Indians vorerst auf der Erfolgsspur zurück

Erster Neuzugang der IndiansErster Neuzugang der Indians
Lesedauer: ca. 4 Minuten

War das die Wende zum Guten für die Hannover Indians in

dieser Saison? Mit einem Kraftakt in den letzten 25 Minuten drehten die Mannen

von Trainer Greg Thomson einen 2:4 Rückstand in ein 5:4 Erfolg nach

Penaltyschießen gegen den EHC Klostersee.

Das Spiel: Was

wurde unter der Woche nicht alles diskutiert und gerätselt rund um den

Pferdeturm - Wer oder Was ist Schuld an der momentanen Verfassung der

Mannschaft? Die Mannschaft setzte sich untereinander zusammen, sprachen auch

mit ihrem Trainer, doch keiner kannte die Antwort, keiner konnte so richtig das

Problem greifen. Man spürte, dass sich zu Beginn der Partie gegen die Grafinger

Team und Fans der Indianer richtig viel vorgenommen hatten. Nur waren der

Mannschaft die letzten Partien und die dadurch resultierende Nervosität und

Unsicherheit deutlich anzumerken. Der Wille schien da zu sein, doch haperte es

an der Umsetzung. Über weite Strecken der Partie wurden die Zweikämpfe nicht

energisch genug angegangen, der Spielaufbau haperte, zuviel wurde von den

Stürmern auf eigenen Faust probiert, und die Nerven konnten nicht wirklich im

Zaun gehalten werden.

Durch den verletzungsbedingten Ausfall von Toptorjäger

Dennis Meyer, war Thomson erneut gezwungen die Reihen umzustellen. So wechselte

Verteidiger Danny Reiss in den Sturm. Sein Teamkollege Wade Winkler hatte in

der zweiten und siebten Minuten die ersten Chancen zur Führung und es kam wie

es kommen musste. Die Gäste fuhren einen ihrer ersten Angriffe in Richtung

Indians-Gehäuse, und hatten Erfolg. Petr Zajonc traf zur Führung und als

zweieinhalb Minuten später erneut Zajonc einen Abstauber in Überzahl verwerten

konnte, glaubten dies die 2481 Zuschauer und die Mannschaft kaum. Alles was man

sich als Schlachtplan zurechtlegte war nach neun Minuten dahin. 

Mit entsprechender Portion Wut kam der ECH aus den Kabinen.

Jan Welke versuchte wie immer alles, scheiterte aber in der 22. und 23. Minute,

ehe es Sebastian Lehmann vorbehalten war, den Anschlußtreffer zu erzielen. Als

er sechs Minuten später, von der Strafbank kommend, alleine aus das Gästetor

zulief, hatten die Fans schon den Torschrei auf den Lippen, doch Lehmann

verzog. Wer seine Chancen nicht nutzt, der wird bestraft. Diese Weisheit traf

auch diesmal wieder zu. Unbeeindruckt vom Gegentor starteten die Bayern eine

Druckperiode, auf dessen Höhepunkt das 3:1 durch Michael Saller fiel.

Freistehend vor Kondelik hatte er keine Mühe den Puck unterzubringen. So liefen

die Niedersachsen wieder einem Zwei-Tore-Rückstand hinterher. Chamberlain

scheiterte in der 35. Minute aus spitzem Winkel, und als zwei Minuten vor der

Drittelpause die Hannoveraner eine Überzahlsituation bekamen, Wieser büßte auf

der Strafbank, beschäftigten sich die Fans, ob der Powerplayschwäche,  mehr mit dem Organisieren des Pausenbieres.

Wer dennoch zusah, der verpaßte die erste gelungene Kombination in Überzahl

seit langem am Pferdeturm. Butler zu Webb, der in die Mitte zum freistehenden

Lehmann, und das Eigengewächs erzielte den erneuten Anschlußtreffer.

