Indians: Mit dem Herz in der Hand in die Niederlage

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Lesedauer: ca. 4 Minuten

Was

sich fünf Sekunden vor Ende der Partie zwischen den Hannover Indians und den

Ice Aliens aus Ratingen abspielte, solche Geschichten kann nur der Sport

schreiben. Sean Owens, in der letzten Saison noch im Dress der Indians,

erzielte den Siegtreffer für sein neues Team und ließ die 3127 Zuschauer,

sofern diese aus Hannover kamen, entsetzt nach Hause fahren.

Das Spiel: Man

spürte es vor Spielbeginn bis in den letzten Winkel des altehrwürdigen

Pferdeturms, dass sich heute was Besonderes abspielen würde, das die heutige

Partie keine Normale werden würde. Was wurde unter der Woche rund um den

Pferdeturm nicht alles diskutiert, man „geigte“ sich Montag beim Fan-Stammtisch

die Meinung, im Fan-Forum wurde eine kontroverse Diskussion geführt. Bereits

beim Aufwärmen konnten die Fans eine motivierte Indians-Mannschaft sehen, und

auch die Fans wollten dem nicht nachstehen. Unerwartet pilgerten über 3000 Fans

nach Kleefeld und verbreiteten schon vor der Partie eine  Gänsehautatmosphäre. 

Doch was immer sich alle vornahmen war nach sieben Minuten

ad acta gelegt. Wie in den beiden vorherigen Partien führte der Gast schnell

mit 2:0 und durfte relativ gelassen der restlichen Spielzeit entgegen sehen.

Engagiert gingen die Mannen von Trainer Thomson zu Werke, vielleicht einen zu

Tick übereifrig. Nachdem Indians-Stürmer Welke nach 52 Sekunden die erste

Chance für die Hausherren hatte, sorgten zwei Strafen für Doyle und Chamberlain

in der dritten Minuten für den nötigen Druck im Spiel der Rheinländer. Grein

(4.) mit einem Lattenkracher war nur der Vorgeschmack, genauer zielte eine

Minute später Kujala. Bei 5-4 Überzahl hämmerte er den Puck in den kurzen

Winkel. Zwei Minuten später der nächste Nackenschlag für die Indians. Die

Strafzeit von Aliens-Verteidiger Priebsch war abgelaufen, da nutzten die Gäste

einen Puckverlust der Hannoveraner zum Konter, Smith zu Grein und der

vollendete ohne Mühe zum 2:0. Danach neutralisierten sich beide Teams, und

angetrieben von den Fans drohte die Partie Sekunden vor dem Drittelende zu

kippen. In Unterzahl erkämpfte sich Chamberlain an der Mittellinie den Puck,

tankte sich durch und erzielte 50 Sekunden vor der Pause den Anschlußtreffer.

Das war Adrenalin pur für die Indians, und als bei 19:48 Webb´s Sololauf kurz

vor der Krönung stand, drohte der Turm komplett zu explodieren.

Im Mittelabschnitt die Indians bemüht den Ausgleich zu

erzielen, doch konnten sie nie die glasklare Chance heraus spielen. Besser

dagegen die Ice Aliens in Sachen sich Chancen zu erarbeiten. Owens (27.),

Mulock (30., 35.), Smith (33.) vergaben die größten Chancen die Führung

auszubauen, mußten dabei aber auch Roman Kondelik Tribut zollen, der heute eine

Sahnetag erwischt hatte. Eine höhere Führung für die Ratinger wäre zu diesem Zeitpunkt

der Partie mehr als verdient gewesen. 

Im Schlußdrittel erlebten die Fans eine Indians

Mannschaft, die fast wie aus einem Guß agierte, dabei das Publikum endgültig

auf ihre Seite zog und fast schien es, als hätten die letzten Wochen nie

stattgefunden. Lohn der Bemühungen der Ausgleich in der 48. Minute. Die Indians

wieder in Unterzahl, da nutzte Jan Welke eine Konterchance, setzte sich in

seiner unnachahmlichen Art und Weise durch und ließ das Eisstadion in seien

Grundfesten erschüttern. Zum dritten Mal in Folge wurde ein Rückstand

aufgeholt, die Moral scheint stimmt also zu stimmen im Team der Indians. In der

Folgezeit entwickelte sich ein packender 

Schlagabtausch auf beiden Seiten, mit Chancen zum Siegtreffer in Hülle

und Fülle. In der letzten Minute hatte Jordan Webb den Game-Winner auf dem

Schläger, scheiterte aber. Dann geschah das Unfassbare. An der eigenen Bande

vertändelte Staltmayr den Puck an Grein, der passte zum freistehenden Owens und

dieser ließ seinem ehemaligen Kameraden im Indians-Tor keine Chance.

Fazit: Was soll

man nach so einem dramatischem Ende aus Indianssicht sagen? Vom Einsatz und

Kampf her, kann und darf man der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Man hat

gesehen das sie alles versucht haben, dass sie im Begriff sind aus der Talsohle

herauszukommen. Nur stehen sie sich immer wieder selbst im Weg. Das

Überzahlspiel ist quasi Keines, das fängt schon beim unsauberen ersten Paß an,

und hört im gegnerischen Drittel auf, wo zu selten geschossen, und immer um das

Tor herum gespielt wird. Desweiteren ist da ein Alexander Schuster, der die

Fans mittlerweile nun endgültig gegen sich aufgebracht haben dürfte. Sorgte

seine Strafe am vergangenen Sonntag in Heilbronn für das entscheidende Tor, so

brachte er es heute fertig, zweimal in eigener Überzahl unnötige Strafzeiten zu

nehmen. Noch scheint der frühere Publikumsliebling nicht in Hannover angekommen

zu sein.

Gespannt war man auf die Pressekonferenz nach dem Spiel.

Rannte Trainer Thomson wutentbrannt nach dem Ratinger Siegtreffer in die Kabine,

umso gefasster wirkte er auf der PK. „Ich bin es mittlerweile leid, jeder Woche

hier nach Entschuldigungen zu suchen. Das Problem ist das wir jede Woche dumme

Fehler machen. Ich werde es nicht mehr mitmachen, das ein Teil der Mannschaft

nicht alles gibt. Dieser Teil wird sich ab morgen warm anziehen müsse“,

kündigte der Deutsch-Kanadier Konsequenzen an. Wie diese aussehen werden, du ob

diese der Weisheit letzter Schluss ist, werden die nächsten Spiele zeigen. 

Statistik:

0:1 (4:14) Kujala (Micheller, Miettinen) 5-4; 0:2 (6:47) Grein (Smith,

Priebsch); 1:2 (19:10) Chamberlain (Schuster) 4- 5; 2:2 (47:20) Welke 4-5; 2:3

(59:55) Owens (Grein, Smith)

Strafen:

Hannover 22 + 10 für Doyle – Ratingen 24 + 10 für Glaser

Schiedsrichter:

Daniel Piechaczek (Ottobrunn)

Zuschauer:

3127

Jens

Wilke