Großer Kampf bei 2:3-Niederlage in Heilbronn

"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz"Rote Teufel" warten noch auf die Lizenz
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Fast 50 Minuten lang hielten die Roten Teufel Bad Nauheim beim Tabellenvierten, dem Heilbronner EC, einen 2:0-Vorsprung, erst in den letzten zehn Minuten konnte der Favorit das Ergebnis drehen. Die Falken gewannen mit 3:2. (0:2, 0:0, 3:0). Dennoch gehen die Hessen mit erhobenem Haupt aus dieser Partie, denn der Einsatz stimmte von der ersten bis zur letzten Minute, so dass zumindest ein Punkt allemal verdient gewesen wäre.

Kurz vor Abfahrt des Mannschaftsbusses meldeten sich mit Martin Prada (Magen-Darm) und Bernd Naulin (Leiste) zwei weitere Stürmer für dieses Spiel ab, so dass RT-Coach Thomas Barczikowski seine Blöcke neu formieren musste. Neben den beiden Finnen spielte erstmals Gastspieler Andreas Popp, während Neuzugang Beppi Eckmair wie angekündigt gemeinsam mit Sascha Mader und Paul Knihs stürmte. Die dritte Reihe bildeten Willkom, Hackert und Schmitt. Die Partie begann wie erwartet: Heilbronn würde eine Anfangsoffensive starten, doch diese mündete in lediglich einem Schuss von John Spoltore in der 4. Minute, den Ingo Schwarz souverän abwehren konnte. In der Folgezeit wagten sich die Gäste immer mehr nach vorne und trauten sich auch mehr zu. Nach einem gewonnenen Bully in der gegnerischen Zone tankte sich Pietiläinen durch, und irgendwie schaffte es sein Sturmpartner Mikko Kainulainen das Hartgummi an Danny aus den Birken, der an diesem Abend im Kasten der Falken stand, vorbei zum 0:1 zu bringen. Die gut 60 mitgereisten RT-Fans waren jetzt natürlich aus dem Häuschen, und die Hessen spielten weiter munter nach vorne. In der Abwehr sind die Schwaben verwundbar, und das merkte man auch deutlich in dieser Partie. Sogar in Unterzahl in der 11. Minute hätte man auf 2:0 erhöhen können, nachdem Saßmannshausen die Scheibe mit großem Einsatz hinten blockte, so dass Pietiläinen zum Break ansetzen konnte. Doch der Finne scheiterte am Goalie der Falken. Knapp drei Minuten später dennoch der zweite Treffer für die Gäste: nach einer Konfusion in der Hintermannschaft der Hausherren bewahrte Brett Larson die Übersicht und legte schön auf Sascha Mader auf. Dieser brauchte nur noch die Scheibe zum 0:2 einzuschieben. Die Gastgeber hatten lediglich noch eine gute Möglichkeit im ersten Abschnitt, als Topscorer Caudron abzog, und die Scheibe von der Linie gekratzt werden musste, nachdem der harte Schuss Schwarz leicht durch die Schoner rutschte.

Im Mittelabschnitt spielten die Gäste sehr clever nach dieser erstmaligen Zwei-Tore-Führung in einem Auswärtsspiel: man wartete ab, was der Gegner machen würde, um dann das Spiel der Falken zu zerstören. In dieser Phase gab es viele Unterbrechungen durch Icings, da zum einen die Teufel die Scheibe immer wieder aus dem Drittel brachten, aber die Falken auch immer wieder viele Fehlpässe fabrizierten. Viel Druck kam da jedoch nicht von den Gastgebern, so dass aus dem Publikum bereits die ersten Pfiffe in Richtung ihres Teams zu hören waren. Gegen den vermeintlichen Underdog hatten sich die Schwaben natürlich weitaus mehr ausgerechnet, aber die Teufel zeigten eine sehr gute Leistung und spielten ihr Defensivkonzept durch. Zeitweise wussten die Falken überhaupt nicht mehr, wie sie agieren sollten, so dass das Heft fest in der Hand der Hessen zu sein schien. Man war sich bewusst, dass das dritte Tor für die Gäste möglicherweise eine Art Vorentscheidung sein könnte, und wer weiß, was passiert wäre, wenn Popp in der 32. Minute aus einem etwas zu spitzem Winkel getroffen hätte. Stattdessen drehten nun aber die Falken auf und zeigten ihr gewohntes, offensives Spiel. Besonders die Formation mit Kovalev und Caudron stand nun im Blickpunkt ebenso wie Ingo Schwarz, der immer wieder die Fanghand und den Schoner dazwischen hatte. Insgesamt vier Hochkaräter holte der Nauheimer Torhüter in den letzten fünf Minuten des zweiten Abschnittes heraus, wobei Kovalev bei einem Schuss bereits den Torjubel auf den Lippen hatte, Schwarz aber mit einer Blitzreaktion rechtzeitig den Schoner ausfuhr.

