als Maßtab heran, sicher ein berechtigter Gedanke. Der erste halbwegs nennenswerte Torschuss seitens der Hornets wurde Sekunden vor der Sirene abgegeben. In Abschnitt zwei war es Mario Jann per Abstauber, der erhöhen konnte. Der Torjäger kommt nach verhaltenem Saisonstart immer besser in die Gänge, punktete zuletzt konstant. Fabian von Schilchers 5:0 resultierte aus einem haarsträubendem Scheibenverlust in der neutralen Zone, der dem EHC-Kapitän eine formidable Alleinfahrt in Richtung Phil Ozga ermöglichte. Trotz des klaren Spielstandes kritisierte Schorsch Kink das taktische Verhalten seiner Spieler in dieser Phase. "Alles nach vorne, nur noch Gedanken an die Scorerliste", bemängelte der Übungsleiter. In der Tat eröffneten sich den Gästen einige brauchbare Einschussmöglichkeiten. Ein sehr gut aufgelegter Jochen Vollmer bewahrte seine Vorderleute mit einigen Big-Saves vor größerem Schaden. Ein Shut-Out als Belohnung wäre nur gerecht gewesen. Dazu hätten die Kollegen allerdings auf den von der Strafbank kommenden Eike Etz achten müssen, anstatt im bei seinem Fastbreak den Geleitschutz zu versagen. Da tröstete Vollmer vermutlich kaum, dass zuvor Alex Leinsle mit einem strammen Schuss bereits das halbe Dutzend vollgemacht hat. Der Rest war Schaulaufen. München begnügte sich mit dem Geleisteten, Hügelsheim fehlten die substanziellen Reserven um noch Ergebniskosmetik zu betreiben. (orab)  
 
Trainerstimmen: 
Valenti: "Ein hochverdienter Sieg für München. Wir hatten im zweiten Drittel einige gute Möglichkeiten, weil München das Ganze nicht mehr so ernst genommen hat. Mehr war mit den vielen Verletzten nicht zu machen." 
 Kink: "1.Drittel: gut und konzentriert gespielt. 2. Drittel: Die bereits angesprochenen Gedanken an die Scorerliste. Hätte mir erhofft, dass Hügelsheim etwas mehr mitspielt. Aufgrund der jüngsten Ausfälle wird diese Woche mit Herrn Bochanski über evtl. Neuverpflichtungen gesprochen." 
 
 Tore: 
1:0 (08:11) Wedl (Vollmer, Eckmair), 2:0 (10:52) Wedl (Burman, v.Schilcher 5-4), 3:0 (17:10) Brearley (Newhook), 4:0 (28:04) Jann (v. Schilcher, Schury), 5:0 (34:05) v. Schilcher (Schury), 6:0 (43:30) Leinsle (Brearley, Newkook), 6:1 (46:49) Etz (Lizotte) 
 

Strafen: München 6 - Hügelsheim 8 
Schiedsrichter: Michael Deibler (EC Peiting im TSV) - Rischer, Schmidt 

Zuschauer: 981

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