Gnadenfrist für den ESV Bayreuth

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Am späten Mittwochabend konnte der ESV Bayreuth aufatmen. Weitere zehn Tage haben die Tigers nun Zeit, die drohende Insolvenz noch einmal abzuwenden. Der Aufsichtsrat der für den Ligenspielbetrieb zuständigen Eishockey-Spielbetriebsgesellschaft (ESBG) stimmte in München der Fristverlängerung zu.

Zwar folgte das Gremium nicht ganz dem Antrag von Bayreuths Sportlichem Leiter Peter Diener, der 14 Tage Aufschub erreichen wollte, doch immerhin kann sich der ESV über wichtigen Zeitgewinn freuen. Denn Zeit ist derzeit der Hauptgegner der Tigers.

Seit fünf Tagen läuft die Spendenaktion zur Rettung des Eishockey-Oberligisten auf Hochtouren (Spendenkonto ESV Bayreuth, Kontonummer 20000286, Bankleitzahl 78030000, Schmidtbank Bayreuth). Der Verein war vor allem durch Altlasten, die bei Betriebsprüfungen der Jahre 1995 bis 2002 aufgedeckt worden waren, in eine gefährliche finanzielle Schieflage geraten. Mehr als 22 000 Euro sind dem Verein im Laufe der Rettungsaktion bisher zugeflossen – eine Zahl, die offensichtlich auch in München Eindruck gemacht hat. „Die ESBG hat gesehen, was wir bisher erreicht haben“, begründet ESV-Pressesprecher Michael Birkhan die positive Entscheidung.

Jedoch: Noch reicht die gespendete Summe lange nicht aus, um die Finanzlöcher zu schließen. 60 000 Euro fordert die ESBG kurzfristig vom Bayreuther Eishockeyverein, damit im Stadion am Sportpark auch in der kommenden Saison höherklassiges Eishockey zu sehen ist. Somit fehlen den Verantwortlichen noch rund 38 000 Euro, um die Lizenz zu erhalten. Doch Birkhan ist optimistisch, dass diese Summe von Fans, Sponsoren und Gönnern des Vereins aufgebracht wird. Schließlich ist die Entscheidung der ESBG ein positives Zeichen, dass auch außerhalb des Vereins an den Fortbestand des Bayreuther Eishockeys geglaubt wird.

Unterdessen haben sich zwei frühere Verantwortliche des ESV Bayreuth dagegen gewehrt, eine Mitschuld an der heutigen Finanzmisere zu tragen. Gegenüber dem Nordbayerischen Kurier erklärte Ex-Vorstand Michael Böhner, der am 1. August 1999 ins Amt gekommen war, dass unter seiner Ägide nur ein Zeitraum von vier Monaten betroffen sein könne. Danach hatte der ESV Bayreuth den Spielbetrieb in zwei GmbHs ausgegliedert, die beide insolvent gingen. Aus der Zeit der GmbHs könnten also keine Forderungen an den Verein herangetragen werden, stellte Böhner fest. Er spekuliert, dass der heutige Vorstand vielleicht voreilig Forderungen akzeptiert habe, die eigentlich zum Bereich der GmbHs gehört hätten.

Der heutige Vorstand hatte beim Fanstammtisch am vergangenen Samstag jedoch erklärt, manche Spieler aus den Zeiten der GmbHs seien weiterhin auf den Stammverein gemeldet gewesen und wohl „vergessen worden“.

Auch der ehemalige Sportliche Leiter Dietmar Habnitt weist jede Verantwortung auf einen eventuellen Fehlbetrag aus seiner Amtszeit zurück: „Ich hatte mit der GmbH absolut nichts zu tun.“ Seine Rolle sei lediglich eine beratende gewesen, nicht einmal zeichnungsberechtigt sei er gewesen. Diese Aussage deckt sich mit den Angaben Peter Dieners, der in der vergangenen Woche auf Nachfrage eines Fans erklärt hatte, Verträge seien in dieser Zeit allesamt über Geschäftsführer Thomas Meyer und Vorsitzenden Michael Böhner gelaufen. Zudem, so berichtete Habnitt weiter, dürfe auch die Rolle von Markus Ultsch nicht vergessen werden. Dieser war für kurze Zeit Geschäftsführer einer GmbH der Tigers gewesen und wurde nur kurze Zeit später wieder entlassen. Gerüchteweise hatte es damals geheißen, Ultsch habe in der Planung des Saisonetats grobe Fehler gemacht. (Ingo Schorlemmer)

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