Auch im letzten Drittel war es ein reiner Sturmlauf der Hausherren, dennoch standen die Roten Teufel defensiv gut, und es kämpfte jeder für jeden. Ein wenig Glück gehört natürlich auch dazu, wie z.B. in der 42. Minute, als Heilbronns Kapitän Vogl völlig freistehend am Tor der Roten Teufel vorbei zog. Die RT-Fans hofften natürlich, dass man so lange wie möglich den Vorsprung halten könnte, denn dann würden die Falken noch nervöser werden, zumal das Publikum zusehends ungeduldiger wurde. Ausgerechnet in diese Phase hinein kam aber eine 2+10-Minutenstrafe gegen Josh Barker, so dass man in der ohnehin schon stark unter Druck gesetzten Abwehr nur noch mit vier Spielern agieren konnte. Die zwei Minuten des Kanadiers waren gerade abgelaufen, da klappte erstmals die Abstimmung der beiden RT-Verteidiger nicht, Pielmeier lief durch deren Mitte auf Schwarz zu und ließ ihm beim 1:2 in der 49. Minute keine Abwehrchance. Noch waren elf Minuten zu spielen, und noch führten die Roten Teufel, aber dieser Treffer gab den Gastgeber natürlich Auftrieb. Nun waren plötzlich auch die HEC-Fans wieder da, und es entwickelte sich für die Gäste eine einzige Abwehrschlacht. Mit Mann und Maus stand man hinten und brachte den Gegner zur Verzweiflung. Aber die Hausherren behielten die Nerven, und es waren nicht die Ausländer, die die Akzente am Ende setzten. Die aktuellen und ehemaligen Mannheimer Förderlizenzspieler trumpften groß auf, so auch Mats Schöbel in der 56. Minute, der mit einem Rebound nach einem Schuss von Cory Holden zum 2:2-Ausgleich erfolgreich war. Die RT-Anhänger bangten und hofften jetzt natürlich auf die Verlängerung und auf mindestens einen Punkt, was das Team allemal verdient gehabt hätte. Aber man wurde wieder mal nicht belohnt, denn Cespiva markierte mit einem strammen Schuss in der 57. Minute den 3:2-Führungstreffer der Gastgeber. Thomas Barczikowski probierte zwar noch einmal alles und nahm Ingo Schwarz aus dem Kasten, es sollte aber nichts mehr bringen. Der am Ende zwar ob der Großzahl der Chancen verdiente, aber irgendwie auch glückliche Sieg der Falken war perfekt. Dennoch geht ein großes Lob an Thomas Barczikowski und sein Team, das sich teuer verkauft und gezeigt hat, dass man über Kampf ins Spiel finden kann, und dass man nicht ohne Chancen auch gegen Spitzenclubs ist, wenn man vom ersten bis zum letzten Mann vollen Einsatz zeigt.

STIMMEN ZUM SPIEL:

Thomas Barczikowski: "Ich bin stolz auf mein Team, das ein sehr gutes Spiel abgeliefert hat. Leider wurde der große Kampf am Ende nicht belohnt, wir hätten aber zumindest einen Punkt verdient gehabt. Es ist halt irgendwie der Wurm drin, denn wir haben viele enge Spiele bislang gehabt, aber selten mal etwas Zählbares mitnehmen können. Dennoch sind wir auf einem guten Weg, und wir werden noch weitere personelle Verstärkungen bekommen. Heilbronn hatte klar mehr Torschüsse, aber wir standen defensiv sehr gut. Wir haben auf unsere Chancen gewartet und diese dann auch genutzt. Nach dem 2:0 hat Ingo Schwarz sensationelle Paraden gezeigt und uns lange im Spiel gehalten. Am Ende haben wir leider an Substanz verloren, trotzdem geht ein Kompliment an meine Mannschaft."

Rico Rossi: "Es war heute attraktives Eishockey mit vielen Chancen unsererseits, leider haben wir nicht so viele davon verwerten können. Es ist immer schwer, gegen einen Gegner, der sein Konzept durchzieht, erfolgreich zu sein. Wir haben aber am Ende Geduld bewiesen. Dass das Ergebnis so knapp ausfällt ist auch ein Verdienst des Defensivkonzepts des Gegners, gegen den man halt keine zehn Tore schießen kann."

Derweil hat Jan Barta den Roten Teufeln abgesagt.

Tore: 0:1 (6:29) Kainulainen (Pietiläinen), 0:2 (14:37) Mader (Larson, Hackert), 1:2 (48:55) Pielmeier (Dorochin, Holden), 2:2 (55:08) Schöbel (Holden, Dorochin), 3:2 (56:44) Cespiva (Kovalev, Becker). Strafen: Heilbronn 20, Bad Nauheim 16 + 10 (Barker). Zuschauer: 1451.