„Es ist mir egal wie wir jetzt gewinnen. Ob schön oder

häßlich, Hauptsache wir siegen...“, waren die Worte von Greg Thomson in der

zweiten Pause zu seiner Mannschaft. Dennoch kam die kalte Dusche zu

Drittelbeginn. Cori Sicorschi zog von der blauen Linie ab und traf zum 2:4 aus

Sicht der Hausherren. Kurioserweise war dieser Treffer sowas wie die Wende im

Spiel. Ob nun aus einer gewissen Gleichgültigkeit noch mehr Gegentoren

gegenüber oder aus Trotz, kamen die Indians von nun an besser in die Partie.

Eine schöne Kombination von Rohde und Chamberlain nutze Kyle Doyle zum 3:4. Nun

war die Kulisse wieder der siebte Mann, Angriff um Angriff brandete in Richtung

Tor von Florian Hochhäuser. Jordan Webb hatten im Fallen nach 53 Minuten noch

mit die größte Gelegenheit zum Ausgleich. Mit fortschreitender Spielzeit wuchs

die Spannung, die sich zwei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit vollends

entlud. Zuerst hatte Winkler die Chance, und als Markus Rohde in der

anschließenden Situation den Puck über die Linie stocherte, kannte der Jubel am

Pferdeturm keine Grenzen mehr. Doch beinahe hätten die Gäste die Euphorie

abrupt platzen lassen können. 52 Sekunden vor Ende der Partie rettete aber  Roman Kondelik mit einem Hechtsprung seiner Mannschaft

die anschließende Verlängerung.

Diese gestaltete die Heimmannschaft überlegen, ohne jedoch

Kapital daraus zu schlagen. So war es der „Lotterie“ Penaltyschießen

vorbehalten für die Entscheidung zu sorgen. Als es nach jeweils fünf Schützen,

Winkler (ECH) und Zjonc (EHC) trafen, immer noch Remis stand, war es Jan Welke

vorbehalten seine gewohnt engagierte Leistung mit dem entscheidenden Treffer zu

krönen. Als Zajonc an Kondelik um 22:29 Uhr scheiterte, war allen Indianern die

Erleichterung anzusehen.

Am Rande: War

doch eine gewisse Erleichterung im Indianslager zu spüren, so konnte man

Gästetrainer John Samanski die Enttäuschung auf der Pressekonferenz ansehen:

„Wir sind nicht glücklich über das Ende. Bis eineinhalb Minuten vor Ende haben

wir eine tolle Leistung gezeigt, haben aber dann einen Riesenfehler zum

Ausgleich gemacht.“ Sein Gegenüber lobte Jordan Webb, der ob seiner Verletzung

eigentlich fast gar nicht hätte spielen können, dennoch auf die Zähne bis,

sowie den zweifachen Torschützen Sebastian Lehmann. Auch die heute

fantastischen Fans lobte der Ex-Nationalspieler: „Danke an die Zuschauer, die

uns bis zum Ende unterstützt haben. Ich habe das in den letzten Jahren in so

einer Situation auch anders erlebt.“

Ferner soll und darf die wohltuend souveräne Leistung von

Hauptschiedsrichter Zsolt Heffler, nach den schlechten Leistungen seiner

Kollegen in den Vorwochen, nicht unerwähnt bleiben.

Statistik: 0:1

(6:26) Zajonc (F. Saller); 0:2 (8:52) Zajonc (M. Saller, F. Saller) 5-4; 1:2

(22:02) Lehmann (Webb, Welke); 1:3 (29:03) M. Saller (Nickel); 2:3 (37:32)

Lehmann (Butler, Webb) 5-4; 2:4 (41:00) Sicorschi (McCartin); 3:4 (45:20) Doyle

(Chamberlain, Rohde); 4:4 (58:10) Rohde; 5:4 (65:00) Welke (GWS)

Strafen: Hannover 8 + 10 für Staltmayr – Klostersee 8

Schiedsrichter: Heffler (Dinslaken)

Zuschauer: 2481

Jens Wilke

 

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